Skip to content

erleuchtung

Erleuchtung – Was ist das überhaupt?
Ist Erleuchtung etwas Übermenschliches?
Die Kundalini
Die Nadis und Chakren
Das Erwecken der Kundalini
Das Aufsteigen der Kundalini
Die Energie der Kundalini
Kritik am siebenstufigen Kundalini-Modell
Kundalini und der Kindling-Effekt
Die Rolle der Atmung in der Meditation
Was ist Erleuchtung denn nun wirklich?
Einmal erleuchtet, immer erleuchtet?


Erleuchtung – Was ist das überhaupt?

Beginnen möchte ich mit einem Zitat von Buddha:

Glaube nichts, weil ein Weiser es gesagt hat.
Glaube nichts, weil alle es glauben.
Glaube nichts, weil es geschrieben steht.
Glaube nichts, weil es als heilig gilt.
Glaube nichts, weil ein anderer es glaubt.
Glaube nur das, was Du selbst als wahr erkannt hast.

Und noch einmal Buddha:

Deine Zweifel sind begründet, Sohn des Kesa. Höre meine Weisung: Glaube nichts auf bloßes Hörensagen hin; glaube nicht an Überlieferungen, weil sie alt und durch viele Generationen bis auf uns gekommen sind; glaube nichts aufgrund von Gerüchten oder weil die Leute viel davon reden; glaube nicht, bloß weil man dir das geschriebene Zeugnis irgendeines alten Weisen vorlegt; glaube nie etwas, weil Mutmaßungen dafür sprechen oder weil langjährige Gewohnheit dich verleitet, es für wahr zu halten; glaube nichts auf die bloße Autorität deiner Lehrer und Geistlichen hin. Was nach eigener Erfahrung und Untersuchung mit deiner Vernunft übereinstimmt und deinem Wohl und Heil wie dem aller anderen Wesen dient, das nimm als Wahrheit an und lebe danach.« (Anguttara Nikaya I, 174)

Im Buddhismus ist Erleuchtung die Übersetzung von bodhi, einem Begriff aus der Pali-Sprache, der wörtlich übersetzt „Aufwachen“ bedeutet. Erleuchtung dürfte einer der am meisten missverstandenen Begriffe im spirituellen Bereich sein. Dieses Missverständnis beruht in erster Linie darauf, dass die Ursprünge für spirituelle Entwicklungsprozesse in den östlichen Philosophien und Religionen zu finden sind. Allgemein dürfte bekannt sein, wie blumenreich und phantasievoll die indische Sprache ist. Die hinduistischen Schriften zum Beispiel sind umgeben von einem mystischen Schleier, der viele Begebenheiten, für die man keine rationalen Erklärungen finden konnte, durch metaphysische Umschreibungen verständlich zu machen versucht.

Der Hinduismus ist einer der gesellschaftlichen Grundpfeiler Indiens, der viele Jahrtausende die indische Gesellschaft prägte. Er ist auch heute noch die am weitesten verbreitete Religion in Indien. Etwa 80 Prozent aller Inder gehören auch heute noch dem hinduistischen Glauben an. Er beruht im wesentlichen auf der Vedanta-Philosophie. Der Advaita-Vedanta lehrt die Wesenseinheit der individuellen Seele (Atman) mit der Gottseele (Brahman). Das zweite Element, auf dem der Hinduismus beruht, ist die Reinkarnation, also die Wiedergeburt nach dem Tode.

In dieser Vorstellungswelt, leben natürlich auch alle Yogis, Mönche und Weisen, die sich dem spirituellen Leben verschrieben haben und nach Erleuchtung streben. Sie waren zutiefst religiöse Menschen, glaubten selbstverständlich an die Wiedergeburt und akzeptierten vorbehaltlos die mystischen Vorstellungen, mit der gerade die Yogaschriften durchdrungen sind. Dabei wurden natürlich auch alle möglichen übersinnlichen Fähigkeiten ziemlich kritiklos akzeptiert und dementsprechend ausgeschmückt.

Darum verwundert es natürlich nicht, dass man Yogis, von denen man annahm, dass sie außergewöhnliche spirituelle Fortschritte gemacht hatten, die also „Erleuchtung“ erlangt hatten, in einem Licht darstellte, das oft mit der Wirklichkeit nicht viel gemeinsam hatte. Viele Yogis trugen selber zu ihrer eigenen Glorifizierung bei. Schließlich brachte es ihnen Ansehen, Zulauf an interessierten Jüngern und dementsprechend materiellen Wohlstand.

Ich will damit natürlich nicht sagen, dass die Yogis in erster Linie an spirituellem Wohltand interessiert waren. Aber ich sehe durchaus eine ziemlich große Kritiklosigkeit der traditionellen hinduistischen Philosophie gegenüber, und die Lust, die Wirklichkeit etwas phantasievoller zu gestalten. Im Laufe der Jahrhunderte bildeten sich dadurch allerlei Legenden über sogenannte Erleuchtete, denen man alle möglichen Wundertaten und übersinnliche Fähigkeiten andichtete.

Wie mir scheint, neigt der Osten auch heute noch dazu, die Fähigkeiten der Erleuchteten ein wenig zu überhöhen. Liest man zum Beispiel die Autobiographie Paramahansa Yoganandas, so findet man dort schwebende und hellsehende Yogis, Yogis, die zwar Hunderte von Kilometern entfernt sind, sich aber trotzdem ihren Jüngern zeigen, indem sie sich über diese Distanz materialisieren und mit ihnen reden. Wie selbstverständlich erscheinen den Yogis während der Meditation alle möglichen Götter, Tote werden wiedergeboren, selbst ganze Königspaläste werden materialisiert.

Ebenso wundert es dann auch nicht, wenn neben dem materiellen Körper noch ein feinstofflicher astraler und kausaler Körper existiert. So werden dem astralen Körper übersinnliche Fähigkeiten zugeordnet. Der kausale Körper dagegen stellt die Seinsform der ewigen Seligkeit dar. Somit symbolisiert er gewissermaßen den seligen Endzustand aus dem Kreislauf von Tod und Wiedergeburt, vergleichbar mit dem christlichen Himmel, in der die Individuen gottgleich in einem paradiesischem Zustand leben. Wie selbstverständlich wird auch akzeptiert, dass es die kosmische Energie Prana gibt, aus der das Universum erschaffen wurde. Angeblich soll der Mensch diesem Prana sein Leben verdanken, da er neben dem Sauerstoff auch eben dieses Prana einatmet.

So etwa gibt es laut Yogananda, viele Astralsphären mit unterschiedlichen Astralebenen, in der sich die Menschen nach ihren Tod aufhalten, die aus feinen Licht- und Farbschwingungen bestehen, welche in etwa dem Nordlicht vergleichbar und von astralen Wesen bevölkert sind, die sich astraler Beförderungsmittel aus Licht bedienen und in der die Verständigung untereinander durch Gedankenübertragung (Telepathie) und astralem Fernsehen geschieht.

Bei Yogananda liest sich das dann etwa wie folgt: „Das gewöhnliche astrale Universum ist von Millionen Astralwesen bevölkert, die vor kürzerer oder längerer Zeit von der Erde gekommen sind, sowie von Myriaden von Feen, Wassernixen, Fischen, Tieren, Kobolden, Gnomen, Halbgöttern und Geistern, die alle, je nach ihrer karmischen Beschaffenheit, auf entsprechenden Astralebenen leben. Gute und böse Geister wohnen in getrennten Sphären.

Während sich die guten frei umherbewegen können, bleiben die bösen Geister auf die ihnen zugewiesene Zone beschränkt. Genauso wie die menschlichen Wesen auf der Oberfläche der Erde, die Würmer im Boden, die Fische im Wasser und die Vögel in der Luft leben, so leben auch die Astralwesen, je nach ihrem Entwicklungsgrad, in ihrem natürlichen Schwingungsbereich. Zwischen den bösen, gefallenen Engeln, die aus verschiedenen Astralwelten ausgestoßen wurden, finden Kämpfe und Kriege statt. Bomben aus Biotronen und vibrierende mantrische Strahlen, bestehend aus gesprochenen oder gesungen Lauten, die bei tiefer Konzentration wie geistige Geschosse wirken, dienen ihnen als Waffen. Diese Ausgestoßenen leben in den finsteren Regionen des niederen Astralkosmos, wo sie ihr schlechtes Karma abbüßen.“

Weiter berichtet Yogananda nicht nur von weiblichen Yogis, auch Yoginis genannt, die vollkommen ohne jede Nahrung leben, sondern auch davon, dass eines Nachts, als er in der Einsiedelei zu Encinitas in Ameriaka saß und schweigend betete, sein Wohnzimmer von einem opalblauen Licht erfüllt wurde und er die strahlende Gestalt des Herrn Jesus erblickte.

Eine andere Lichterscheinung beschreibt Yogananda wie folgt: „Als ich dieses Kapitel zu Ende geschrieben hatte, ließ ich mich im Lotossitz auf meinem Bett nieder. Zwei abgeschirmte Lampen verbreiteten ein mattes Licht im Zimmer. Als ich den Blick nach oben richtete, bemerkte ich, daß die Zimmerdecke mit kleinen, senffarbigen Lichtern übersät war, die leise vibrierten und radiumähnlich leuchteten. Myriaden von hauchfeinen Strahlen formten sich zu einem durchsichtigen Lichtregen und ergossen sich lautlos über mich.

Sogleich verlor mein Körper seine grobstoffliche Beschaffenheit und verwandelte sich in eine astrale Substanz. Ich fühlte, wie mein schwereloser Körper, der nicht mehr das Bett berührte, abwechselnd leicht nach links und nach rechts schwebte. (das Schweben, beherrscht Yogananda also auch) Dann blickte ich im Zimmer umher. Möbel und Wände sahen unverändert aus, doch die Lichtmasse hatte sich derart vermehrt, dass die Decke nicht mehr sichtbar war. Namenloses Staunen ergriff mich.“

„Dies ist der Mechanismus des kosmischen Films“, sprach eine Stimme, die aus dem Licht zu kommen schien. „Er wirft seinen Strahl auf die weiße Leinwand deiner Bettdecke und ruft dadurch deine körperliche Erscheinung hervor. Sieh! dein Körper ist nichts als Licht!“

„Ich blickte auf meine Arme und bewegte sie nach vorn und nach hinten, ohne dass ich ihr Gewicht spürte. Eine ekstatische Freude kam über mich. Dieser kosmische Lichtkegel, aus dem sich mein Körper herauskristallisierte, schien eine göttliche Reproduktion jener Lichtstrahlen zu sein, die aus dem Vorführraum eines Filmtheaters dringen und sich auf der Leinwand zu Bildern formen.

Lange Zeit hielt dieses Filmerlebnis in dem schwach erleuchteten Theater meines Schlafzimmers an. Wenngleich ich viele Visionen gehabt habe, war doch keine von ihnen so ungewöhnlich wie diese. Als ich mich von der Täuschung, einen stofflichen Körper zu besitzen, völlig freigemacht hatte und im Zustand tiefster Verwirklichung alle Gegenstände als reines Licht wahrnahm, blickte ich zu dem vibrierenden Strom von „Biotronen“ empor und bat flehentlich: „Göttliches Licht, löse bitte dieses bescheidene körperliche Bild in Dir auf und lass mich, wie einst Elias, in einem feurigen Wagen gen Himmel fahren.““

Wenn Yogananda solche Vorstellungen in seiner Autobiographie veröffentlicht, dann weckt er bei vielen Menschen Erwartungen, die er in der Realität natürlich nicht einlösen kann. Aber er streut eine Saat, die nicht ohne Folgen bleibt. Wie gesagt, die Biographie Yoganandas ist wohl das weltweit am meisten gelesene Yogabuch. Als Folge davon pilgerten Scharen von Menschen zu seinen Vorträgen und viele Yogainteressierte schlossen sich seinen Ashrams an, um Yoganandas Yogapfad zu folgen. Yogananda trug sicherlich nicht unwesentlich dazu bei, dass der Mythos des Yoga auch heute noch weitergepflegt wird. Und egal, wo man hinkommt, überall dort wo Yogainteressierte Menschen aufeinandertreffen, werden diese Mythen weitergepflegt. Viele Menschen zieht es überhaupt erst zum Yoga hin, weil sie davon Träumen übersinnliche Fähigkeiten zu erwerben.

Und genau das sind die Früchte dieser Mythologie, die seit vielen Jahrhunderten verbreitet wird. Es werden Hoffnungen und Erwartungen unter die Menschen gestreut. Was beim Einzelnen davon ankommt sind teilweise abenteuerliche Vorstellungen, die Erwartungen wecken. Diese Leichtgläubigkeit ist andererseits auch nicht weiter verwunderlich. Schaut man sich beispielsweise die heiligen Schriften an, so wird auch dort immer wieder von Wundern berichtet, die von den Gläubigen kritiklos akzeptiert werden. Damit ist natürlich der Boden für die Mythologie bereitet.

Was ist aber von diesen angeblichen Wundern wirklich zu halten? Liest man etwa das neue Testament, so hat Jesus am dritten Tage nach seinem Tode sein Grab verlassen und ist auferstanden. Nach seiner Auferstehung soll er seinen Jüngern erschienen sein, ist mit zwei von ihnen von Jerusalem nach Emmaus gewandert, hat mit ihnen gesprochen, hat ihnen die Wunden seiner Kreuzigung gezeigt, ist durch eine geschlossene Tür gegangen und soll nach 40 Tagen zum Himmel aufgefahren sein. Kein anderes Wort des Apostels Paulus wird seit nahezu zweitausend Jahren so oft wiederholt und bekräftigt wie eine Stelle in seinem ersten Brief, den er den Korinthern schrieb: „Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.“

Vieles andere, was einst als Glaubenswahrheit galt, ist klammheimlich von den Theologen aufgegeben worden. Es gibt auch unter den Theologen kaum noch Streit darüber, ob Jesus von einer Jungfrau geboren wurde, ob er Tote auferweckte und über Wasser gewandelt ist. Und auch die Himmelfahrt verteidigt heute kaum noch jemand. Nur der Papst und seine Bischöfe führen die letzten Gefechte um dieses antiquierte Glaubensgut, und mancher Kritiker meint, dass etliche Bischöfe dies lediglich des frommen Scheins wegen tun.

Bei Yogananda allerdings liest sich das etwas anders. Dort wird überhaupt nicht an Wunder gezweifelt. Vielmehr gehören sie zum ganz normalen Alltag. Man muss wohl im fernen Osten aufgewachsen sein und sich die östliche Mentalität zu eigen gemacht haben, um das widerspruchslos zu akzeptieren. Ein kurzer Abschnitt aus Yoganandas Biographie soll zeigen, welche Einstellung Yogananda gegenüber diesen Wundern hat.

Yogananda: „Als Wunder bezeichnet man gewöhnlich eine Wirkung oder ein Geschehen, das sich ohne Gesetzmäßigkeit, d.h. außerhalb der Naturordnung, vollzieht. Doch alle Dinge, die sich in unserem präzise aufgebauten Universum ereignen, geschehen gesetzmäßig und lassen sich gesetzmäßig erklären. Die sogenannten Wunderkräfte eines großen Meisters sind eine natürliche Folgeerscheinung seiner genauen Kenntnis der feinstofflichen Gesetze, die den inneren Kosmos des Bewusstseins regieren.

In Wirklichkeit kann daher nichts als Wunder bezeichnet werden, es sei denn, dass man im tieferen Sinne alles als Wunder ansieht. Gibt es etwas Alltäglicheres und zugleich Wunderbareres, als dass jeder von uns in einem komplizierten körperlichen Organismus eingeschlossen ist und auf eine Erde gesetzt wurde, die mit anderen Sternen durch den Weltraum wirbelt?

Große Propheten wie Christus und Lahiri Mahasaya (der Guru von Yoganandas Guru) vollbringen gewöhnlich viele Wunder. Solche Meister haben, während sie auf Erden leben, eine schwierige geistige Aufgabe an der Menschheit zu erfüllen, und es scheint mit zu ihrer Mission zu gehören, denen, die in Not sind, durch Wundertaten zu helfen. Oft ist ein göttliches Machtwort nötig, eine unheilbare Krankheit zu heilen oder ein scheinbar unlösbares Problem zu lösen. Als der Hauptmann von Kapernaum Christus bat, seinen sterbenden Sohn zu heilen, erwiderte jener mit einem Anflug von bitterem Humor: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht.“ Aber er fügte hinzu: „Gehe hin, dein Sohn lebt.“ (Johannes 4, 48; 50)“

Yogananda scheint also fest an Wunder zu glauben. Selbstverständlich akzeptiert Yogananda auch die Wunder, die Jesus angeblich vollbrachte. Andererseits könnte man durchaus behaupten, dass alle Dinge, die uns umgeben, auch der Mensch selber, einem Wunder entspringen. Yogananda hat sicherlich recht, wenn er etwa behauptet, dass der menschliche Körper einem Wunder gleicht. Wir sollten uns aber nicht dazu verleiten lassen, für alles, was wir nicht verstehen, eine übernatürliche Erklärung zu suchen. Aber die Aussage Jesu: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so glaubet ihr nicht.“, spricht Bände. Scheinbar ist die Existenz von Wundern an den Glauben geknüpft.

Gustav Mayrink schreibt in seinem Essay „Die Verwandlung des Blutes„:

Alles, was mit Yoga zusammenhängt, scheint aus Asien zu stammen. So sind die Asiaten demnach die Herren auf diesem Gebiet? Möglich, dass sie in Zeitaltern, von denen uns nichts überliefert ist, wissend waren; Legenden behaupten es. Nicht wegzuleugnen ist die Tatsache, dass heute bei uns niemand mehr da ist, der als Meister im Yoga anzusprechen wäre.

Theosophen und Okkultisten behaupten zwar, die wahren Yogakundigen lebten abgeschieden in der Einsamkeit und unzugänglich für die Weltmenschen, aber Beweise für die Richtigkeit solcher Angaben sind natürlich schwer zu erbringen. Man ist auf Glauben und Vertrauen mehr oder weniger angewiesen. Wer kann dafür einstehen, dass die Yogabeflissenen, die man in Indien da und dort antrifft, nicht nur Suchende sind? Spricht doch fast alles dafür, dass der Hochpfad des Yoga, mit seinen wunderbaren Zielen, seit vorgeschichtlichen Zeiten verschüttet ist und an seine Stelle Bewusstseinsspaltung, Hysterie, Mediumismus (Sammelbegriff für alle Techniken, Zustände und Phänomene die im Zusammenhang mit der Tätigkeit eines Mediums stehen.) und andere krankhafte Erscheinungen getreten sind, statt das Gegenteil: Vervollkommnung des Menschen!

Campbell Oman, der Verfasser eines bemerkenswerten Buches über die Asketen, Mystiker und Heiligen Indiens, berichtet von einem Europäer namens Charles de Russette, der ein Sadhu (streng asketischer Mensch) geworden sei und sich in der Nähe von Simla in die Einsamkeit zurückgezogen habe. Russette erzählte ihm, er habe seine indischen Fakirkollegen die wunderbarsten Dinge vollbringen sehen. Solche und ähnliche Berichte kann man zu Dutzenden lesen; leider sind die meisten, wenn man ihnen auf den Grund geht, erfunden.

Als die englische Regierung für die Ausstellung in Wembley einen Fakir suchte, der imstande gewesen wäre, irgend eines der oft gerühmten Yogiwunder vorzuführen, da war auch nicht einer aufzutreiben!!! – Es werden eben zumeist Gaukler fälschlich für Yogis gehalten eine Folge der allgemeinen Unwissenheit, was im Grunde eigentlich ein Yogi ist. Auch ein Asket ist, genau unterschieden, noch lang kein Yogi; zumeist sogar das Gegenteil, nämlich ein durch aufs äußerste getriebene Frömmigkeit schizophren Gewordener.

Yoga heißt auf deutsch soviel wie „Verbindung“. Ein Bhaktayogi wie der erwähnte Ramakrishna, oder um einen Europäer zu nennen: Ruysbroek, behaupten zwar, sie seien in ihren Ekstasen mit Gott verbunden, aber man könnte ganz gut sagen: sie erlebten lediglich Bewusstseinsspaltung. Der Umstand, daß Ramakrishna, wie seine Schüler einstimmig beteuerten, bisweilen „Wunder“ zuwege brachte, widerlegt durchaus nicht, dass Schizophrenie ausgeschlossen gewesen wäre, geschehen doch bei spiritistischen Medien und Hypnotisierten ähnliche Dinge genau so.

Ist Erleuchtung etwas Übermenschliches?

Liest man in der spirituellen Literatur, so bekommt man den Eindruck, Erleuchtung sei etwas Übermenschliches. Ist das wirklich so? Ich würde sagen, Erleuchtung ist nichts anderes als unser Normalzustand. Erleuchtung ist also nichts spektakuläres, das irgendetwas mit einer Aura zu tun hat, die den Erleuchteten umgibt. Erleuchtung hat auch nichts mit übersinnlichen Fähigkeiten zu tun, die man erlangt. Erleuchtete sind weder in der Lage irgendwelche übermenschlichen Wunder zu vollbringen, noch besitzen sie die Fähigkeit ewig zu leben oder nach dem Tode von einer astralen Ebene aus auf die Erde zurückzukehren, um den Menschen bei ihrer spirituellen Entwicklung zu helfen. Auch Erleuchtete unterliegen wie alle Menschen dem Zwang, zu atmen, sich gesund ernähren zu müssen, zu schlafen, auf die Toilette gehen zu müssen und sich einer regelmäßigen Körperpflege zu unterziehen, wenn sie gesund bleiben wollen.

Erleuchtung ist den meisten von uns nicht unbekannt. Es gibt immer wieder Momente im Leben, in denen wir kleine Erleuchtungserfahrungen, sogenannte Satoris, machen dürfen. Dann durchströmt uns ein Glückgefühl, wir verspüren eine wohlige Seligkeit, plötzlich ist die Angst, die uns sonst begleitet, vollkommen verschwunden und wir haben das Gefühl, die ganze Welt umarmen zu können. Wenn man verstehen will, was Erleuchtung ist, dann schaue man sich kleine Kinder an, oder denke an seine eigene Kindheit zurück. Dieses Leuchten in den Augen, diese Lebendigkeit, diese Lebenslust, dieser Reichtum an Phantasie, Kreativität, Selbstlosigkeit, Liebe und Dankbarkeit, findet man nur bei Kindern, wenn sie Eltern haben, die sich liebevoll, fürsorglich und verantwortungsvoll um sie kümmern.

Es war der größte Fehler, dass den Erleuchteten immer wieder übermenschliche Eigenschaften angedichtet wurden. Das führte bei den meisten Menschen zu der Vorstellung, dass Erleuchtung für den normalen Menschen gewissermaßen unerreichbar ist. Es führte auch zu der Vorstellung, dass Erleuchtete sich außerhalb menschlicher Sphären bewegen, also gewissermaßen in einer anderen Dimension zu Hause sind. So wurden Erleuchtete wie Jesus, Buddha, Yogananda und wie sie alle hießen, mit einem Glorienschein umgeben. Aber sie waren Menschen wie Du und ich, auch wenn viele dieses nicht wahrhaben wollen. Stattdessen findet häufig eine Dualität statt, in der auf der einen Seite die Erleuchteten total überhöht dargestellt werden und auf der anderen Seite schon fast verächtlich auf die normalen Menschen herabgeblickt wird. Ich denke, alle Religionen und einige östliche Philosophien, wie die Advaita-Theorie, die sich ja geradezu das Dualitätsprinzip auf die Fahnen geschrieben hat, haben sehr viel dazu beigetragen, dass sich diese Geisteshaltung ausbreiten konnte.

Erleuchtung ist also in meinen Augen nichts anderes als unser Normalzustand, der uns von der Natur in die Wiege gelegt wurde. Da wir aber unser ganzes Leben gegen unsere eigene Natur handeln, haben wir uns ziemlich weit von dieser Normalität entfernt. Wir können uns nicht einmal mehr vorstellen, wie sich diese Normalität anfühlt. Statt dessen flüchten wir in den Sex. Dort finden wir wenigstens für einige Sekunden die Seligkeit, die in etwa unserer Normalität entspricht. Und weil jeder Orgasmus so atemberaubend ist, zieht es uns immer und immer wieder dort hin. Gleichzeitig aber verstricken wir uns immer tiefer in die Sexualität. Die Sexualität soll an dieser Stelle allerdings nur kurz gestreift werde. Zu einem späteren Zeitpunkt soll ausführlich darauf eingegangen werden.

Die Kundalini

Aus der Sicht der indischen Mythologie erschuf der in sich ruhende Gott Shiva den Kosmos durch den heiligen Laut OM. Dieser heilige Laut war nach dieser Auffassung die erste Bewegung (Schwingung), die erste Welle, die sich auf dem Ozean des Bewusstseins bildete. Die Kraft, welche die Differenzierung hervorbrachte ist Shakti (mythologisch: die Gemahlin Shivas, der magische, schöpferische Aspekt). Shakti wird oft mit Kundalini gleichgesetzt (Kundalini-Shakti). Kundalini ist gemäß dieser philosophischen Theorie das Erwecken dieser magischen, schöpferischen Energie mittels mystischer, spiritueller Techniken.

Die Kundalini wird als eine spirituelle Kraft im Menschen beschrieben, die jeder in sich trägt, symbolisch dargestellt in Form einer Schlange, die am Ende der Wirbelsäule im Basischakra ruht. Diese Schlangenkraft kann spontan erwachen, oder durch Meditationen oder Yogaübungen geweckt werden. Die Schlangenkraft (Kunda = Schlange) steigt dann die Wirbelsäule empor und öffnet und reinigt die Chakren und Energiekreisläufe im Körper. In der Kundalini Praxis wird die schaffende und erhaltende Shakti mit Shiva, dem kosmischen Bewußtsein, vereint. Das Aufsteigen der Kundalini Shakti und ihre Vereinigung mit Gott Shiva im Scheitelchakra führt zum Zustand von Selbstverwirklichung und bringt Erleuchtung (Samadhi).

Die Kundalini-Yoga-Meister sagen, dass im Menschen ein riesiges Potential an Fähigkeiten, Talenten, Möglichkeiten latent vorhanden ist. Demnach ist der Mensch absolutes, reines Bewußtsein, auch Shiva genannt. Außerdem verfügt er über die gesamte kosmische Urenergie, die als Shakti oder Prana bezeichnet wird. Diese kosmische Urenergie hat das Leben zur Entfaltung gebracht und sie wirkt weiter in der kontinuierlichen Evolution der gesamten Schöpfung. Es ist diese Urenergie, welche aus der Mineralwelt die Pflanzen hat entstehen lassen, aus den Pflanzen die Tiere, aus den Tieren den Menschen. Es ist diese Energie, die den Menschen ruhelos werden lässt, den Menschen nach etwas Höherem streben lässt. Es ist diese Energie schließlich, die dem Menschen verhilft, das Höchste, die Einheit mit dem Absoluten, zu erreichen.

Kundalini ist die Schlangenkraft bzw. die schlafende Shakti, die 3 1/2 fach gewunden mit dem Gesicht nach unten am Ende der Wirbelsäule im Basischakra ruht. Ohne sie zu erwecken, ist kein Samadhi (Erleuchtung) möglich. Mittels spiritueller Techniken wird die Kundalini erweckt und steigt entlang der Sushumna in der Wirbelsäule zum Scheitelchakra. Die Kundalini passiert dabei die sechs Chakren und wird schließlich mit Gott Shiva vereint, dessen Sitz im Scheitelchakra, dem tausendblättrigen Lotus, an der Krone des Kopfes ist.

Da ich davon Abstand genommen habe, Erleuchtung als etwas Übermenschliches zu betrachten, sehe ich in der Erleuchtung schlicht und einfach einen Heilungsprozess, der uns die Gesundheit wiederbeschert, die wir durch unsere ungesunde Lebensweise verloren haben. Mir geht es also in Wirklichkeit nicht um Erleuchtung sondern um Heilung. Und jeder, der diesen Heilungsprozess durchschritten hat, kann bestätigen, dass das Empfinden eines an Leib und Seele gesunden Menschen nur mit einem Wort beschrieben werden kann, nämlich mit dem Wort Erleuchtung. Unser wahres Wesen zeichnet sich dadurch aus, dass wir jede Sekunde unseres Lebens von einer Seligkeit und einem tiefen Frieden durchströmt werden, der uns alles das gibt, wonach wir uns unser ganzes Leben gesehnt haben.

Die Nadis und Chakren

Will man spirituelle Prozesse verstehen, dann sollte man wissen, was Nadis sind und mit dem siebenstufigen Chakra-Modell vertraut sein. Damit die nachfolgenden Erläuterungen verstanden werden, möchte ich zunächst berichten, was diese Nadis sind und anschließend das Chakra-Modell vorstellen. An dieser Stelle möchte ich allerdings betonen, dass ich dem traditionellen, hinduistischem, siebenstufigen Chakra-Modell, etwas kritisch gegenüber stehe, da es meiner Meinung nach zu sehr auf religiösen Annahmen beruht. Zunächst allerdings möchte ich das traditionelle Chakra-Modell vorstellen und anschließend meine Kritik an diesem Modell formulieren.

Eine genaue Kenntnis von Nadis (Energiekanäle) und Chakras (Energiezentren) ist für alle Schüler des Kundalini Yoga notwendig. Nadis sind psychische Nerven, Astralkanäle, um die Kundalini zu leiten. Durch diese subtilen Kanäle fließt die Kundalini. Da die Nadis aus feinstofflicher (astraler) Materie gebildet sind, können sie mit dem bloßen physischen Auge nicht wahrgenommen werden, und man kann im physischen Bereich keine Labortests machen, um sie sichtbar zu machen. Diese Nadis sind nicht die normalen Nerven, Arterien oder Venen. Im Körper befinden sich unzählige Nadis. So wie das Blatt von winzigen Fasern durchzogen ist, so ist auch unser Körper  von Tausenden von Nadis durchzogen.

Alle Nadis des Körpers entspringen dem Kanda. Kanda ist die Wurzel aller Nadis. Das Kanda ist oberhalb der Genitalien und unterhalb des Nabels, und hat die Form eines Vogeleis. Von dort entspringen alle 72.000 Nadis. Von diesen sind 72 bekannt. Ida, Pingala, Sushumna, Ganhari, Hastijihva, Pusa, Yusavini, Alambusa, Kuhuh und Sankhini sind die 10 wichtigsten Nadis, sie leiten das Prana. Alle Nadis entspringen, so die Yoga-Texte, dem Kanda unmittelbar über dem Muladhara oder Wurzelchakra. Der Kanda ist der Verbindungspunkt, wo Sushumna Nadi (der Haupt-Energiekanal) mit dem Wurzelchakra zusammenkommt. Kanda ist das Zentrum des Astralkörpers. Diesem Zentrum entspricht die Cauda Equina (Pferdeschweif) im grobstofflichen, physischen Körper. Von allen aus dem Kanda kommenden Nadis sind die wichtigsten Ida, Pingala und Sushumna. Die Sushumna ist das Allerwichtigste. Die Sushumna geht vom Basis Chakra zum Scheitelchakra. Andere Nadis sind ihr untergeordnet.

Im Inneren der Wirbelsäule, dem so genannten Spinalkanal, befindet sich geschützt das Rückenmark, eine graue Substanz, die aus eng aneinanderliegenden Nervenzellkörpern aufgebaut ist. Dieser dicke Nervenstrang erstreckt sich vom Gehirn bis zum zweiten Lendenwirbel, dort endet das Rückenmark. Bis zum Steißbein verlaufen Nervenbahnen innerhalb des Wirbelkanals. Ebenso läuft die Sushumna im Spinalkanal und hat feinstoffliche Teile.

In dieser Sushumna ist ein Nadi namens Vajra. In diesem Vajra Nadi wiederum ist ein weiteres Nadi, namens Chitra. Im Chitra ist ein ganz feiner winziger Kanal. Dieser Kanal heißt Brahma Nadi, durch den die Kundalini, wenn sie erwacht, vom Basischakra zum Scheitelchakra aufsteigt. In diesem Nadi sind alle sechs Chakras oder Lotusse.

Das traditionelle siebenstufige Chakra-Modell geht davon aus, dass es im menschlichen Körper sieben Energiezentren gibt. Diese sieben Energiezentren sind mit dem physischen Körper, den Drüsen und dem Nervensystem verbunden und regulieren unseren Energiefluss. Man unterscheidet folgende sieben Chakren:

  1. Sahasrara Chakra = Scheitelchakra (Kronenchakra)
    6. Ajna Chakra = Stirnchakra (Drittes Auge)
    5. Vishuddha Chakra = Hals- oder Kehlkopfchakra
    4. Anahata Chakra = Herzchakra
    3. Manipura Chakra = Solarplexus (Sonnengeflecht)
    2. Svadhisthana Chakra = Sakralchakra (Sexualchakra)
    1. Muladhara Chakra = Basischakra

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, sollen nur die deutschen Begriffe für die Chakren verwendet werden. Die Chakrabegriffe aus dem Sanskrit sind manch einem vielleicht nicht so geläufig.

Um das siebenstufige Chakra-Modell noch besser zu verstehen, soll in der nachfolgenden Tabelle gezeigt werden, welche Eigenschaften, welcher körperlichen Region und welcher Drüse man dem jeweiligen Chakra zuordnet.

7.Chakra
Sahasrara · Scheitelchakra · Kronenchakra
Positive Bedeutung: Erleuchtung, Kontakt zum höheren Selbst, Kosmisches Bewußtsein, Konzentration, meditativ
Körperliche Region: über dem Scheitel
Drüse : Zirbeldrüse
Gestörtes Chakra: Migräne, Bluthochdruck, Geisteskrankheiten

6.Chakra
Ajna · Stirnchakra · Drittes Auge · Christuspunkt
Positive Bedeutung: Geistige Klarheit, gedankliche Ordnung, Unterscheidungsvermögen, Ganzheitliches erkennen, Zusammenhänge begreifen, übergeordnete Koordinationszentrale, übersinnliche Wahrnehmung
Körperliche Region: zwischen den Augenbrauen
Drüse : Hypophyse
Gestörtes Chakra: Augenerkrankungen, Seh- und Hörstörungen, Bluthochdruck, intellektuelle Überheblichkeit, Nebenhöhlenerkrankungen

5.Chakra
Vishuddha · Hals- oder Kehlkopfchakra
Positive Bedeutung: Kommunikationsfähigkeit, Austausch höherer Weisheit, Humor, Wachstumsbereitschaft, Transformationsfähigkeit, Kreativität
Körperliche Region: Kehlkopf – Drüse : Schilddrüse
Gestörtes Chakra: Schilddrüsenerkrankungen, Heiserkeit, Stottern, ungeschliffenen Sprechweise, zu sachlich und kühl im Verhalten und in der Sprache, die Verbindung von Kopf und Herz ist gestört

4.Chakra
Anahata · Herzchakra

Positive Bedeutung: Soziales Bewusstsein, höhere Werte, Offenheit, Aufrichtigkeit, Herzlichkeit, Großzügigkeit, selbstlose Liebe, Solidarität
Körperliche Region: Mitte des Brustbeines
Drüse : Thymusdrüse
Gestörtes Chakra: Lungenkrankheiten, Herzprobleme, Schultergelenkschmerzen, schnelles Beleidigtsein, Herzlosigkeit, Teilnahmslosigkeit, Mißtrauen, Negativität, Gefühlslosigkeit, Verschlossenheit

3.Chakra
Manipura · Solarplexus · Sonnengeflecht
Positive Bedeutung: Konzentration, Gleichgewicht, Freude, Kraft, Wärme, Duchsetzungskraft, Persönlichkeit, Streben nach Anerkennung
Körperliche Region: unterhalb des Brustbeines über dem Magen
Drüse : Bauchspeicheldrüse
Gestörtes Chakra: Leberschäden, Magenkrämpfe, Magengeschwüre, Nierenprobleme, Minderwertigkeitsgefühle, Hochmut, Depression, kein Selbstbewußtsein, Gier, Machtmißbrauch, Hypersensitivität

2.Chakra
Svadhishthana · Sakralchakra · Sexualchakra
Positive Bedeutung: Fruchtbarkeit, Produktivität, Spontanität, Kreativität, Genuß, Vergnügen, allgemeines Wohlbefinden, Offenheit, Freude am Leben und an der Schöpfung
Körperliche Region: eine Handbreit unter dem Nabel
Drüse : Keimdrüsen
Gestörtes Chakra: Schlafstörungen, Darmstörungen, Unterleibsstörungen, Todesängste, übertriebene Absicherung, Unfähigkeit zum Neinsagen, Nierenversagen, Blasenprobleme, Sexualprobleme, Hysterie

1.Chakra
Muladhara · Wurzelchakra · Basischakra
Positive Bedeutung: Lebenswille, Selbsterhaltungstrieb, Verwurzelung, Urvertrauen, Geborgenheitsgefühle, Bodenständigkeit, Selbstvertrauen, Durchsetzungskraft
Körperliche Region: Im Damm hinter den Geschlechtsorganen, hier ist die Kundalini-Energie verborgen
Drüse : Nebenniere
Gestörtes Chakra: Kraftlosigkeit, mangelnde Ausdauer, Darmstörungen, Hämorrhoiden, Lähmungen an den Beinen, Knochenbrüche, Krampfadern, Steißbeinprobleme, Hautprobleme, tiefe Unzufriedenheit

Chakren stehen im Mittelpunkt des Energiesystems des Menschen. Wie man der Tabelle entnehmen kann, sind jedem Chakra nicht nur Drüsen zugeordnet, sondern ebenfalls Gesundheitszustände, bzw. bei einem gestörten Chakra gesundheitliche Mängel. Jedes Chakra hat aber auch positive Eigenschaften z.B. geistige Klarheit, Kreativität, Liebe, vitale oder sexuelle Kraft. Wenn man ein starkes Herzchakra entwickelt hat, ist das Bewusstsein erfüllt von Mitgefühl, Freundlichkeit, Harmonie. Solche Menschen sind warmherzig, von Liebe durchdrungen und strahlen sie intensiv aus. Chakren sind infolgedessen Ebenen des Bewusstseins oder auch Zentren des Bewusstseins. Wenn Chakren blockiert sind, ist der Energiefluss im Körper behindert und in Folge dessen treten Erkrankungen auf. Ist das Solarplexus blockiert, können z.B. Magengeschwüre entstehen, oder die Nahrungsverdauung ist deutlich eingeschränkt.

Chakras sind Zentren im Sushumna Nadi. Alle Körperfunktionen stehen unter der Kontrolle dieser Zentren. Chakras sind subtile Zentren der Lebensenergie. Sie sind Zentren des Bewußtseins. Die Chakras bleiben nach dem Tod im Astralkörper. Diese Chakras oder feinstofflichen Zentren haben entsprechende Zentren im Rückenmark und den Nervenzentren im grobstofflichen physischen Körper. Das Herzchakra zum Beispiel hat sein entsprechendes Zentrum im physischen Körper beim Herzgeflecht. Jedes Chakra kontrolliert und stimuliert ein bestimmtes Zentrum im grobstofflichen Körper.

Die grobstofflichen Nerven haben eine enge Beziehung zu den feinstofflichen Nadis. Da die körperlichen Zentren eine enge Beziehung zu den Astralzentren haben, haben die Schwingungen, die z.B. durch Meditation oder Yogaübungen in den körperlichen Zentren durch die vorgeschriebenen Methoden erzeugt werden, die gewünschten Auswirkungen in den Astralzentren. Das erste Bestreben des Kundalini Yogi ist die Reinigung der Nadis, was zur Öffnung der Sushumna führt, die bei weltlichen Menschen normalerweise mehr oder weniger geschlossen ist.

Man kennt 7 Hauptchakren in der Mittellinie des Körpers vom Damm zum Schädeldach (Scheitel). Daneben gibt es einige Dutzend Nebenchakren von untergeordneter Bedeutung. Daneben entsprechen Chakren bestimmten Bewusstseinszuständen z.B. das Scheitelchakra für Erleuchtung, das Dritte Auge für Erkenntnis, das Kehlkopfchakra für Kreativität und das Herzchakra für Mitgefühl und das Sexualchakra für die Sublimation der sexuellen Energie. Die Chakren befinden sich in einer ständig kreisenden Bewegung. Dieser Eigenschaft haben sie die Bezeichnung Chakra zu verdanken, was im Sanskrit soviel wie „Rad“ bedeutet. Sie haben entweder eine Rechts- oder Linksdrehung. Die Drehrichtung wechselt von Chakra zu Chakra. Das Basischakra beim Mann dreht sich rechts herum, während sich das Basischakra bei der Frau links herum dreht. Im zweiten Chakra wechselt die Drehrichtung, bei jedem weiteren Chakra erfolgt wiederum ein Richtungswechsel.

Jedes Chakra hat auf der gegenüberliegenden Seite des Körpers ein Gegenchakra. So hat zum Beispiel das Herzchakra eine Öffnung zur Brustseite als auch eine Öffnung zum Rücken. In der indischen Mystik werden die Chakren auch Lotusblüten genannt. Jedes Chakra ist darum mit einer unterschiedlichen Anzahl an Blütenblättern verknüpft, die die Energiemenge symbolisieren, die von jedem Zentrum ausgeht. Die Anzahl der unterschiedlichen Blütenblätter kann man aus der folgenden Aufstellung ersehen:

7. Kronenchakra
Tausendblättriger Lotus (Erleuchtung)

6. Stirnchakra
Zweiblättriger Lotus (Intuition, Intelligenz)

5. Halschakra
Sechzehnblättriger Lotus (Kommunikation)

4. Herzchakra
Zwölfblättriger Lotus (Liebe)

3. Sonnengefecht
Zehnblättriger Lotus (Emotionen, Nahrung)

2. Sakralchakra
Sechsblättriger Lotus (Sexualität)

1. Basischakra
Vierblättriger Lotus (Geldzentrum)

Man kann jedem Chakra eine Drüse zuordnen:

  1. Scheitelchakra – Zirbeldrüse
    6. Stirnchakra – Hypophyse
    5. Kehlkopfchakra – Schilddrüse
    4. Herzchakra – Thymusdrüse
    3. Solarplexus – Bauchspeicheldrüse
    2. Sexualchakra – Keimdrüsen
    1. Basischakra – Nebenniere

Das Erwecken der Kundalini

Kundalini, die Schlangenkraft, das mystische Feuer, ist die Urenergie oder Shakti, die im Basischakra schlummert. Sie ist eine elektrische, okkulte und kinetische Kraft, die große ursprüngliche Kraft, die allem Organischen und Anorganischen zugrunde liegt. Vor dem Erwecken der Kundalini muss die Reinheit des Körpers und die Reinheit des Geistes vorhanden sein. Wenn Reinheit vorhanden ist, kommt Vollkommenheit von selbst. Man sollte wunschlos und leidenschaftslos werden, wenn man den Versuch unternimmt, die Kundalini zu erwecken.

Wenn ein Mensch mit vielen Unreinheiten im Geist die Kundalini einfach nur gewaltsam durch Meditation, Yogaübungen, Atemübungen oder andere spirituelle Praktiken erweckt, wird er die yogische Leiter nicht erklimmen können. Das ist der Hauptgrund, warum Menschen vom Weg abkommen oder in Probleme kommen. Am Yoga ist nichts falsch. Der Yogi sollte spirituelle Reinheit anstreben und eine gründliche Kenntnis von der spirituellen Praxis besitzen. Darum sind die Gebote von Yama (Yama = die 5 Enthaltungen: Nicht töten, Nicht lügen, Nicht stehlen, sexuelle Enthaltsamkeit, Unbestechlichkeit) und Niyama (Niyama = die 5 Verhaltensregeln: Reinlichkeit (physisch, seelisch und geistig), Zufriedenheit, Disziplin, Studium, Hingabe an Gott*) so wichtig, auf die später noch ausführlich eingegangen werden soll.

* Die Hingabe an Gott ist natürlich nur für den religiösen Mensch von Bedeutung

Für jeden, der sich um spirituellen Fortschritt bemüht, kann ein Lehrer sehr hilfreich sein. Nachdem man einige Zeit lang vom Lehrer gelernt hat den Körper und Geist zu reinigen, sollte man alleine meditieren und studieren um das Wissen um die Praxis des Kundalini-Yoga, den Sitz der Nadis und der Chakras und die genaue Technik der einzelnen Yogaübungen zu beherrschen. Das alles sind schwierige Anforderungen. Darum sollte man jede Gelegenheit nutzen, seinen Lehrer bei allen Unklarheiten um Rat zu fragen.

Die Kundalini kann durch Meditation, Atemübungen, Yogaübungen und Mudras (Fingeryoga), durch Konzentration und Übung des Geistes, durch Hingabe und vollkommene Selbstaufgabe, durch analytischen Willen, durch Mantras (Meditationswörter) erweckt werden. Für einige Auserwählte ist eine der oben erwähnten Methoden ausreichend, um die Kundalini zu erwecken. Die große Mehrheit kombiniert am besten die verschiedenen Methoden.

Das Aufsteigen der Kundalini

Wenn die Kundalini erwacht ist, geht sie nicht direkt zum Scheitelchakra. Sie muss von Chakra zu Chakra geführt werden. In der Sushumna, dem Kanal in der Wirbelsäule, durch die die Kundalini aufsteigt, sind sechs Chakras. Das Basischakra, Sakralchakra (Sexualchakra), Solarplexus, Herzchakra, Kehlkopfchakra und Stirnchakra. Über ihnen allen liegt das Scheitelchakra, das Hauptzentrum. Alle Chakras stehen in enger Verbindung mit dem Scheitelchakra. Daher ist es kein Chakra wie die sechs anderen. Das Basischakra liegt am unteren Ende der Wirbelsäule. Das Sakralchakra ist an der Wurzel der Genitalien. Das Solarplexus ist in der Nabelgegend. Das Herzchakra ist in der Herzgegend. Das Kehlkopfchakra ist im Kehlkopf. Das Stirnchakra ist in Stirnhöhe beim Dritten Auge (Trikuti), der Stelle zwischen den Augenbrauen.

Wenn der Yogaschüler das Basischakra durchstößt, gewinnt er Urvertrauen, erfreut sich seiner Existenz, der Lebenswille und der Selbsterhaltungstrieb erwachen. Wenn das Sakralchakra erwacht, lösen sich Schlafstörungen, Unterleibserkrankungen und Sexualprobleme. Lebt er enthaltsam, so fällt nach einigen Monaten jegliches sexuelle Begehren von ihm ab. Wenn er das Solarplexus überschritten hat, ist er frei von allen Ängsten und negativen Gefühlen wie Hass, Wut, Trauer, Neid usw.. Außerdem lösen sich alle Magenbeschwerden auf und eine himmlische Ruhe breitet sich in ihm aus.

Am schwersten ist es  in der Regel die Kundalini vom Basischakra zum Sexualchakra und vom Sexualchakra zum emotionalen Chakra (Solarplexus) aufsteigen zu lassen. Wenn das Herzchakra überschritten ist, verschwinden alle Herzkrankheiten und es entwickelt sich soziales Bewusstsein, Herzlichkeit und selbstlose Liebe. Ist das Kehlkopfchakra überschritten, entwickeln sich Kreativität, Kommunikationsfähigkeit und die Stimme entwickelt eine Reinheit, Kraft und Ausdrucksweise, wie man es von berühmten Sängern und Sängerinnen kennt. Wenn sich das Stirnchakra entwickelt hat, heilen Augen- und Ohrenerkrankungen und es entwickeln sich geistige Klarheit und übersinnliche Wahrnehmungen.

Wenn sich der Yogi auf das Stirnchakra konzentriert, öffnen sich die unteren Chakren automatisch und werden überwunden. Der Yogaübende erhält Hilfe von innen, wenn er sich von Chakra zu Chakra bewegt. Eine innere Stimme wird ihn bei jedem Schritt führen.

Die Kundalini bleibt normalerweise nicht lange im Scheitelchakra. Die Dauer des Verweilens hängt von der inneren Reinheit ab, weiter hängt sie davon ab, ob der Schüler Enthaltsamkeit praktiziert oder nicht. Weiter hängt die Dauer des Verweilens der Kundalini im Scheitelchakra von der Gewissenhaftigkeit ab, mit der er seine spirituelle Praxis ausübt und von der inneren spirituellen Stärke des Yogaübenden. Viele Schüler bleiben nur in den niederen Chakras. Sie werden vom Glück mitgerissen, das sie in den niederen Chakras erfahren und machen, bedingt durch ihre missverstandene Zufriedenheit, nicht den Versuch, das Scheitelchakra zu erreichen. Jeder Yogi erfährt Versuchungen in den niederen Chakras, den Ruheplätzen. Vor allem die Sexualität und kulinarische Genüsse bringen den Yogi immer wieder in Versuchung.

Die Kundalini kann leicht erweckt werden, aber es ist sehr schwierig, sie vom Basischakra zum Stirnchakra und von dort zum Scheitelchakra zu bringen. Es verlangt sehr viel Geduld und Ausdauer von Seiten des Übenden. Es ist sehr schwierig, das Sakralchakra (Sexualität) und das Solarplexus (Emotionen) zu durchstoßen. Der Yogi muss in diesen Zentren sehr viel üben. Man sollte immer daran denken, daß die Kundalini, auch nachdem sie das Scheitelchakra erreicht hat, in jedem Moment wieder ins Basischakra zurückfallen kann! Erst wenn man in Samadhi fest verwurzelt ist, wenn man Erleuchtung (Kaivalya) erlangt hat, kann und wird die Kundalini nicht mehr fallen.

Das Erwachen der Kundalini Shakti im Basischakra und ihre Vereinigung mit Shiva im Scheitelchakra, wird von vielen falsch interpretiert und von vielen wörtlich genommen. Männer halten sich für Shiva und meinen, die Frauen wären Shakti, und dass bloße sexuelle Vereinigung das Ziel des Kundalini-Yoga sei. Das ist natürlich Unsinn. Sie dient allenfalls der sinnlichen Befriedigung. Buddha hat seinen Mönchen nicht umsonst Brahmacharya (sexuelle Enthaltsamkeit) empfohlen. Auch die Zen-Mönche leben enthaltsam. Im Tantra ist zwar die sexuelle Vereinigung erlaubt, vom Orgasmus sollte aber abgesehen werden.

Yoga-Reinigungen alleine 1. Dhauti (Magenreinigung) 2. Basti (Dickdarmreinigung) 3. Neti (Nasenreinigung) 4. Trataka (Augenreinigung) 5. Nauli (Darmreinigung) 6.Kapalabhati (Lungenreinigung) helfen nicht viel. Reinigung des Herzens ist ebenso notwendig. Mache Selbstanalyse und entwurzle Deine Fehler und schlechten Angewohnheiten. Bereinige deine Fehler wie Selbstsucht, Stolz, Eifersucht, Haß usw. Entwickle dein Herz. Teile das, was du hast, mit anderen. Übe selbstlosen Dienst. Dann wirst du zu Reinheit des Geistes gelangen. Heutzutage vernachlässigen mache Ygaschüler diese Dinge und machen nur Yoga-Übungen, um übersinnliche Fähigkeiten (Siddhis) zu bekommen. Früher oder später erleben sie dann große Rückschläge. Darum sollte man vermeiden, übersinnliche Fähigkeiten zu erlangen. Bei den Mönchen Buddhas war das Prahlen mit übersinnlichen Fähigkeiten sogar ein Grund, die Mönche aus dem Orden auszuschließen.

Ich rate, mache dir nicht zuviel Gedanken um übersinnliche Fähigkeiten oder ein rasches Erwecken der Kundalini. Entwickle den Geist im Dienstes an der Menschheit. Die Kundalini wird von selbst erwachen. Das Erwecken der Kundalini ist nicht so einfach, wie man meinen könnte. Es ist äußerst schwierig. Wenn alle Wünsche verschwinden, wenn der Geist absolut rein wird, wenn alle Sinne bezwungen sind, wenn Du in der Meditation eine Konzentration in einem erwünschten Ausmaß erlangt hast, und wenn alle Gedanken des Egoismus und des „Mein“ dahinschmelzen, wird die Kundalini von selbst erwachen. Nur dann ist das Erwachen der Kundalini nutzbringend. Ein vorzeitiges Erwecken ist nicht wünschenswert. Der Aspirant, der die Kundalini ohne die nötigen geistigen und spirituellen Vorbereitungen erweckt hat, wird nicht viel Nutzen davon haben. Er kann all den Nutzen, den das Erwachen der Kundalini bringt, weder spüren noch zeigen.

Nur die Frucht, der es gestattet ist, am Baum zu reifen, wird gut schmecken. Aber das dauert lange. Das beste Holz kommt von den Bäumen, die am langsamsten wachsen. Genauso wird der Aspirant, der geduldig und über eine lange Zeit hin mit Ausdauer und Eifer intensiv Yoga übt, der trotz verschiedenster Hindernisse auf seinem Weg hartnäckig bei den spirituellen Praktiken bleibt, der seine Fehler und Schwächen eingesteht und versucht, sie mit den geeigneten Mitteln zu beseitigen, in der Lage sein, seine Kundalini zu erwecken und ein dynamischer und vollkommener Yogi zu werden. (aus: Kundalini Sadhana)

Die Energie der Kundalini

Eine Idee zur Kundalini, die mir kam, nachdem diese Seite fertig gestellt war. Sie ist vielleicht noch nicht zu Ende gedacht, aber ich möchte sie gerne hier einfügen.

Ich habe da gerade eine Idee betreffs der Kundalini. Es wird ja immer wieder behauptet, die Kundalini sei eine göttliche Energie, die im Wurzelchakra konzentiert ist und mittels spiritueller Praktiken erweckt werden kann. Mir war diese Theorie nie sonderlich sympathisch, da ich davon ausging, dass die Kundalini in erster Linie eine sexuelle Energie sei.

Nun gibt es aber die Vorstellung, dass in jedem Chakra ein gewisser Energiebetrag gespeichert ist. Dieses wird durch die Anzahl der Lotusblätter symbolisiert, die man den einzelnen Chakren zuordnet. Das sieht dann wie folgt aus:

7. Chakra · Scheitelchakra: der 1000-blättrige Lotus
6. Chakra · Stirnchakra: der 96-blättrige Lotus
5. Chakra · Kehlkopfchakra: der 16-blättrige Lotus
4. Chakra · Herzchakra: der 12-blättrige Lotus
3. Chakra · Sonnengeflecht: der 10-blättrige Lotus
2. Chakra · Sexualchakra: der 6-blättrige Lotus
1. Chakra · Wurzelchakra : der 4-blättrige Lotus

Darum stelle ich mir die Frage, ist die Kundalini nicht in Wirklichkeit, die gesamte Energie, die in allen Chakren konzentriert ist? Offensichtlich hat diese Energie das Bestreben, ins Gehirn hinaufzuwandern. Dabei scheint das Wurzelchakra gewissermaßen der Flaschenhals zu sein, den die Energie zunächst einmal passieren muss, denn ich glaube, die meisten Menschen stecken im Wurzelchakra fest.

Dies scheint daran zu liegen, dass das Wurzelchakra, das Sexualchakra und das Sonnengeflecht (Nabelchakra) in unserer Gesellschaft am stärksten erkrankt sind. Sie saugen gewissermaßen die ganze Energie auf, so dass für die restlichen Chakren kaum noch Energie übrigbleibt. Sobald das Wurzelchakra genesen ist, das den Lebenswillen, den Selbsterhaltungstrieb, das Urvertrauen und die Geborgenheitsgefühle symbolisiert, wird diese Energie frei und kann zur weiteren spirituellen Entwicklung genutzt werden.

Danach erfolgt die Heilung des Sexualchakras. Ist das geschehen, dann entfällt die sexuelle Verhaftung. Die freiwerdende Energie kann nun zusammen mit der Energie des Wurzelchakras genutzt werden, um das Nabelzentrum (Sonnengeflecht), welches den ganzen Bereich der Emotionen symbolisiert, in dem die Angst, die Wut, die Trauer, die Minderwertigkeitsgefühle, Hochmut, Depression, mangelndes Selbstbewußtsein, Gier, Machtmißbrauch und Hypersensitivität beheimatet sind, zu heilen.

Und so arbeitet man sich von Chakra zu Chakra, bis endlich alle Chakren geheilt sind und man „Erleuchtung“ erfährt.

Kritik am siebenstufigen Kundalini-Modell

Die Kundalini-Theorie besagt, dass die kosmische Energie Kundalini im Basischakra gespeichert wird. Diese kosmische Energie wird einer göttlichen Energie gleichgesetzt. Weiter wird gesagt, dass diese göttliche Energie, also die Kundalini, durch kontemplative Techniken wie Meditation, Yoga, Atemtechniken oder andere spirituelle Techniken, von Chakra zu Chakra aufwärts geleitet werden kann, bis sie im obersten Chakra, dem Scheitelchakra, angekommen ist. Dieses stellt gewissermaßen die Erleuchtung dar.

Das siebenstufige Chakramodell hat ihren Ursprung in der hinduistischen Philosophie, die als Ursache für spirituelle Bewusstseinsveränderungen etwas Göttliches ansieht, nämlich eben jene göttliche Energie, die Kundalini, die wie eine aufgerollte Schlange im Basischakra ruht und durch spirituelle Techniken zum Leben erweckt werden kann. Diese Theorie wird seit Tausenden von Jahren vollkommen kritiklos von einer Generation an die nächste weitergegeben. Wie berechtigt ist diese Theorie aber?

Wenn wir den Gottesbegriff einmal kritisch hinterfragen, so müssen wir erkennen, dass alle unsere Vorstellungen von einer höheren Intelligenz, von einer Gottheit, nur Ansätze sind, um das, was wir nicht verstehen, in Worte zu fassen. So sehr wir uns auch bemühen, dieses Göttliche zu verstehen, müssen wir doch erkennen, dass wir als Menschen nicht in der Lage sind, solche Fragen befriedigend zu beantworten. Nicht umsonst sagte einst der Philosoph Imanuel Kant: „Jeder Versuch, die Existenz Gottes theoretisch zu begründen, wird als unmöglich widerlegt.“

Wenn es aber wirklich so etwas wie eine Gottheit gibt, muss sie dann wirklich menschliche Eigenschaften besitzen? Oder sollten wir uns nicht lieber vollkommen von einer Gottesvorstellung lösen? Auf alle Fälle sollten wir nicht versuchen, in diese Gottesvorstellung irgendetwas hineinzuinterpretieren. Das aber machen alle Religionen seit Tausenden von Jahren, indem sie das Göttliche durch menschliche Eigenschaften zu beschreiben versuchen, indem sie Gott gewisermaßen vermenschlichen. Und das halte ich für unzulässig.

Darum stellt sich für mich die Frage, wie berechtigt ist die Annahme eines Basischakras überhaupt, in der die göttliche Kundalini ruht? Meiner Ansicht nach, gibt es dieses Basischakra überhaupt nicht. Wenn es so etwas wie Kundalini gibt, dann ist sie meiner Meinung nach der sexuellen Energie gleichzusetzen, die symbolisch gesehen im Sakralchakra (Sexualchakra) ruht. Und darum stelle ich die Frage, ob es bei bewusstseinserweiternden Zuständen nicht in Wirklichkeit darum geht, sexuelle Energie in spirituelle Energie  (Lebensenergie) umzuwandeln? Darum würde ich Chakren als real nicht existent betrachten. Vielmehr würde ich den jeweiligen Drüsen, die man den Chakren zuordnet, eine wichtige Bedeutung beimessen. Durch die spirituelle Arbeit werden Heilungsprozesse angestossen, die ebenfalls heilende Wirkung auf die Drüsen haben, was wiederum genesende Wirkung auf die den Drüsen zugeordneten Körperregionen hat.

Damit stelle ich der religiös orientierten Kundalini-Theorie des Hinduismus, ein naturwissenschaftliches Modell entgegen, welches frei von religiösen Einflüssen ist. Ich konzentriere mich also nicht mehr auf göttliche Energien, sondern stelle mir die Frage, wie laufen bewusstseinsverändernde Prozesse eigentlich ab. Ich sehe als Ursache für spirituelle Veränderungen also keine göttlichen Energien an, sondern neurologische (biochemische) Veränderungen im Körper.

Dabei spielt die Atmung natürlich eine zentrale Rolle. Durch Meditation und anderen Entspannungstechniken ist es möglich, eine gesunde Atmung zu entwickeln. Das führt dazu, dass die Lungen mehr Sauerstoff aufnehmen. Dadurch gelangt mehr Sauerstoff ins Blut und somit werden auch die Zellen besser mit Sauerstoff versorgt. Aber auch die Rolle der Sexualität sollte man bei spirituellen Prozessen nicht unterschätzen. Die sexuelle Energie ist vielleicht sogar neben dem Selbsterhaltungstrieb des Menschen die stärkste Energie über die der Mensch verfügt. Nutzt man die sexuelle Energie für spirituelle Fortschritte, so kann das sicherlich eine ganze Menge bewirken. Man kann davon ausgehen, dass beide Aspekte, sowohl die Atmung als auch die Sexualität, für Heilungsprozesse sehr wichtig sind. Um diesen Heilungsprozess in verantwortungsvolle Bahnen zu lenken, ist es ebenfalls wichtig, sich mit ethischen und moralischen Werten auseinander zu setzen.

Spirituelle Veränderungen, bessser gesagt, Heilungsprozesse, finden also nicht statt, weil eine ominöse göttliche Kraft, Kundalini-Shakti genannt, die im Basischakra ruht und von Chakra zu Chakra aufsteigt, um dabei die Chakren zu heilen und letztendlich, wenn sie im Scheitelchakra angekommen ist, Erleuchtung zu verwirklichen. Vielmehr geschehen Heilungsprozesse im wesentlichen durch das Entwickeln einer gesunden Atmung und durch Umwandlung sexueller Energien. Es ist davon auszugehen, dass Heilungsprozesse hauptsächlich auf zellulärer Ebene in Form von neurophysiologischen Prozessen stattfinden. Nun soll untersucht werden, wie diese neurophysiologischen Prozesse aussehen.

Sämtliche Erfahrungen, die der Mensch in seinem Leben macht, sind in seinem Langzeitgedächtnis gespeichert. Sie bestehen aus einer Verbindung chemischer Moleküle, die in den Nervenzellen des Gehirns gespeichert sind. Die Informationsspeicherung und Informationsübertragung in bzw. zwischen den Nervenzellen geschieht aus neurophysiologischer Sicht durch spezifische synaptische Aktivitäten. Synaptische Aktivitäten bestehen aus einem Austausch von Botenstoffen (Transmittern) zwischen und in den Nervenzellen. Ein ankommender elektrischer Nervenimpuls setzt dabei Botenstoffe frei. Diese durchwandern den synaptischen Spalt, also den Spalt zwischen den beiden Nervenzellen, und koppeln an den Rezeptoren der anderen Nervenzelle an.

Botenstoff und Rezeptor vereinigen sich dabei nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip, wenn beide exakt zueinander passen. Bei der Vereinigung von Botenstoff und Rezeptor werden Porenöffnungen an der Zellmembran geöffnet. Dadurch können Natrium-, Kalium-, Calcium-, Clorid- und andere Ionen durch die Zellmembram in die Zelle eindringen, was den Spannungsunterschied zwischen dem Innern der Zelle und der Zellumgebung ausgleicht.

Nachdem der Botenstoff seine Nachricht übermittelt hat, wird er entfernt. Nimmt der Rezeptor die Nachricht entgegen, aktiviert er im Innern der Zelle einen weiteren Botenstoff, der die Nachricht weiterleitet. Durch das Eindringen der Ionen in die Zelle verändert sich die biochemische Struktur der Moleküle der Nervenzelle. Dadurch baut sich ein Nervenimpuls auf, der eine Zellfunktion, wie z.B. die Kontraktion kleinster Muskelfasern (Myofibrillen) auslöst.

Faszinierend ist dabei die kaum bekannte Tatsache, dass der Mensch durch bestimmte Vorgehensweisen (z.B. durch spirituelle Praktiken wie Meditation, Autogenes Training, Yoga, Atemübungen, Zen, Trance, Tanzen, Sexualität, Schlafentzug, Reizentzug, Autosuggestion, Reizüberflutung, Orthomolekulare Medizin, Monotonisierung, mechanische Reize, Massage, Lernen, Klinische Ökologie, katathymes Bilderleben, Hyperventilation, Extrembelastungen, Brainstorming, Drogen, Imaginieren, Sport, Placeboeffekte und andere Verfahren) in der Lage ist, körpereigene Botenstoffe zu mobilisieren, deren Zusammensetzung und Konzentrationen zu verändern und Einfluss auf sein synaptisches Geschehen zu nehmen.

Die Veränderungen bei bewusstseinserweiternden Prozessen (Heilungsprozessen) finden also zunächst einmal auf der Ebene der Nervenzellen statt. Verändert sich die chemische Zusammensetzung der Moleküle der Nervenzellen, so wirkt sich dieses auf den gesamten Körper aus, was letzten Endes zur Heilung führt. Dahinter nun aber irgendwelche transzendentalen (religiösen) Ursachen zu vermuten, unterliegt der Sichtweise des Betrachters. (aus: Körpereigene Drogen)

Kundalini und der Kindling-Effekt

Beim Kindling-Effekt handelt es sich um eine künstliche Aufladung des Gehirns, die der PC-Übung (PuboCoccygeus-Muskel = Beckenbodenmuskel, bei der PC-Übung wird der Beckenbodenmuskel mehrfach angespannt und anschließend wieder entspannt), die ebenfalls eine Aufladung des Gehirns bewirkt, sehr ähnlich ist. 1969 wurde erstmals bei einem Laborversuch mit Ratten, der sogenannte Kindling-Effekt erstmals künstlich hervorgerufen. Durch eine wiederholt elektrische Stimulierung des limbischen Hirnsystems (Stirnchakra) mittels eingepflanzter Elektroden bei Ratten, veränderte sich das Verhalten der Tiere sehr stark. Sie begannen zuerst Männchen zu machen und dann begannen sie ihre Vorderpfoten zu suchen. Im Gehirn entstanden dabei interessante Muster, die sich nach und nach in die benachbarten Gehirnregionen ausbreiteten und die elektrische Reizschwelle sank ständig, so dass schon geringe elektrische Ladungen diesen Effekt auslösten.

Wurde die Region des Gehirns stimuliert, die man in der Fachsprache Mandelkern nennt, so wanderte dieser Reiz zum Mandelkern der anderen Gehirnhälfte rüber. Dann in gleichbleibender Reihenfolge zum Ammonshorn, zum Hinterlappen und schließlich zum Stirnlappen.

Es zeigte sich aber, dass der Kindling-Effekt nur im limbischen System beginnen kann. Stimuliert man versuchsweise Hirnrinde, Hirnstamm oder Thalamus, so lässt sich keine Wirkung auslösen. Bemerkenswert ist, dass der Kindling-Effekt anfänglich als Epelepsie-Effekt eingestuft wurde. Doch Versuche diesen Effekt mit der Aminosäure Taurin zu stoppen, was bei epeleptischen Anfällen möglich ist, verliefen wirkungslos. Daher musste bald nach diesen Versuchen der Kindling-Effekt aus dem Epelepsie-Modell genommen werden. Weiter stellte sich heraus, das der durch Stimulation des limbischen Systems hervorgerufene Kindling-Effekt eine bleibende Veränderung des Nervensystems hervorrief.

Die Analogie zwischen dem Kindling-Effekt und den Meditationseffekten sind interessant. Auch die durch Meditation ausgelöste Kundalinienergie, besonders wenn sie unvorbereitet und dramatisch eintritt, wird von vielen Menschen, die das Erwachen erlebten, als ein Gefühl nervöser Erregung, begleitet von elektrischen Empfindungen und inneren Lichtern beschrieben. Auch sie behaupten, dass dieser Prozess das zentrale Nervensystem verändert. Eine weitere Studie zeigt, dass die elektrische Reizung des limbischen Systems, oder mit dem limbischen System verbundenen Hirnbereichen, eine sexuelle Reaktion auslösen kann. Hier also wieder eine Verbindung zwischen dem limbischen System und der Sexualität.

Reizt man bei einem Menschen mittels elektrischer Ströme einen Hirnbereich, der sich Amygdala nennt, so erlebt die Versuchsperson starke Glücksgefühle (Nirvana-Gefühle). Gleiches geschieht auf natürlicher Weise durch Meditation und  kurzzeitig beim Orgasmus. Auch hier scheinen elektrische Reize verschiedene Hirnstrukturen in höhere Bereiche zu schalten. Wir haben es also mit einem rein elektrisch-energetischen Phänomen zu tun. Nur ein Mehr an Energie im Gehirn reicht aus, um dieses zu verändern und höhere Empfindungen und Fähigkeiten zu wecken. Die chemische Komponente ist dabei nur als Begleitmaßnahme zu sehen. Der Auslöser dieser Effekte ist ausschließlich eine elektrische Energie. Einige meditierende Personen, die  getestet wurden, berichteten, dass sie zuerst ein Empfinden elektrischer Natur hatten, dass sich schließlich im ganzen Kopf ausbreite, welches manchmal beinahe konvulsiv (krampfhaft, zuckend) oder orgasmisch war. (von: Gerhard H. Eggetsberger: Power für den ganzen Tag)

Die Rolle der Atmung in der Meditation

Laut Swami Sivananda kann die Kundalini über vier Wege zum Scheitelchakra gelangen:

  1. Der längste Weg geht vom Basischakra zum Scheitelchakra entlang des Rückens. Der Yogi, der die Kundalini diesen Weg entlang führt, ist sehr stark. Das ist der schwierigste Weg.2. Der kürzeste Weg geht vom Stirnchakra zum Scheitelchakra. Wenn sich der Yogi auf das Stirnchakra konzentriert, öffnen sich die unteren Chakras automatisch und werden überwunden.
  2. Der dritte Weg führt vom Herzchakra zum Scheitelchakra.
  3. Der vierte geht vom Basischakravornezum Scheitelchakra.

Ich möchte mich auf den ersten Weg konzentrieren, da ich mich in meiner spirituellen Laufbahn ausschließlich mit dem ersten Weg beschäftigt habe. Dieser Weg hat 3 Pfeiler, auf die er aufgebaut ist. Da ist zum ersten die Meditation oder eine gleichwertige Versenkungs-, Entspannungs- bzw. Atemtechnik. Der zweite Pfeiler ist die Sexualität als Energielieferant für die Meditation und der dritte Pfeiler sind ethische und moralische Werte (Yama und Niyama). Auf die Sexualität und auf die ethischen und moralischen Werte soll später noch ausführlich eingegangen werden. Zunächst möchte ich gerne über die Meditation reden.

Meditation verstehe ich dabei religionsübergreifend. Meiner Auffassung nach ist es vollkommen egal, mittels welcher Form der Meditation man sich versenkt, um spirituelle Fortschritte zu erreichen. Wenn die verschiedenen Formen der Kontemplation, darunter verstehe ich sowohl die Meditation, das Autogene Training, den Zen, die christliche Form des Betens und andere Formen der Kontemplation, auch unterschiedlich in der Anwendung sind, so führen sie doch alle zum selben Ziel. Entscheidend ist allein die Tiefe der Versenkung.

Schaut man sich einmal die Tradition der christlichen Meditation genauer an, so erkennt man, dass sie sich gar nicht so sehr von hinduistischen bzw. buddhistischen Meditationsformen unterscheidet. Sind es im Hinduismus hinduistische Götter, wie Brahma, Krishna oder Shiva die angebetet werden, so gilt das Gebet der Christen einem monotheistischem Gott. Betet der Hindu seine Mala, so betet der Christ seinen Rosenkranz. Singt der Hinduist seine religiösen Lieder, auch Kirtans genannt, so singt der Christ seine christlichen Choräle. Sowohl der hinduistische/buddhistische Mönch als auch dem christliche Mönch ist an das Zölibat gebunden.

Die christliche Meditation lehrt die Fähigkeit, mit Gott in eine Beziehung zu treten. Dies geschieht durch das Beten, das Singen oder das stille Versenken in Gott. Die Meditation kann allein im stillen persönlichen Gebet oder in der Gemeinschaft erfolgen. Eine Form des Meditierens des frühen christlichen Mönchtums geschah durch dauerndes Wiederholen von Gebeten und Atemkontrolle, durch die Konzentration auf die Glaubenswahrheiten, das Beten von Psalmen und Schrifttexten.

Dabei kommt es nicht auf das Verständnis einzelner Worte an, sondern auf die Haltung der Hingabe, die Bereitschaft, auf das Vertrauen. Dabei kann man das stetige Wiederholen eines Gebetes und die gleichzeitige Wirkung während des Betens auf die Atmung ebenfalls mit der hinduistischen Mantrameditation vergleichen. Die Versenkung in die Atmung ist im Hinduismus und im Buddhismus ebenfalls bekannt. Sie wird vielleicht nicht immer angestrebt, sondern stellt sich in der Regel ganz von alleine (ungewollt) ein.

Die drei Grundpfeiler der Erleuchtung (Heiligkeit) in allen Religionen sind die Enthaltsamkeit, die ethische Vervollkommnung und die Kontemplation. Unter Kontemplation verstehe ich dabei ein Versenken, eine Konzentration auf ein reales oder ideelles Konzentrationsobjekt, bis man damit verschmilzt. Dabei ist die Tiefe der Konzentration, die Versenkung, der entscheidende Faktor. Man kann also meditieren wie die Buddhisten das praktizieren oder man kann sich ins Gebet vertiefen. Beides läuft letzten Endes darauf hinaus, dass man die Atmung beeinflusst und damit die Physiologie.

Beim Beten ist also nicht die Hinwendung zu Gott das Entscheidende, sondern dass durch die Konzentration auf Gott, die Atmung beeinflusst wird, wenn auch unbeabsichtigt. Und somit ist das Beten auch eine Form der Meditation. Man kann davon ausgehen, dass die christlichen Heiligen sich genau so intensiv ins Gebet vertieft haben, wie die indischen Yogis während der Meditation. Das christliche Beten unterscheidet sich eigentlich nicht sehr von der buddhistischen Mantrameditation.

In beiden Fällen werden meist kurze Gebete oder Mantras, was dasselbe ist, immer wieder wiederholt. Dabei beruhigt sich allmählich der Geist, die Atmung vertieft sich und dadurch wird mehr Sauerstoff von den Lungen aufgenommen. Die Lungen wiederum geben mehr Sauerstoff ans Blut. Und das Blut transportiert mehr Sauerstoff ins Gehirn. Und das führt zu Veränderungen im Gehirn. Botenstoffe und Hormone werden aktiviert, die heilende Wirkungen für den ganzen Körper haben.

Mit anderen Worten, wir lernen durch das Beten bzw. durch die Meditation wieder gesund zu atmen, denn im Laufe unseres Lebens haben wir es verlernt. Wir atmen in der Regel zu oberflächlich, anstatt den Sauerstoff tief in uns einzuatmen. Und das wird sowohl durch die Meditation als auch durch das Beten verändert, in Richtung einer natürlichen, gesunden Atmung.

Bei einzelnen christlichen Heiligen wie Teresa v. Avila kommt es zu mystischen Erfahrungen. Darunter versteht das Christentum die Erfahrung der Einheit mit Gott, mit Christus. Diese ekstatischen mystischen Erfahrungen sind in den östlichen Tradition ebenso bekannt. Viele Yogis, Weise und Erleuchtet haben sie erfahren. Die einen erlangten diese Zustände ebenfalls durch Gebete in Form von Mantrameditation, andere durch die Beobachtung ihrer Atmung oder durch die Konzentration auf das Dritte Auge. Viele dieser Erleuchteten wurden ebenfalls als Heilige betrachtet.

Während der Meditation richtet man seinen Blick auf die Atmung und beobachtet, wie der Atem natürlich ein- und ausströmt. Dabei sollte man auf keinen Fall die Atmung in irgendeiner Weise bewerten oder beeinflussen. Ebenso kann das Interesse der Konzentration dem geistigen Auge zwischen den Augenbrauen, dem dritten Auge, gelten. Mann kann die Meditation mit einem Mantra verbinden, welches man still im Geiste im Rhythmus des Atems vor sich hersagt.

Schweifen die Gedanken vor der Meditation ab und verlieren sich in der Ruhelosigkeit des Alltags, so löse man sich davon und widme seine Aufmerksamkeit wieder der Meditation. Man spricht eigentlich erst dann von Meditation, wenn die Konzentration ungebrochen ist, also lediglich mit dem Meditationsobjekt verschmilzt, und der Geist nicht mehr abschweift. Schweift der Geist dagegen immer wieder ab und muss erneut auf das Objekt konzentrieret werden, so spricht man nicht von Meditation, sondern von Konzentration.

Der entscheidende Punkt in der Meditation ist also nicht die Atmung selber, sondern die Konzentration auf die Atmung. Selbst wenn die Atmung flach und hektisch ist, sollte man nicht versuchen, sie in irgendeiner Weise zu beeinflussen. Es geht also darum, den Geist zur Ruhe zu bringen, sich von seinen ruhelosen Gedanken zu lösen, um sich vollkommen auf die Meditation zu konzentrieren. Nur so kann man aus der Meditation Nutzen ziehen. Nur so kommt das Herz und die Atmung allmählich zur Ruhe. Nur so kann sich die Glückseligkeit der Meditation allmählich entfalten. Meditation ist nicht eher möglich, als bis man die Kunst der vollkommenen Konzentration beherrscht.

Nach einiger Zeit wird der Meditierende merken, wie seine Aufmerksamkeit immer intensiver wird. Er findet immer mehr zur Ruhe und die Atmung wird immer tiefer und ausgeglichener. Dann wird jeder Atemzug zur Quelle neuer Lebensenergie. Die Lungen nehmen verstärkt Sauerstoff auf und transportieren es ins Blut. Dadurch wird das dunkle venöse Blut, in dem sich allerlei Giftstoffe befinden, in rotes Arterienblut umgewandelt, das die Zellen des Körpers mit neuer Energie versorgt. Ein ruhiges Herz und eine ruhige Atmung sind die Vorraussetzungen für eine vollkommene Konzentration.

Atem ist gleichbedeutend mit Leben, weil er das dunkle venöse Blut mit Sauerstoff versorgt, reinigt und in arterielles Blut umwandelt, welches das Gehirn mit Energie zu versorgt. Aber auch das Herz, die Leber, die Nieren, das Zwerchfell und alle anderen Organe und Zellen des Körpers werden mit Energie versorgt. Atmet man nicht tief genug ein, weil man beim Sitzen, Stehen oder Gehen das Rückgrat einsinken lässt, so können sich Lunge und Zwerchfell nicht richtig ausdehnen. Dadurch wird das Blut nicht genügend mit Sauerstoff angereichert. Dann verbleibt das mit Giftstoffen beladene, venöse Blut ungereinigt an den Wänden der Lungenbläschen und wird in diesem Zustand wieder in den Körper zurückgepumpt.

Zu einer gesunden Atmung trägt auch eine gesunde Ernährung bei. Menschen, die dazu neigen, ein Übermaß an Kohlehydraten und Fleisch zu sich nehmen, atmen oft sehr hastig und unruhig. Wer aber permanent zu schnell atmet, belastet das Herz zu stark und neigt zu einem erhöhten Blutdruck. Darum können Atemübungen, auf die später noch detailliert eingegangen werden soll, Erleichterung verschaffen.

Durch die Meditation gelingt es uns, die Sinne von den Außenreizen nach innen zu lenken. Dabei gilt unsere ganze Konzentration der Atmung. Sollte unsere Aufmerksamkeit von der Atmung abgelenkt werden, so richten wir sie, sobald wir dies bemerken, sanft wieder auf die Atmung. Dadurch beruhigt sich allmählich die Atmung und das Herz. Langsam kehrt Ruhe und Gelassenheit ein. Durch die vermehrte Zufuhr von Sauerstoff werden die Körperzellen mit Energie aufgeladen. Man fühlt sich erfrischt und mit neuer Vitalität und neuer Lebenskraft versorgt. Die verlangsamte Herztätigkeit verschafft auch den übrigen Organen eine Ruhepause. Langsam aber sicher kehrt immer mehr Ruhe und eine tiefe Entspannung ein. Die Atmung wird immer ruhiger und immer tiefer.

Allmählich breitet sich im ganzen Körper ein meditativer Zustand aus. Manche bemerken es daran, dass sich in ihrem Körper ein Kribbeln ausbreitet. Dieses Kribbeln stellt sich natürlich nicht von heute auf morgen ein, sondern meist erst nach einigen Wochen der regelmäßigen Meditation. Mit fortschreitender Meditation wird der meditative Zustand immer intensiver. Einerseits ist man hellwach und bekommt alles mit, was sich um einen herum abspielt, andererseits aber hat man die Sinne von der Außenwelt zurückgezogen. Man nimmt zwar von der Außenwelt Notiz, ruht aber so sehr in seinem Innern, dass man den Außenreizen kaum Aufmerksamkeit widmet. Man ruht innerlich in einer ruhigen, von Seligkeit getragenen, wohligen und energiegeladenen Atmosphäre. Was bedarf es da noch irgendeines Außenreizes? Er könnte allenfalls die selige Stimmung stören.

In den ersten Wochen der Meditation merkt man, wie schwer es ist, sich auf die Meditation zu konzentrieren. Immer wieder schweifen die Gedanken in die Ferne. Eventuell bemerkt man, dass man nicht in der Lage ist, tief einzuatmen. Tiefes Einatmen geht immer mit einer tiefen Befriedigung einher. Aber genau diese tiefe Befriedigung fehlt. Im Laufe des Lebens hat man sich eine hektische und oberflächliche Atmung angewöhnt. Damit einher gehen oft auch chronische Verspannungen im Rücken oder Bauchraum.

Man bemerkt eventuell auch andere Verspannungen, die sich nicht lösen wollen. Dies können zum Beispiel chronische Verspannungen in der Schultermuskulatur oder Verspannungen in den Armen und Beinen sein. Wenn in diesem Abschnitt auch von der Atmung die Rede war, so sollte doch nicht vergessen werden, dass die Atmung nur das erste Glied in der Kette ist. Durch die Atmung und durch verstärkte Sauerstoffzufuhr werden Prozesse auf Zellebene angestoßen, die die eigentliche Heilung bewirken.

Was ist Erleuchtung denn nun wirklich?

Will man Erleuchtung verstehen, so kann man sich relativ gut an der obigen Tabelle orientieren, in der die Eigenschaften der einzelnen Chakren beschrieben sind. Erleuchtung ist nichts anderes als ein Heilungsprozess, bei dem, mit dem Chakra Modell gesprochen, die Kundalini vom Basischakra entlang des Wirbelsäule zum Scheitelchakra aufsteigt. Entsprechend erfolgt auch die Heilung der Chakren von unten nach oben. Zuerst werden also die unteren Chakren geheilt, später folgen die oberen Chakren. Wenn ich jetzt doch wieder das Chakra-Modell benutze, obwohl ich mich vorher so vehement dagegen ausgesprochen habe, so geschieht es in diesem Falle, um die Vorgänge etwas vereinfacht darzustellen, damit sie besser verstanden werden können. Dahinter stehen natürlich äußerst komplizierte neurologische Prozesse, die im Detail selbst für die Physiologen  und Mediziner nur schwer zu verstehen sind.

Der Sexualität messe ich in diesem Heilungsprozess eine besondere Rolle zu, da ich davon ausgehe, dass in der Regel eine psychische Erkrankung meist mit einer unbefriedigten Sexualität einhergeht. In einem Heilungsprozess geht es also auch darum, zu einer befriedigenden Sexualität zurück zu finden. Ich stelle die Behauptung auf, dass eine befriedigende Sexualität immer dazu führt, dass irgendwann das sexuelle Begehren vollkommen von einem abfällt. Dieses können sowohl die Yogis als auch die Tantriker bestätigen. Bei sexueller Enthaltsamkeit, so schwer sie auch, in der Regel, über einige Monate zu sein scheint, stellt sich irgendwann das Gefühl ein, alle erotischen Wünsche ausgelebt zu haben. Von diesem Moment an, betrachtet man dieses Kapitel als erledigt. Dieses Empfinden hat nichts mit Frigidität oder Potenzstörungen zu tun. Genau das Gegenteil ist der Fall. Die Enthaltsamkeit führt zu Pollutionen, zu äußerst befriedigenden nächtlichen Orgasmen, die häufig von sehr schönen erotischen Träumen begleitet werden, die einem nach einigen Monaten der Enthaltsamkeit, das Gefühl geben, alle erotischen Wünsche ausgelebt zu haben. Die Menschen sind unter anderem dadurch so auf die Sexualität fixiert, weil sie nie die Sexualität in der Intensität erfahren, die sie sich erträumen. Das ist aber bei den nächtlichen Pollutionen der Fall.

Es ist allgemein bekannt, wie sehr die Menschen auf die Sexualität fixiert sind. Es vergeht kaum eine Minute, ohne dass der Mensch nicht an dieses Thema denkt. Ununterbrochen kreisen die Gedanken um dieses Thema. Es ist weltweit Gesprächsthema Nummer Eins. Ist es aber jemandem gelungen, sich aus diesem Kreislauf der Abhängigkeit von der Sexualität zu befreien, so löst er sich von der Fixierung auf die Sexualität.

Genau dieses ist die erste Stufe im Heilungsprozess. Sie findet im zweiten Chakra, dem Sakralchakra, auch Sexualchakra genannt, statt. Man löst sich aus der Umklammerung der sexuellen Fixierung. Dieses empfindet man keineswegs als negativ, sondern als eine große Erleichterung. Fortan gilt die Aufmerksamkeit nicht mehr der Sexualität. Außerdem verschwendet man die sexuelle Energie nicht mehr für kurze Momente der sinnlichen Lust, sondern kann sie von nun an vollkommen für das weitere spirituelle Wachstum nutzen.

Osho drückte diesen Vorgang mit folgenden Worten aus: „Wenn du wirklich das innere Licht erfahren hast, wird der Sex verschwinden. Ja, es wird Liebe in dir sein, aber der Sex wird verschwinden, die Sexualität wird verschwinden. An deren Stelle wird die Liebe treten, ein sehr liebevolles Wesen. Es wird kein Verlangen nach Sex mehr da sein. Sollte das Verlangen nach Sex bleiben, hast du das innere Licht nicht erfahren“. Osho setzt das Verschwinden der sexuellen Fixierung allerdings der Erleuchtung gleich (wenn Du wirklich das innere Licht erfahren hast). Die sexuelle Fixierung verschwindet allerdings schon viel früher, nämlich genau in dem Moment, in dem die Kundalini zum zweiten Chakra aufsteigt.

Die zweite Stufe auf dem Weg zur Heilung, betrifft den gesamten emotionalen Bereich. Er wird durch das dritte Chakra, das Solarplexus, auch Sonnengeflecht genannt, symbolisiert. Es ist der Punkt an dem wir unsere Angst, unsere Wut, unseren Hass und unsere Trauer spüren. Sind wir mit einer Angst konfrontiert, dann spüren wir sie als Magenschmerzen im Solarplexus. Hat sich die Angst verselbstständigt, so wird sie zum ständigen Begleiter. Dann werden diese Magenschmerzen chronisch. Durch beständige Meditation, erreicht man irgendwann den Punkt, an dem sich alle Ängste und alle negativen Emotionen vollkommen auflösen. Dabei gehen die äußerst lustvollen nächtlichen Pollutionen und die Meditation Hand in Hand.

Ist das Solarplexus geheilt, so entspricht das fast schon der halben Miete. Vollkommen frei zu sein von allen Ängsten, gleicht für die meisten Menschen schon fast einem paradiesischem Zustand. Ihr Leben lang sind sie Opfer ihrer Ängste. Es ist kaum ein Schritt im Leben möglich, ohne dass die Angst uns diktiert, wie wir uns zu verhalten haben. Mit anderen Worten, wir sind oftmals gar nicht in der Lage, uns frei zu entscheiden, sondern werden gewissermaßen von unserer Angst gesteuert.

Vollkommen frei zu sein von Angst, heißt natürlich nicht, dass wir generell frei sind von Angst. Wenn wir uns zum Beispiel in einer für uns lebensbedrohlichen Situation befinden, dann empfinden wir selbstverständlich Angst. In diesem Moment reagiert der Körper entsprechend. Dieses ist die natürliche Funktion der Angst. Sie fordert uns damit zum Handeln auf. Dieses Handeln kann aus Flucht oder Angriff bestehen. Wann aber sind wir schon wirklich in solch einer lebensbedrohenden Situation? Die große Mehrzahl aller Momente, in der wir Angst empfinden, hat nichts mit wirklich bedrohlichen Situationen für uns zu tun. Vielmehr sind sie Ausdruck neurotischer Störungen.

Die Heilung des dritten Chakras, des Sonnengeflechts, bringt aber nicht nur völlige Angstfreiheit mit sich, sondern befreit auch von allen negativen Emotionen, seien es Wut, Hass oder Trauer. Fortan ist man für Beleidigungen oder ähnlich verletzendes Verhalten nicht mehr empfänglich. Es perlt schlicht wie Regentropfen von einem ab. Man fühlt sich nicht mehr persönlich davon betroffen, weil es im Innern dafür keine Resonanz gibt. Die verletzenden Äußerungen anderer machen uns ja nur deshalb so wütend, weil sie irgendetwas in uns ansprechen, das auf die äußere verbale Kritik reagiert. Findet diese Kritik aber keine Resonanz, so reagiert man nicht mehr betroffen oder wütend, sondern bleibt ruhig und freundlich und denkt sich im Stillen, was ist der andere für ein armer Wicht, warum hat er es nötig, sich auf diese Weise auszudrücken. Und dann kommt vielleicht eine freundliche und humorvolle Reaktion, die dem Streit eine schnelle Wende geben kann.

Die nächste Stufe auf dem Weg zur Heilung betrifft das vierte Chakra, das Herzchakra. Im positiven Sinne steht es symbolisch für Nächstenliebe, Aufrichtigkeit, Selbstlosigkeit, Großzügigkeit und soziale Verantwortung. Gleichzeitig steht es aber auch für Herzprobleme, Herzlosigkeit, Teilnahmslosigkeit, Misstrauen und Verschlossenheit. Obwohl unser Herz 24 Stunden am Tag ununterbrochen Blut durch die Adern pumpt, bemerken wir es kaum. Wir bemerken es allenfalls, wenn wir uns aufregen. Dann macht es sich mitunter durch seinen rasenden Herzschlag sehr unangenehm bemerkbar. Und weil wir im normalen Alltag kaum etwas von unserem Herzen spüren, widmen wir ihm vor allen Dingen in jungen Jahren nicht besonders viel Beachtung.

Gerade in jungen Jahren achten wir viel zu wenig auf die Dinge, die unserer Gesundheit und besonders unserem Herzen Schaden zufügen. Wir rauchen, bewegen uns viel zu wenig und ernähren uns ungesund. Andererseits kümmern wir uns oft zu wenig um die Ideale, die durch das Herz symbolisiert werden. Wir entwickeln uns zu Egoisten, die in erster Linie ihre eigenen Vorteile im Sinn haben. Da wundert es natürlich nicht, wenn bei dieser Ellbogenmentalität Nächstenliebe und soziale Verantwortung auf der Strecke bleiben. Dies geschieht allerdings nicht aus böser Absicht, sondern ist Ausdruck mangelnden Bewusstseins. Für dieses egoistische Verhalten muss man allerdings früher oder später seinen Preis bezahlen.

Dieser Preis besteht unter anderem darin, dass andere das Gefühl haben, dass es einem am Warmherzigkeit, Mitgefühl und sozialer Verantwortung mangelt. Dadurch aber treibt man sich selber in die Isolation. Einsamkeit ist unter anderem ein Preis für mangelnde Herzenswärme. Schlimmstenfalls kann die Unterentwicklung des Herzchakras zum Herzinfarkt führen. Der Herzinfarkt ist mittlerweile die häufigste Todesursache in den Industrienationen. Die Heilung des Herzchakras ist darum die beste Vorbeugung gegen den Herzinfarkt. Aber sie beseitigt auch unsere Gleichgültigkeit gegenüber den sozialen Nöten der Mitmenschen und hilft uns aus unserer Einsamkeit heraus. Ein geheiltes Herzchakra drückt sich unter anderem dadurch aus, dass man selbst in Situationen, in denen das Herz normalerweise stark belastet wird und früher vielleicht sogar Herzschmerzen bereitete, vollkommen ruhig bleibt. Dieses ist für jeden, der einmal Herzprobleme hatte, ein völlig neues Lebensgefühl.

Die nächste Stufe der Heilung findet im 5. Chakra, dem Kehlkopfchakra statt. Dieses Chakra stellt die Verbindung zwischen Herz und Hirn, zwischen Gefühl und Denken her. Es ist nicht nur das Sprachzentrum und damit für eine gute Rhetorik zuständig, sondern hat auch Einfluss auf alle Krankheitsbilder aus dem Hals-, Nasen-, Ohren-, Kiefer- und Kehlkopfbereich. Diesem Bereich sind auch die Drogensucht, die Tablettensucht, die Alkoholsucht, die Zigarettensucht, die Sucht nach Süßigkeiten und die Esssucht zuzuordnen.

Ein ganz wichtiger Aspekt scheint mir der verbale Ausdruck zu sein. Jeder weiß, wie wichtig im Leben eine gute rhetorische Ausdrucksweise sein kann. Sie verschafft nicht nur im privaten Bereich Respekt und Anerkennung, sondern öffnet auch im schulischen und beruflichen Bereich so manche Tür zum Aufstieg. Gute Redner werden immer wieder wegen ihrer Brillanz, die in ihren Reden zum Ausdruck kommt, bewundert. Das Hals- oder Kehlkopfchakra ist besonders bei Sängern und Sängerinnen gut ausgebildet. Ist dieses Chakra vollkommen gesund, so erhält man eine Stimme, die Kraft, Durchsetzungsfähigkeit, sprachliche Gewandtheit und eine außergewöhnliche musikalische Ausdrucksfähigkeit hervorbringt.

Die letzte Stufe vor der „Erleuchtung“, also vor der endgültigen Genesung, ist die Heilung des Stirnchakras. Es ist das Zentrum für Intuition, Phantasie, Weisheit, Logik und Intelligenz. Ist das Stirnchakra geheilt, so stellt sich in der Regel ein äußerst angenehmes Prickeln im Stirnbereich ein. Es scheint die intellektuelle Leistung und die Intuition zu beflügeln. Nach der Heilung des Solarplexus stellt sich übrigens auch ein sehr angenehmes Prickeln im Magen ein, welches einem eine ungeheure Lebensenergie verleiht, die die Lebenslust, das Wohlbefunden und die Ausdauer fördern.

Ist das letzte Chakra, das Kronenchakra, geheilt, so lernt der Mensch sein wahres Wesen kennen. Er erfährt zum ersten Mal bewusst, wer er wirklich ist und welche Fähigkeiten in ihm stecken. Hat sich im dritten Chakra ein emotionales Gleichgewicht eingestellt, zu der sich im vierten Chakra die Liebe des Herzchakras einstellt, so kommt im fünften Chakra, dem Kehlkopfchakra, die sprachliche bzw. musische Ausdrucksweise hinzu. Im sechsten Chakra, dem Stirnchakra, folgt die Intuition, Intelligenz und Weisheit. Im siebten Chakra, dem Kronen- oder Scheitelchakra, findet die menschliche Entwicklung ihren spirituellen  Höhepunkt – Erleuchtung – Heilung.

Menschen, die dieses verwirklicht haben, haben das Gefühl, auf Wolken zu schweben. Alle Sorgen fallen von ihnen ab. Sie sind stets gut gelaunt und strahlen nach außen eine Heiterkeit und Gelassenheit aus, um die sie jeder beneiden würde. Innerlich ruhen sie in einem tiefen Frieden, der durch nichts zu erschüttern ist, und äußerlich vibrieren sie förmlich vor Energie. Lebensfreude strömt aus jeder ihrer Poren, die jeden mitreißt. Sie besitzen Charm, Charisma und haben ein Strahlen in ihren Augen, welches man sonst nur bei kleinen Kindern findet. Je nach Veranlagung sind sie still und in sich gekehrt und genießen die innere Ruhe, oder sie haben das Bedürfnis, das, was ihnen wiederfahren ist, anderen mitzuteilen, um sie anzuregen, es ihnen gleich zu tun.

Trifft man solche Menschen, dann hat fast das Gefühl, dass ihr Haupt von einem Heiligenschein umgeben sei. Daher kommt wohl auch die Meinung, es seien Erleuchtete. In Wirklichkeit haben sie nichts anderes getan, als ihr wahres Wesen verwirklicht. Ist dieses einmal gelungen, so weiß man, welche Vielfalt an Talenten und Fähigkeiten in jedem Menschen schlummern, die normalerweise nicht entfaltet werden. Es sollte unser Ziel sein, es diesen verwirklichten Menschen gleich zu tun, um unser schlummerndes Potential zur Entfaltung zu bringen. Dafür sind wir geboren. Genau dieses sollte das Ziel unseres Lebens sein. Natürlich konnte ich in diesem Kapitel nur in Umrissen aufzeigen, welche Seligkeit ein geheilter Mensch erfährt. Um es richtig verstehen zu können, muss man es wohl selber erfahren haben.

Einmal erleuchtet, immer erleuchtet?

Immer wieder hört und liest man, dass jemand, wenn er die Kundalini zum obersten Chakra, dem Scheitelchakra, hinaufgeleitet hat, wenn er also Erleuchtung erfahren hat, dass er diese nicht wieder verlieren kann. Stimmt das überhaupt? Swami Sivananda schreibt dazu: „Die Kundalini bleibt nicht lange im Scheitelchakra. Die Dauer des Verweilens der Kundalini im Scheitelchakra hängt von der Reinheit, dem Grad der spirituellen Praxis und der inneren spirituellen Stärke des Yogaübenden ab. Aber denke daran, daß sie, auch nachdem sie das Scheitelchakra erreicht hat, in jedem Moment wieder ins Basischakra zurückfallen kann! Erst wenn der Yogaübende im Samadhi (Erleuchtung) fest verwurzelt ist, wenn man Kaivalya (Einssein mit Gott) erlangt hat, kann und wird die Kundalini nicht mehr fallen.“

Obwohl ich Swami Sivananda im Prinzip zustimme, so habe ich doch einige Einwände. Erleuchtung heißt für mich Heilung. Diese Heilung beruht auf einem Heilungsprozess der durch neurologische Prozesse auf Zellebene stattfindet. Hat jemand Heilung erfahren, so ist er vollkommen frei von psychischen und psychosomatischen Beschwerden. Er ruht in einem Meer der Seligkeit.

Sollte er jedoch in seine alten Fehler zurückfallen, die ihn so unglücklich gemacht haben, so kann es sehr schnell mit der Seligkeit wieder vorbei sein. Darum sollte man auch nach der Heilung äußerste Vorsicht walten lassen. Schon manch einer, der den Nektar der Heilung gekostet hat, kann davon ein Lied singen. Der Zustand der vollkommenen Heilung ist so außergewöhnlich, dass man nicht automatisch damit wie selbstverständlich umzugehen in der Lage ist. Es treten immer wieder Versuchungen an den Geheilten heran, die er nur meistern kann, wenn er über eine gereifte und gefestigte Persönlichkeit verfügt.

An den Anfang scrollen