Form und Inhalt

Eine grundlegend wichtige Unterscheidung in Ein Kurs in Wundern

Kenneth Wapnick - Form und Inhalt

„Form & Content“ heißt das 6-Min.-Original-Video von Kenneth Wapnick, Ph.D.


Form und Inhalt ist eines der zentralen Themen in Ein Kurs in Wundern. Das Missverständnis von Form und Inhalt führt bei Schülern leicht zu einer Menge Verzerrungen, sowohl in Bezug auf das, was der Kurs aussagt, als auch in Bezug auf seine Anwendung im Alltag.

Wenn wir über Form sprechen, so bezieht sich das auf Verhaltensweisen, den Körper und die Welt, also auf das, was wir als außerhalb des Geistes wahrnehmen (auch der Körper ist außerhalb des Geistes).

Wenn wir über Inhalt sprechen, so meinen wir den Geist. Der Geist hat nur zwei Inhalte. Der eine Inhalt des Geistes ist das Ego-Denksystem der Trennung, der Sünde, der Angst, des Schmerzes, des Leidens und des Tods. Dieses gründet auf den Glauben an das Getrennt-sein von Gott und voneinander.

Der andere Inhalt des Geistes ist die Recht-Gesinntheit des Heiligen Geistes, welcher ist Vergebung, Wunderheilung und Frieden.

Die einzige Entscheidungsmöglichkeit die wir haben, oder wie der Kurs es ausdrückt, „die einzige Wahlmöglichkeit, die uns als Gefangene dieser Welt bleibt“, ist die Entscheidung für Gott oder für das Ego, für den Heiligen Geist oder für das Ego, Vergebung oder Groll, und das hat immer mit der Ebene des Inhalts zu tun. Wenn wir über Absicht reden, ist das auch Inhalt.

Das Ego hat die Welt erträumt, die Welt der Körper, um uns isoliert und mit der Welt der Form identifiziert zu halten, also mit der Welt der Geistlosigkeit, damit wir niemals zum Geist und seinem Inhalt zurückkehren.

Diese Welt soll bewirken – das ist die Absicht des Ego –, dass wir uns nie mehr daran erinnern, Geist zu sein (und nicht eine Form, nicht ein Körper).

Unser Getrennt-sein-wollen ist das Ego. Dafür entscheidet sich der Teil unseres Geistes, der Entscheider, der immer nur wählen kann zwischen dem Getrennt-sein-wollen und dem EINSSEIN.Die gesamte Existenz des Egos hängt sehr von dieser Wahl des entscheidenden Geistes ab.

Die Angst des Ego ist, dass der Entscheider seinen Fehler erkennt (sich mit dem Ego verbunden zu haben) neu wählt (sich für eine andere Führung entscheidet) – für die Sühne statt der Trennung. Dadurch erkennt der Entscheider, dass die Trennung von Gott in Wirklichkeit nie stattgefunden hat. In unserem Leben, in unserem Traum des Getrennt-seins, scheint die Trennung allerdings geschehen und sehr wirklich zu sein, doch wenn der Entscheider sich für die Schau des Heiligen Geistes entscheidet, erwacht er aus dem Traum des Getrennt-seins.

Bei unserem Erwachen vom Getrennt-sein-wollen, würde das Ego verschwinden, d. h., das Gedankensystem der Trennung, der Individualität und Besonderheit. Das Ich würde im EINSSEIN zum wahren SELBST erwachen (EKIW nennt das wahre SELBST Christus, was das SELBST immer war, dies im Schlafzustand aber nicht erkannte).

Um sicherzustellen, dass dies niemals geschieht, entwickelte das Ego die Strategie der Form, welche die Strategie der Geistlosigkeit ist (die Geistlosigkeit überzeugt uns fälschlich davon, eine körperliche Form zu sein und nicht Geist).

Durch alle Zeitalter hindurch, seit der Geburt des Egos und der Entstehung des Universums (das aus Materie, Energie, Raum und Zeit besteht), sind wir kontinuierlich und fast ausnahmslos – als Gottes getrennter Sohn* in all seinen Fragmenten, –, vom Ego dahingehend getäuscht worden, die Welt der Formen erforschen zu müssen und zu denken, dass die Welt der Form, die Welt der Körper, die Welt selbst das Problem sei und die Lösung enthalte (durch unser Forschen versuchen wir, die Lösung des Problems unserer Existenz zu finden).


*) Jede einzelne, geistige Schöpfung Gottes ist ein Individuum. Das Nicht-Vereinzelte nennt der Kurs den EINEN Sohn Gottes  (das sind alle geistigen Wesen zusammen als EINS; im Kurs auch Christus genannt).


Der Kurs konzentriert sich immer wieder auf Beziehungen, denn in unseren Beziehungen zu anderen Menschen sind die Projektionen der Schuld über unsere vermeintliche Trennung von Gott am deutlichsten, am mächtigsten und am verführerischsten in der Fähigkeit, uns von der Rückkehr zum Geist wegzulocken und uns nicht merken zu lassen, dass alles aus unserem Geist heraus in die Welt projiziert wird (nichts geschieht einfach so per Zufall. Klicke auf den Link, um durch den Vergleich mit einem Puppenspieler zu verstehen, wie der Geist wirkt).

Wenn Jesus zum Beispiel in Ein Kurs in Wundern über besondere Beziehungen spricht, und das tut er ausgiebig, so spricht er meistens über die Berichtigung der besonderen (der ausschließenden) Beziehung durch die heilige (einschließende) Beziehung. Es ist für die Leser des Kurses dann sehr, sehr verleitend, zu glauben, der Kurs spreche über den Körper (die Form), d. h. wir meinen dann (fälschlich), der Kurs spreche über die Beziehungen, die ich mit anderen Körpern (Formen) habe, beispielsweise mit Familienmitgliedern oder mit Arbeitskollegen; ja selbst Beziehungen mit Personen der Öffentlichkeit, welche zwar einseitig sind, jedoch nicht weniger wichtig für uns; und so werden sehr beschäftigt mit unseren Beziehungen,wenn nicht sogar besessen, denn wir glauben, dass sie das Problem (all unserer Probleme) sind. Deshalb gibt es viele Stellen im Kurs, wo Jesus von unseren körperlichen Beziehungen zu sprechen scheint, denn es ist der Körper, mit dem wir uns identifizieren.

Erst später, typischerweise erst viel später in unserer Arbeit mit dem Kurs, erkennen wir, dass Jesus nur über eine besondere Beziehung spricht. Diese eine, besondere Beziehung ist die Beziehung des Entscheiders mit dem Ego (hat der Entscheider sich mit dem Ego, dem Getrennt-sein-wollen identifiziert, so ist unsere Beziehung – zu uns und anderen – eine besondere Beziehung, sie ist eine ausschließende Beziehung, weil sie das Resultat des Getrennt-sein-wollens, des Ausschlusses ist).

Jesus spricht nicht über die Form, welche die eine, besondere Ego-Beziehung annimmt, sondern er spricht über den Inhalt der besonderen Beziehung (darüber, dass sich der Entscheider für das Getrennt-sein-wollen, entschieden hat). Ebenso spricht er, wenn er von der Heiligen Beziehung spricht, die die Korrektur für die besondere Beziehung ist, nicht über eine Beziehung, die mit Form (Körpern) zu tun hat.

Seien Sie skeptisch, wenn Ihnen jemand sagt: „Ich und diese andere Person haben eine heilige Beziehung.“ In dem Fall sollten Sie so schnell wie möglich in die entgegengesetzte Richtung laufen, denn derjenige, der das behauptet, leugnet die besondere Beziehung, die sie zu der Annahme verleitet, dass es bei der Heiligen Beziehung um die Form geht, dass die Heilige Beziehung zwischen zwei Menschen existiert, was unmöglich ist – die Person missachtet die Tatsache, dass Form (Körper) niemals Inhalt (Geist) sein kann. Das bedeutet, dass das, was sie verdrängen, unweigerlich nach außen projiziert wird und Sie das Opfer ihres Angriffs werden.

Ein psychologisches Gesetz lautet: „Ein verdrängtes Gefühl wird früher oder später nach außen projiziert.“ Dadurch wirst du zum Opfer des Angriffs dieser Person (sie behauptet, eine heilige Beziehung könne zwischen Körpern existieren. Sie wird dich, weil sie projiziert, für irgend etwas schuldig sprechen und dich angreifen, aber die Person weiß nicht, dass sie ihre eigene Schuld in dir sieht).

Die heilige Beziehung kann nur im Geist existieren. Die heilige Beziehung ist die Erkenntnis des Entscheiders, dass er einen Fehler gemacht hat (sich mit dem Getrennt-sein-wollen verbunden zu haben). Jetzt entscheide ich (als Entscheider), den Fehler zu berichtigen, indem ich mich für Jesus oder den Heiligen Geist als meine geistige Führung entscheide, also für die Heilige Beziehung (und nicht mehr für das auf dem Getrennt-sein-wollen gründende Ego-Denksystem). Dies ist der ausschlaggebende Unterschied zwischen Form und Inhalt.

Im Textbuch (T-16 V.12), wird uns gesagt, „die besondere Beziehung ist der Triumph von Form über Inhalt“. Die besondere Beziehung, d. h., wenn wir mit dem Ego verbunden sind, lässt uns glauben, dass die Form der weltlichen Liebe (die immer mit Form zu tun hat), über die göttliche LIEBE, den Inhalt, triumphiert habe.

Wenn Sie den Abschnitt „Die Entscheidung für die Vollständigkeit“ in Kapitel 16 aufmerksam lesen, werden Sie erkennen, dass Jesus auf die besonderen Beziehungen, die wir mit unseren Religionen eingegangen sind, im Sinn hat, insbesondere mit dem Christentum, das das Ritual (= Zeremoniell, nach genauen Regeln ablaufendes Geschehen) zum Ersatz für die tatsächliche Erfahrung der LIEBE Gottes gemacht hat.

Damit wir also wirklich geheilt werden können, müssen wir das Problem unserer besonderen Beziehungen zu seiner Ursache bringen, nämlich die irrtümliche Entscheidung des Geistes für das Ego. Sobald wir zum Geist zurückgekehrt sind, achtsam statt geistlos geworden sind, sind wir frei, eine andere Wahl zu treffen.

Der Kurs drückt es so aus: „Wähle noch einmal.“ (Textbuch S. 669, VIII)  Diese neue Entscheidung, diese neue Wahl, macht nicht nur unsere Beziehung mit Jesus zu der heiligen Beziehung, die sie ist, sondern diese neue Entscheidung macht alle unsere Beziehungen heilig. Und so werden wir (geistig) als EINS geheilt.


weitere Artikel:

Ein Kurs in Wundern – Einführung

Was er besagt

Die Entstehungsgeschichte

Die wahnsinnige Welt

Das 20-Minuten-Buch

Im Gespräch mit Kenneth Wapnick

Die Welt

Sünde und Schuld

Der Körper

Wunder

Was ist ein Wunder?

Was ist Bedeutung?

Das Ego

Rückkehr zur Liebe

Gedanken als Bilder

Was wirklich da ist

Du bist unverletzlich

Vergebung

Die Welt die du siehst ist ein äußeres Bild einer inneren Verfassung

Die Schöpfung und die vier Prinzipien Gottes

Reise durch den Hass zur Liebe

Intimität

Unterschied Gehirn und Geist

Ich brauche nichts zu tun

Das Drehbuch ist geschrieben

Der Beobachter

Begriffserklärungen zum Verständnis

Die Bedeutung des Todes

Das Ende des Todes

Die Sühne für sich annehmen

Meditation