Mooji
Inspirierende spirituelle Texte vom weltweit bekannten nondualen Satsang-Lehrer Mooji



 

"Wenn du denkst, etwas verpasst zu haben, lass es einfach los.
Alles ist in diesem Augenblick in Ordnung.
Das wirkliche “du” ist hier hinter allem, ein müheloses Beobachten.
Du bist kein bestimmtes Gefühl.
Gedanken und Emotionen kommen und gehen wie die Wellen, die an der Oberfläche des Meeres herumspielen.
Lass alles von selbst kommen und gehen; das ist natürlich für Wellen.
Ozean, Wasser, Wellen – alles das gleiche.
Sei nur der Beobachter.
Für das Bewusstsein kann nichts gewonnen oder verloren werden, nichts ist gut oder schlecht.
Es ist die unbefleckte Grundlage, auf welcher die Schatten von Namen und Formen als scheinbare Existenz tanzen."

- Mooji
 


 

Eine Einladung zur Freiheit

Nimm nichts als du selbst an und du bleibst übrig

Du hast so viel erlebt und nichts davon hat eine Spur hinterlassen

Das erlebende Ich ist die Freiheit, nach der das Gedanken-Ich so angestrengt sucht

 

Eine Einladung zur Freiheit

Wenn ich zu dir sagen würde, dass es möglich ist, zu einer direkten Erfahrung der Wahrheit zu kommen, die hinter der Fassade deiner Person, deiner Persönlichkeit liegt, wärst du offen dafür?

Stell dir vor, du würdest zu mir kommen und sagen, dass du deine wahre Natur entdecken willst – nicht nur dein konditioniertes Selbst und was du konditioniert wurdest zu glauben über das Leben, sondern dein wahres Selbst. Heute, jetzt.

Und du fragst: „Ist das wirklich möglich?“ Und ich sage: „Ja, ich glaube das ist möglich.“ Und dann sagst du: „Kannst du mir helfen?“ Und ich sage: „Ja, ja, ja. Okay, lass uns schauen.“


Aus dem Inneren des Raums meines eigenen Selbst sage ich zu dir: „Komm herein, um hier mit mir zu sein. Aber bevor du das tust, bitte ich dich, deine Schuhe draußen zu lassen.” Du sagst: „Natürlich”.

„Noch eine Sache, bitte lass auch deinen Geist draußen.” Und dann sagst du: „Ah, ich wusste doch, dass die Sache einen Haken hat. Wie kann ich meinen Geist draußen lassen?”

Nein, nein. Was ich meine, ist sehr einfach. Es bedeutet einfach: Lass all deine Überzeugungen über dich und dein Leben draußen. Leg sie beiseite. Nur für die Dauer dieser gemeinsamen Zeit. Sprich nicht über deine Vergangenheit oder über deine Zukunft. Lass sie einfach für einen Moment draußen.

Und was auch immer du über dich denkst – was du für eine Person zu sein glaubst, oder was für eine Person du gerne sein würdest, oder in was für einer Welt du in der Zukunft gerne leben würdest –, lass das einfach für einen Moment. Sei völlig leer davon.

Tu das jetzt.

Versuche, nicht ein einziges Wort von dem, was ich sage, zu verpassen. Nur für diese wenigen Momente mit mir. Wenn wir das gemeinsame Schauen beendet haben, können dir all diese Dinge zurückgegeben werden. All die Dinge, die du jetzt zurücklässt, kannst du dann zurückhaben. Niemand sonst will sie. Aber wenn sie dir wichtig sind, kannst du sie zurückhaben am Ende unseres kleinen Gesprächs.

Also lass all deine Gedanken über dein Leben, all deine Vorstellungen und Fantasien über das Leben. Lass die Vergangenheit und die Zukunft. Und denke selbst über den gegenwärtigen Augenblick nicht nach.

Lass alles. Sei einfach leer. Genau jetzt.

Halte nicht an irgendeiner Erinnerung oder einem Verlangen fest. Und warte nicht auf irgendetwas. Erwarte nicht irgendetwas. Bleib einfach leer.

Bitte vertraue dem, was ich jetzt sage. Bleib einfach leer, leer, leer.

Und greife auch nicht irgendeine neue Vorstellung auf. Leer, leer, leer, leer, leer. Selbst an deinem Namen halte nicht fest. Einfach völlig leer.

Du brauchst überhaupts nichts zu erschaffen, dir vorzustellen oder zu visualisieren. Mach dir keine Sorgen, du kannst nicht scheitern mit dem, was ich dir sage.

Du wirst feststellen, dass es sich sehr leicht und natürlich anfühlt, alles zu lassen. Selbst das Verlangen nach Erleuchtung – lass das auch, selbst das. Kein Verlangen in dir.

Völlig leer. Einfach wie der Nullpunkt. Sehr gut.

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Ich musste dich bitten, diese Dinge zu tun, damit du an keinem Konzept, keinerlei Vorstellung festhältst. Aber du bist noch hier, oder? Aber keine Geschichte, keine Vorstellung über die Zukunft, keine Erinnerung, keine Zeit. Einfach hier, so wie du jetzt bist.

Es gibt nichts zu tun, nichts rückgängig zu machen. Nichts zu verändern. Du bist einfach leer von jeder Intention, jedem Gedanken.

Du reißt dich nicht zusammen oder hältst das Leben zurück. Jeder Gedanke, der kommt, jedes Gefühl, das kommt, ist einfach wie eine vorüberziehende Wolke. Du bist keine vorüberziehende Wolke. Du bist wie der der unendliche Himmel. Leer und klar.

Nimm diesen grenzenlosen Raum des reinen Gewahrseins wahr. Das ist alles, was jetzt ist. Und ich nenne diese Leere eine Art von Ist-heit. Nichts haftet an dir.

Nimm wahr, dass du auch nicht wartest. Du stellst dir dies nicht vor, du erlebst einfach, siehst einfach. Du erschaffst also nichts, sammelst nichts – einfach nur diese Stille ist hier.

Ignoriere, was der Geist vielleicht sagen will. Weil der Geist manchmal sagt: ‚Das ist langweilig, das ist nicht interessant. Nichts passiert hier.‘ Es ist wichtig, dem Geist nicht zu glauben oder dort hineingezogen zu werden. Der Geist wird einfach versuchen, deine Aufmerksamkeit von dieser wunderbaren Möglichkeit abzulenken.

Nimm wahr, dass der Geist dein wahres Selbst nicht wirklich angreifen kann. Er kann nur die Vorstellungen über dich selbst angreifen, an denen du festhältst.

Aber schau, erinnere dich: Du bist leer. Wie Raum. Du bist kein Objekt wie der Körper in diesem Augenblick. Du bist mehr wie Raum. Aber da ist auch eine Intelligenz in diesem Raum.

Verweile einfach so. Sehr gut.

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Ich musste dich zu diesem Ort einladen, so dass ich dir ein paar einfache Fragen stellen kann. Du brauchst deinen Geist nicht zu benutzen, um zu antworten. Du musst noch nicht einmal darüber nachdenken. Du antwortest einfach irgendwie aus deinem Inneren.

Nimm diesen Raum oder diese Ist-heit wahr, die jetzt hier ist. Es besteht keine Notwendigkeit, dir etwas vorzustellen oder etwas zu erschaffen. Das, was hier jetzt ist – ich nenne es eine Art von Ist-heit –, es ist unbeschreiblich, aber es ist völlig lebendig, oder? Nimmst du das wahr? Einfach diesen Raum des Seins.

Ist es ein Objekt? Ich frage dich – du hast alles zurückgelassen –, was ist hier, dieser Raum, genau jetzt?

Kannst du es berühren?

Hat es irgendeine Form oder Größe?

Ist es männlich oder weiblich?

Hat es irgendwelche Beschränkungen oder Grenzen, jenseits derer es nicht ist?

Kann es auf irgendeine Art fotografiert oder erfasst werden?

Das, das – was hier ist, hat es irgendwelche Wünsche oder Anhaftungen?

Kann es vor irgendetwas Angst haben?

Kann es zu irgendjemand gehören oder von irgendjemand besessen werden?

Kann es von irgendeiner Religion, Philosophie oder Institution vereinnahmt werden?

Kann es emotional werden?

Kann es verärgert oder eifersüchtig werden?

Hängt es von einem Glauben ab? Noch einmal: Hängt es von einem Glauben ab, um zu existieren?

Kann es krank werden?

Kann es leiden oder Leiden verursachen?

Kann es für oder gegen jemand sein?

Hat es irgendwelche Bedürfnisse?

Kann es hungrig sein?

Kann es überhaupt irgendwelche Probleme haben?

Kann die Ist-heit in irgendeiner Art manipuliert oder beeinflusst werden?

Du bist jetzt an dem perfekten Ort, um diese Fragen zu beantworten.

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Wurde es geboren?

Hat es einen Anfang?

Kann es sterben?

Du entdeckst dies jetzt. Aber wo ist es die ganze Zeit vorher gewesen?

Kann es verblassen? Kann es weggehen?

Kann es an einen Ort gehen, wo es nicht ist?

Lass mich dir eine wichtige Frage stellen: Kann der Geist außerhalb davon existieren?

Ist diese Ist-heit persönlich?

Wenn es nicht persönlich ist und wenn es nicht ein Objekt der Wahrnehmung ist, wie kann es wahrgenommen werden?

Kann das Erkennen der Ist-heit außerhalb oder getrennt von der Ist-heit selbst stattfinden?

Noch eine Frage: Wie weit weg von dir ist es? Ist da irgendeine Entfernung zwischen dir selbst und der Ist-heit?

Wenn da keine Entfernung zwischen dir selbst und der Ist-heit ist, dann kommen alle Antworten vom selben Ort. Die Ist-heit und du sind dasselbe.

Diese Entdeckung zu machen, ist das zu groß für dich? Fühlt es sich schwer an?

Nur die Ist-heit kann sich selbst erkennen. Deshalb sind all deine Antworten über dich selbst.

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Lass mich dich daran erinnern, was du gesagt hast: Du hast geantwortet, dass es kein Objekt ist, dass es keine Form oder Größe hat, dass es nicht fotografiert werden kann.

Es kann nicht erfasst werden. Es kann nicht krank sein. Es kann nicht verärgert oder eifersüchtig sein. Es hat keine Angst. Es ist weder männlich noch weiblich.

Es kann nicht manipuliert werden von irgendeiner Religion, Politik oder Institution. Es hat keine Anfang. Und es hat kein Ende.

Ich fragte dich, kann es verblassen? Du sagtest nein. Kann es verschwinden und woanders hingehen, wo es zuvor nicht existierte? Du sagtest nein.

Ich fragte dich, wie weit weg davon bist du? Wie groß ist die Entfernung? Einige Zentimeter oder ein Meter, zehn Meter? Wie weit weg ist es von dir? Du sagtest, da ist keine Entfernung.

Ich sagte, wenn da keine Entfernung zwischen dir und der Ist-heit ist, dann sind die Ist-heit und du dasselbe. Deshalb sind all deine Antworten über dich.

Ist das wahr?

Ungeboren. Jenseits von Form oder Name. Jenseits von Zeit. Jenseits von Krankheit. Jenseits von Angst. Unvergänglich. All das gilt für dein wahres Selbst.

Wo ist es? Du entdeckst es genau jetzt. Aber wo ist es dein ganzes Leben gewesen? Es war immer hier. Aber du warst dir dessen nicht bewusst. Doch heute, jetzt, ist es dir bewusst.

Lass mich dich fragen: Bald wird dieses Treffen zu Ende sein. Wird die Ist-heit zu Ende sein?

Wenn du diesen Ort verlässt und nach draußen gehst, mit all dem Verkehr und den Menschen, wird die Ist-heit weggehen? Kann sie verloren gehen? Kann sie schwächer werden?

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Wenn du meinen Worten gefolgt bist, entdeckst du, was der Buddha entdeckt hat, was Christus verstanden hat und wusste, was alle erwachten Wesen realisiert haben. Ist das wahr?

Kann es weggehen und dich verlassen? Bist du traurig, dass du dies jetzt entdeckst? Wie fühlst du dich innerlich? Ist es nur ein Gefühl? Nein, das ist es nicht.

Schaust du auf es mit irgendeiner Getrenntheit?

Zum ersten Mal ist das, was du sagst, vertrauenswürdig und wahr. Meine Ermutigung an dich ist: Verweile einfach mit deiner Aufmerksamkeit genau hier.

Lass mich dir eine Frage stellen: Was passiert, wenn du schlafen gehst? Denkst du, dass du vielleicht aufwachst und es weg ist?

Jetzt wo du es entdeckt hast, kannst du es verlieren? Du hast es einmal vergessen, wirst du es wieder vergessen?

Erschaffe nichts in deinem Geist. Und ich garantiere dir, dass dein Leben jeden Tag besser und besser wird. Glücklicher und glücklicher. Klarer und klarer.

Erkenne und sei die Ist-heit. Einfach das. Wirst du die Aufmerksamkeit darauf richten?

Ich bin sehr glücklich, dass ich die Möglichkeit hatte, mit dir in diesem Raum zu sitzen und zu sein, so dass du realisieren konntest, dass in dir etwas ist, dass größer ist als all die Vorstellungen, die du jemals über dich selbst hattest.

Und mein Segen an dich ist, dass dein Leben von diesem Tag an wieder zu erblühen beginnt in diesem Verstehen, dass solche Dinge wie Depression oder tiefe Traurigkeit aufhören werden.

Aber du musst dein Selbst ehren. Und die Art, das zu tun ist, sich immer wieder aktiv an die Ist-heit zu erinnern und sie zu sein. Dann wird das Gefühl von Getrenntheit allmählich verschwinden.

Du bist zu Hause.

Quelle: Video „The Invitation with Moscow“, Russia,
Übersetzung: Ingo Zacharias


 

Nimm nichts als du selbst an und du bleibst übrig

Eins seiend mit sich selbst, hat das Absolute keine Möglichkeit, sich auf eine Weise zu erfahren, die wir gewöhnlich mit Erfahrung verbinden. Wenn wir normalerweise an Erfahrungen denken, ist da das Gefühl eines Erfahrenden, die Sache, die erfahren wird, und die Erfahrung selbst. Ich sage nun (und die Meister sagen das auch), dass diese Triade von Erfahrung, Erfahrendem und erfahrener Sache ein Spiel des einen Bewusstseins ist.

Sobald jedoch das Bewusstsein oder Sein, das rein in seiner Essenz ist, im Körper wirkt, geht es durch eine ganze Reihe von Erfahrungen. Für eine Weile drückt das Sein all diese verschiedenen und veränderlichen Zustände aus und erlebt sie: Heranwachsen, Kindheit und Jugend… Es muss durch diese Phasen gehen. Jedes Rebellieren, jede Frustration, jeder emotionaler Ausdruck wird durchlaufen.


Es ist immer noch nur das Sein, das dies erlebt, aber es erlebt intensiver, wenn es mit der Identifikation „Ich bin der Körper, ich bin die Person“ bekleidet ist. Und diese Körper-Geist-Identifikation, die vom Sein aufgenommen wurde, hält das Sein im Modus „Ich bin diese Person“ gefangen. Aber was immer du auch durchmachst, der Fluss der Gedanken und Emotionen, all die Freuden und Leiden des menschlichen Lebens, sind nur Empfindungen, die im Sein geschehen.

Du bist reines Bewusstsein
Die Einladung im Satsang ist nun immer, die Aufmerksamkeit zurückzubringen und daran zu erinnern, dass du nur Bewusstsein bist. Die Individualität ist nicht wirklich für dich, sie ist nicht stabil und sie ist nicht dein ursprünglicher Zustand. Sie ist nicht konstant, sie ist das Veränderliche.

Alles, was du über dich sagen kannst, ist nicht wahr. Du wirst entschiedene Ansichten haben bei bestimmten Vorstellungen, emotionalen Dingen oder Urteilen haben, aber du bist nicht fähig, in diesem Zustand zu bleiben, weil jeder Zustand veränderlich ist. Du bleibst als reines Bewusstsein.

Wenn die Identifizierung, die das Bewusstsein mit dem Körper geformt hat, und der Glaube “ Ich bin der Körper“ präsent sind, kennt sich das Bewusstsein nicht als Bewusstsein. Es wird sich seiner selbst nur auf der Körper-Geist-Ebene bewusst und so fällt es in Verwirrung. Das Bewusstsein, das identifiziert ist, wird zum Schuldigen im Leben.

Es geschieht nur auf der Grundlage der Identifizierung, dass wir durch so viele Schwierigkeiten zu gehen scheinen, dass wir uns getrennt und ängstlich fühlen, dass wir kämpfen und im Konflikt mit anderen Menschen sind – oder wie ich sagen würde, „anderen Punkten des Bewusstseins“.

Wie du sehen kannst, ist diese Welt irgendwie in einen sehr beunruhigenden Zustand geraten. Das ist nicht mehr als verschiedene Identifikationen, die das Bewusstsein mit seinem unabhängigen und getrennten „Ich“, das verschieden von „Anderen“ ist, geschaffen hat.

Du magst vielleicht sagen, dass du völlig dieses menschliche Wesen bist. Was kann das bedeuten? Es bedeutet, dass das Bewusstsein, welches innerhalb des Rahmens von Eigenschaften der menschlichen Form wirkt, ein bestimmtes Feld der Identifikation und des Ausdrucks hat, das einzigartig in der Spezies Mensch ist. Das ist in Ordnung.

Tauche tief
Aber du bist auch als dieses Bewusstsein fähig, tief zu tauchen. Tief zu tauchen bedeutet, dich zu hinterfragen. Nicht nur zu hinterfragen, was du wahrnimmst (was deine Aufmerksamkeit eher nach außen bringt), sondern auch den Wahrnehmenden zu hinterfragen (was bedeutet, deine Frage zum Herzen hin zu bringen).

Mooji
Mooji

Tauche tief und gib nicht auf, bis du zum Grund gelangst, zum Meeresboden, dem tiefsten Ort. Wenn du diesen Meeresgrund berührst, wirst du als Meeresgrund, als Sein, verbleiben. Dieses Sein ist nichts anderes als du selbst. Dieses „Du selbst-Sein“ ist in dieser Empfindung, in diesem natürlichen, subjektiven Selbst-Gewahrsein von „Ich bin“, enthalten.

Das „Ich bin-Sein“ ist das göttliche Prinzip in dieser Form. Wenn es sich mit dem Körper und Formen verbindet, bildet es eine sekundäre Identität. Du könntest sagen, es fällt vom göttlichen in den irdischen Zustand. Es fällt vom Herzen in den Verstand.

Halte nicht zu sehr an diesen Beschreibungen fest, sie sind nur der Duft. Ergreife den Duft. Lass dich vom Duft zur Quelle führen, von der er herkommt. Die Quelle bist nur du selbst.

Normalerweise entsteht ein Drang im Körper, der wahrgenommen wird auf der Grundlage der Vorstellung, die wir von uns selbst haben, unserer Konditionierung, unserem einmaligen Wertsystem, unseren früheren Urteilen und dem, was wir gelernt haben. Was auch immer in uns entsteht, geht durch den Filter des Urteilens – „das ist gut“ oder „das ist schlecht“ – und wir bemühen uns sehr, unser Benehmen und Verhalten zu kontrollieren.

Wenn die Identifikation für uns sehr stark ist, ist das gewöhnlich in Ordnung. Dann müssen wir den Moralvorstellungen folgen, müssen einen Sinn von gut und schlecht haben, um das aufzugeben, was falsch ist, und das aufzunehmen, was richtig ist. Das ist der beste Weg, sobald die Identifikation da ist: Tue Gutes, meide Schlechtes, meditiere, ernähre dich gesund, praktiziere. All diese Dinge sind gut.

Alles, was auftaucht, ist reine Empfindung
Aber das Bewusstsein, das nach Hause gekommen ist, das zu sich selbst in die Reinheit zurückgekehrt ist, hat die Behauptungen von Getrenntheit und Persönlichkeit erforscht und hat durch die lebendige Erforschung mit Klarheit gesehen, dass dies alles Gedankengebilde, Vorstellungen und Konzepte sind, die dem reinen Bewusstsein irgendwie eingeflösst wurden.

Es wird erkannt, dass das Bewusstsein selbst absolut keine Eigenschaften hat. Diese Dinge sind nicht wirklich dir innewohnend. Sie erscheinen nur durch die Identifikation, und es ist aufgrund dieser Identifikation, dass diese Eigenschaften Wirkungen haben.

Aber wer ist der letztendlich Sehende? Etwas beobachtet all das, sieht das Gehen und Kommen all dieser Gedanken, die vorher als konkret und wirklich angesehen wurden und jetzt als ein bloßes Spiel von Stimmungen erkannt werden. Da ist ein Strom von Empfindungen, der im Bewusstsein entsteht, der nun erkannt wird als „Das bin nicht ich“.

Für dieses Bewusstsein ist es ganz anders: Es gibt keine Notwendigkeit, irgendetwas zu unterdrücken oder zu kontrollieren. Man erkennt einfach, dass alles Gebilde der Identifikation sind. Jetzt entsteht z. B. ein Drang, zu rauchen oder auszugehen, aber wenn die Identifikation nicht da ist, entsteht kein Urteil. Es wird einfach als eine Bewegung im Sein gesehen, als das Verlangen des Seins, egal ob es schön oder nicht.

Und derjenige, der es als schön oder nicht so schön bewertet, ist nicht gegenwärtig. Daher ist alles, was auftaucht, reine Empfindung, welches ihrer Bedeutung beraubt wurde, die ihr durch die Konditionierung gegeben worden wäre. Es erscheint innerhalb des Seins als reine Empfindung. Da ist nichts, dem man widerstehen oder gegen das man kämpfen müsste, weil dort kein anderer ist, gegen den man überhaupt etwas haben könnte. Alles sind Empfindungen im Bewusstsein.

Wer kann den Zustand von so jemandem beschreiben? Durch was wirst du begrenzt? Der Körper ist da; weil der Körper da ist, ist Bewusstsein da, Lebenskraft ist da, Gedanken und Empfindungen sind da. Der Ozean beinhaltet alles: Wasser, Fische, Luftblasen, Wellen, Muscheln – jede Art von Kreatur enthält Ozean. In ähnlicher Weise wohnen dem Ozean alle möglichen Ausdrucksarten, Bewegungen und Eigenschaften inne. Der Name dieses Ozeans ist „Ich bin“.

Und doch bist du jenseits der Worte „Ich bin“. Weil selbst um „Ich bin“ zu sagen, um „Ich bin“ zu hören, bist du bereits da. „Ich bin“ ist nur ein Etikett, ein Wegweiser, der darauf deutet, was du bist.

Die Frage, die zur Quelle führt
Was bist du? Alles, was du sagen kannst, das du bist, kannst du nicht sein. Wer sagt „Ich bin das“ oder „Das bin ich nicht“? Ich erwarte keine Antwort. Mit der Frage selbst verweist der Verstand wieder zur Quelle.

Die Quelle ist alles, was ist. Und all das hier ist nur dazu da, die Aufmerksamkeit wieder zur Quelle zu bringen. Die Quelle ist die Quelle von allem. Du als diese Quelle, das Ursprüngliche, beinhaltest allen Frieden, alle Freude und Stille, unerschütterlich, unendlich, ewig.

Du könntest sagen, dass all dies die Natur von dem ist, was ist. Das was ist, darauf kann nicht gedeutet werden, es kann nicht begriffen werden durch irgendeinen Begriff, irgendein Wort. Es steht allein für sich selbst. Ich bin das.

Ich bin das Unbeschreibbare, Unberührbare, Unbekannte, jenseits der Erfahrung des Verstandes. Enthoben jeder Definition, jedes Titels, jeder Assoziation und jeglicher Eigenschaft. Enthoben von allem, was auf der Ebene der Phänomene wahrnehmbar ist, enthoben den fünf Elementen und ihrem Spiel.

Ich bin. Nicht „Ich werde sein“. Weil ich nicht von mir als „Ich war“‘ oder „Ich werde sein“ sprechen kann. „Ich bin“ ist die wahrhafteste Aussage. Es ist der Dampf, der aus diesem unendlichen Sein aufsteigt. Verweile hier.

Für jene, die hierher gekommen sind: was auch immer für dich auftaucht, die Einladung ist, den Grund zu berühren, sich aufzulösen und der Grund selbst zu sein. Danach tue was du willst. Das ist nicht meine Angelegenheit.

Es ist nicht mein Interesse, weil Aktivitäten kein Gegensatz zur Wahrheit sind. Aber Aktivitäten, die durch das Gefühl der Getrenntheit oder Identifikation erzeugt oder in Anspruch genommen werden, müssen Schwierigkeiten verursachen, weil die Vorstellung, dass man selbst ein bestimmter „So-und-so“ ist (und der Glaube an diese Überzeugung besteht), eine völlige Täuschung ist, völlig illusorisch, einfach nicht wahr ist.

Erkenne dich als dieses Sein
Zuerst muss diese Identifikation in diesem Sehen getauft werden – dieses Sehen, das Sein ist. Du musst dich selbst als dieses Sein kennen. Nicht auf eine intellektuelle Art und Weise, sondern durch ein Auflösen der Identität.

Wie kann diese Identität aufgelöst werden? Durch das Erkennen, dass jegliche Vorstellung, die ich über mich und die Wahrheit habe, einfach rein gedanklich ist und nicht wahr. Ich lege sie ab und ich lehne sie ab. Was immer an Gedanken auftaucht und an Versuchung da ist, darin ein Gefühl von mir selbst festzumachen: ich weiß „Nein, dass kann ich nicht sein“.

Wie findet man das? Berühre keinen Gedanken. Berühre keinen einzigen Gedanken. Wenn einer aufsteigt, halte den Verstand neutral. Verbleibe als Leere.

In dieser Leere kann alles gereinigt werden. Alle Empfindungen treiben nach oben und durch die Leere, all diese Blasen kommen an die Oberfläche in ihr, und das muss auch so sein. Berühre sie nicht.

Es gab eine Zeit, als du dazu nicht in der Lage warst. Und dann wirst du sehen, dass „Ich bin nicht in der Lage, das zu tun“, auch nur ein Gedanke ist. Ich tue nichts. Ich verweile nur als das. Dies ist Stille. Dies ist wahrhaft Stille, mühelose Stille.

Aber am Anfang wirst du die Wahrheit verpassen, weil es die Neigung gibt, dich mit dem Verstand und dem Gefühl „Ich bin der Handelnde“, zu identifizieren, und als Handelnder etwas damit zu machen. „Was muss ich machen?“ Hier sage ich „Tue nichts. Verweile nur als das.“. Bleibe leer und beobachte.

Welcher Gedanke oder welche Empfindung auch immer aufkommt, du wirst nicht ein Verkehrspolizist für sie sein. „Das ‚Ich‘ selbst, das versuchen würde, zu unterdrücken und zu forcieren, ist nur die Art, wie ich gelernt habe zu sein, und an was ich mich gewöhnt habe zu glauben als mein Selbst. Und jetzt kann ich klar sehen, dass das nur ein Gedanke ist, der in mir entsteht. Jetzt berühre ich ihn nicht.“

Was bleibt?
Was bleibt übrig? Was bleibt? Dass ich bin. „Ich“ als irgendeine Information und „du“ als irgendeine Information ist überhaupt nichts. Sie ist nicht wahr.

Was ist wahr? Was bleibt, wenn es kein „Ich bin…, du bist…“ gibt? Nimm nichts als du selbst an und du bleibst übrig. Das ist so, ob du es erkennst oder nicht. Erkenne es und lebe in der Fülle der Leere.

Bis jetzt hattest du den Eindruck, dass die Gedanken, die du hattest, sich um dich drehten. Du hast den Preis gesehen, solchen Gedanken nachzuhängen. Sie haben dir nicht als Elend gebracht. Sie waren voller Versprechungen für ein besseres Leben, von mehr Genuss und Erfolg in dieser Welt. Einige wenige Glückliche haben dies durchschaut und gesehen, dass es nicht so ist.

Diese Versprechungen waren wie Versprechungen von Politikern – sehr süß, aber sie werden nicht erfüllt. Sie bringen nicht, was sie versprechen. Du hast dies durchschaut und die Auswirkungen der Last unerfüllter Versprechungen und Wünsche erlebt. So haben dich gerade deine Enttäuschungen zum Satsang gebracht, haben dich hierher gebracht.

Ich bin Satsang. Das ist keine persönliche Aussage. Das Spiel von Satsang entsteht in mir und du bist zum Satsang gekommen. Dieser Satsang ist kein Ort. Es gibt keine Landkarte, um hierher zu kommen. Dieser Satsang findet nicht im Fairview-Haus Nr. 12 statt. Dieser Satsang findet in dir statt.

Dieses „Ich bin“ ist dein eigenes Selbst. Das Bewusstsein hat dir diese wunderbare Möglichkeit gegeben: Komm zurück zu mir. Dieses „mir“ ist dein eigenes Selbst.

Leiste keinem Gedanken Gesellschaft. Wirf alles fort. Wirf sogar dein eigenes Selbst fort, die Gedanken, die du über dich selbst hast, und verbleibe nur als das, was übrig bleibt.

Quelle: Mooji „Dive deep“,


 

 

Du hast so viel erlebt und nichts davon hat eine Spur in dir hinterlassen

„Was auch immer für Bilder erscheinen mögen, es sind nur Bilder auf der Leinwand des Bewusstseins. Sie werden dich nicht berühren. Sei wie die Leinwand, auf die Bilder projiziert werden. Wenn auf der Leinwand ein großes Feuer ist, wird die Leinwand dadurch nicht verbrannt. Wenn auf der Leinwand ein Wasserfall ist, wird sie dadurch nicht nass.“ – Mooji

Schmerzen im Rücken. Diese Körperempfindung hast DU erlebt.
Freude über die Bewältigung einer schwierigen Aufgabe. Dieses Gefühl hast DU erlebt.
„Ich habe jetzt keine Lust. Ich bin kaputt.“ Diesen Gedanken hast DU erlebt.
LKW-Geräusche auf der Autobahn. Diese Sinneswahrnehmung hast DU erlebt.


Erinnerungen an deine Jugendzeit. Diese inneren Bilder hast DU erlebt.
„Wie kann der sich jetzt so verhalten?“ Diesen Gedanken hast DU erlebt.
Trauer über den Tod eines geliebten Menschen. Dieses Gefühl hast DU erlebt.

Die Schilderung der privaten Probleme einer Freundin. Diese Gedankengeschichte hast DU erlebt.
Joggen gehen. Dieses Körperempfindungen hast DU erlebt.
Die Schilderung deines letzten Urlaubs. Diese Gedankengeschichte hast DU erlebt.
Herbstlaub im Wald. Diese Sinneswahrnehmung hast DU erlebt.

Schau auf dein Leben. Mach dir bewusst, wie unendlich viel du schon erlebt hast – wieviele Sinneswahrnehmungen, wieviele Körperempfindungen, wieviele Gefühle und wieviele Gedanken. Sie alle blieben für eine kurze Zeit und verließen dich dann wieder. Manche tauchten öfter auf, aber auch sie wurden immer wieder abgelöst von einem neuen Erleben.

Hat dann irgendetwas von dem, was du erlebt hast, Spuren hinterlassen? Ist irgendetwas davon hängengeblieben? In dir, dem Erlebenden?

Hat irgendetwas von dem, was du erlebt hast, Wunden, Enttäuschung, Stolz oder Zufriedenheit hinterlassen? In dir, dem Erlebenden jedes Augenblicks?


Bleiben Spuren im Sand zurück?

Gibt es in diesem erlebenden Ich so etwas wie einen Lagerraum für persönliche Erfahrungen?

Wahrscheinlich tauchen jetzt Gedanken auf, die sagen: „Ja, natürlich habe ich vieles erlebt, das Spuren in mir hinterlassen hat – positive wie negative.“ Oder: „Gerade durch eine Psychotherapie ist mir klar geworden, dass mich bestimmte Erfahrungen sehr geprägt haben und diese noch heute immer wieder meine Wahrnehmung und mein Verhalten steuern.“

Ja, aus der gewöhnlichen Sicht, bei der wir uns als eine Person mit einer persönlichen Lebensgeschichte betrachten, stimmen diese Aussagen. Hier gibt es die Fähigkeit, sich zu erinnern, und es gibt bestimmte Denkmuster, Gefühle, Körperempfindungen und Verhaltensweisen, die immer wieder auftauchen.

Das erlebende Ich ist nicht die Stimme im Kopf
Aber das erlebende Ich, von dem ich hier spreche, hat nichts mit dem zu tun, was wir im Alltag unter Erleben verstehen. Ohne uns dessen bewusst zu sein, verwechseln wir das erlebende Ich mit dem benennenden, bewertenden und erzählenden Ich – mit dem, was ich das “Gedanken-Ich” nenne.

Dieses Stimme im Kopf ist aber nicht die erlebende Instanz. Sie selbst kann nichts erleben! Die Stimme im Kopf kann das Erleben in Worte und Begriffe fassen, sie kann eine Distanz zwischen sich und dem Erlebten herstellen („Ich bin hier und es ist dort“) und sie kann eine Bewertung abgeben (“Das empfinde ich als angenehm, positiv, schön” oder “Das ist für mich unangenehm, negativ, hässlich”).

Das Erleben selbst ist immer vor dieser inneren Stimme da. Es muss sogar davor da sein, denn es ist die Voraussetzung dafür, dass die Stimme im Kopf “ihren Senf dazugeben” kann.

Diese Stimme im Kopf ist der Ort, wo unsere stärkste Ich-Identität liegt. Sie ist zudem fast ständig aktiv im Wachzustand. Deshalb fällt uns die Ebene des ständigen Erlebens von allem ohne die Stimme im Kopf so gut wie nie auf!

Aber die erlebende Instanz nimmt alles ganz regungslos und neutral wahr. Sie nimmt die äußere Welt und die Empfindungen im Körper ganz natürlich, anstrengungslos und unvoreingenommen wahr.

Und sie nimmt sogar die Stimme im Kopf wahr! Ebenfalls ohne jede Anstrengung und ohne jede Beurteilung. Das erlebende Ich ist also nicht nur vor der inneren Stimme da, sondern auch parallel dazu.

Das Erleben ist wie ein weiter Raum, in dem alles auftauchen kann. Aber der Raum selbst verändert sich dadurch kein bisschen. Und wenn das Erlebte wieder verschwunden ist, bleiben keinerlei Spuren davon zurück.

Der Raum selbst bleibt völlig unbehelligt, völlig unberührt. Und er bleibt ganz offen für das, was als Nächstes erscheinen mag.

Mach dir das erlebende Ich bewusst
Schau genau hin und mach dir im gegenwärtigen Erleben immer wieder bewusst:

Da ist die Sinneswahrnehmung – “Und Ich erlebe sie”.
Da ist das Körpergefühl – “Und Ich erlebe es”.
Da ist der Gedanke – “Und Ich erlebe ihn”.

Sage dir immer wieder: “Und Ich bin hier – Ich erlebe das”.

“Ich erlebe die Sinneswahrnehmung, das Körpergefühl, den Gedanken. Sie alle kommen und gehen, aber Ich bleibe. Nicht davon hinterlässt eine Spur in Mir, dem erlebenden Ich. Ich bleibe immer stiller, immer freier Raum.”

Spüre hin am Ende des Tages: Was hältst du wirklich in den Händen? Was hast du heute dazugewonnen oder verloren? Was hat sich geändert aus dem Blickwinkel des erlebenden Ichs?

Gedanken tauchen auf, die eine Geschichte über den Tag und über das Erlebte erzählen wollen. Aber die Fragen richten sich nicht an das darüber erzählende Gedanken-Ich, sondern an dich, das unmittelbar erlebende Ich (das auch noch das Gedanken-Ich erlebt). Was hat sich für dich verändert?

„Nichts kann an mich andocken – an Mich, das erlebende Ich. Nichts kann sich in mir festsetzen – in Mir, dem erlebenden Ich.“

Nur dieses Ich unterliegt nicht der Veränderung, ist konstant gegenwärtig. Nur das kann Ich SEIN! Denn wäre Ich eines oder mehrere der Dinge, die als Körperempfindungen oder Gedanken erlebt werden, würde Ich kommen und gehen wie sie. Aber das sichere Empfinden ist: „Ich bleibe. Ich bin weiter hier.“.

Das erlebende Ich hat keine Stimme und keine Form. Es ist immer präsent und entzieht sich doch jeder Wahrnehmung. Es kann in keinster Weise erlebt werden, denn es ist das, was alles erlebt.

„Alles fließt, in Mir, durch Mich. Ich bleibe immer leer. Immer unberührt und unbewegt.“


 

Das erlebende Ich ist die Freiheit, nach der das Gedanken-Ich so angestrengt sucht

„Raum kann ohne Wind sein. Aber der Wind kann nicht ohne Raum sein. Dein wahres Selbst ist wie der Raum. Es ist unendlich. Du kannst ohne den psychologischen Geist sein. Aber er kann nicht ohne dich sein. Du musst beurteilen, wer der Größere ist. Und als der Größere dableiben.“ – Mooji

Unser Leben unterliegt einer zentralen und leidvollen Täuschung. Wir glauben, dass das erlebende Ich identisch mit dem Gedanken-Ich ist. Ganz selbstverständlich sagen wir: „ICH höre das Rauschen der Blätter im Wind“, „ICH sehe die Wolken“, „ICH esse den Kuchen“, „ICH spüre, wie verspannt ich bin“, „ICH fühle mich gerade verletzt“ oder „ICH denke darüber nach, wohin ich im Sommer am liebsten in Urlaub fahren möchte“.

Aber all diese Aussagen sind zunächst einmal nur Gedanken! Gedanken, die das Wort „Ich“ enthalten. Dabei ist die Stimme im Kopf, die „Ich“ sagt, sicher nicht das, was das Hören, Sehen, Fühlen oder Denken macht und die gehörten, gesehen, gefühlten oder gedachten Objekte erlebt. Auf was verweist dann das Wort „Ich“? Wo ist dieses Erlebenszentrum zu finden?


Für uns sind die Sätze Ausdruck einer grundlegenden Realität: „Hier ist ein gleichbleibendes Ich als Erlebender (oder Handelnder), das sich durch die Zeit bewegt und wechselnde Dinge im Außen oder Innen erlebt (oder tut).“ Diese Überzeugung wirkt vor allem deshalb so täuschend echt, weil das Gedanken-Ich fast ständig aktiv ist. Entweder es denkt über sich und die Welt nach oder es kommentiert das, was gerade wahrgenommen wurde. Dabei wird das Erlebte in Begriffe gefasst und eine subjektive Geschichte über das Erlebte erzählt, die fast immer eine Bewertung enthält, ob es gut/schön/angenehm war oder das Gegenteil davon.

Dadurch entsteht der Eindruck, dass „Ich“ eine reale Entität bin. Es wirkt so, als gäbe es hier einen festen, dauerhaften und greifbaren Bezugspunkt, auf den alles, was erlebt wird, einwirkt oder von dem alle Handlungen ausgehen. So nehmen wir alles – im wahrsten Sinne des Wortes – persönlich und leiden dann entweder an dem Erlebten oder fühlen uns durch das Erlebte glücklich und zufrieden.

Das erlebende Ich ist nicht das Gedanken-Ich
Zwei Betrachtungen machen jedoch deutlich, dass dieser Eindruck falsch ist. Zum einen braucht es, um etwas zu benennen oder zu bewerten, zunächst einen bewertungsfreien Moment des Erlebens, also ein reines Erleben. Dieses reine Bewusstsein oder Gewahrsein ist völlig frei von der Stimme im Kopf. Hören, sehen, schmecken, fühlen, ja selbst denken finden einfach statt – ohne einen mentalen Zusatz „Ich (tue/erlebe das)“. Erst danach taucht diese Stimme auf, stellt durch Kommentieren und Einordnen eine Beziehung her zu dem Erlebten und behauptet dann auch noch, sie sei von Anfang als erlebende Instanz da gewesen.

Zum anderen wird selbst das Gedanken-Ich vom erlebenden Ich wahrgenommen. Da ist also ein „Ich“, das die Stimme im Kopf „hört“. Ohne dass du so recht darauf achtest, bekommst du mit, was du sagst oder denkst. Du bist dir ohne jede Anstrengung deiner Gedanken oder Worte bewusst. Und zwar immer! Wie könntest du sonst jemals etwas über frühere Gedanken erzählen, wenn du sie nicht vorher mitgekriegt hättest?

Es gibt also ein erlebendes Ich, das größer und umfassender als das Gedanken-Ich ist, das unabhängig vom Gedanken-Ich da ist, und das sogar da ist, während das Gedanken-Ich aktiv ist. Das erlebende Ich kann folglich nicht identisch mit dem Gedanken-Ich sein!

Ein Wechsel der Identität
Wer oder was ist das erlebende Ich dann? Schließlich ist da ja ohne Frage ein Erleben. Alles, was erlebt wird, kann in Frage gestellt werden, aber dass es ein Erleben gibt, kann nicht bezweifelt werden. Selbst der Satz „Ich bin mir nicht sicher, ob es wirklich ein Erleben gibt“ wird einfach erlebt.

Die Frage nach dem erlebenden Ich ist keine philosophische Spielerei, sondern von existenzieller Bedeutung. Warum? Weil die vertraute Stimme im Kopf, die im Wachzustand fast ständig aktiv ist, mir scheinbar sagt, wer ich bin: „Ich bin dieser Körper und dieser Geist, heiße Maria/Felix/Lena und habe diese Lebensgeschichte“. Sie sagt mir, was ich brauche, um glücklich und zufrieden zu sein. Und sie sagt mir, wie die Welt außerhalb von mir ist und wie ich den Kontakt mit dieser Welt erlebe (angenehm, neutral, unangenehm). Kurzum, das Gedanken-Ich bildet den Ausganspunkt und das Zentrum für mein Identitätsgefühl. Und wenn es da nun ein Ich gibt, das jenseits des Gedanken-Ichs existiert, stellt dies unser gesamtes Identitätsgefühl in Frage!

Das ist auch der Grund, warum es für die meisten Menschen auf dem spirituellen Weg – trotz echter Erfahrungen von Achtsamkeit, Stille und einfachem Sein – so schwer ist, dauerhafte Freiheit zu finden. Es reicht der eine Gedanke „ICH habe diese Erlebnissse gehabt“, und schon sind wir wieder dem Gedanken-Ich auf den Leim gegangen und haben „vergessen“, dass während dieser Erfahrungen das entscheidende Merkmal nicht ein besonderes Erleben war (das jetzt wieder weg ist), sondern die Abwesenheit der gewohnten Ich-Identität.

Deshalb kommen spirituell Suchende früher oder später an den Punkt, an dem sie entscheiden müssen, ob sie weiter nach flüchtigen Erleuchtungserfahrungen suchen oder sich der Frage „Wer bin Ich wirklich?“ stellen wollen. Wenn sie diese Selbst-Erforschung machen, werden sie entdecken, dass nur das erlebende Ich wirklich den Namen „Ich“ verdient. Nur das erlebende Ich ist gleichbleibend – im Gegensatz zum Gedanken-Ich, das nicht nur in sich sehr wechselhaft ist, sondern vor allem nicht immer da ist. Und wenn es da ist, findet es sogar im erlebenden Ich statt.

Eigenschaften des erlebenden Ichs
Wie kann das erlebende Ich genauer umschrieben werden? Welche Eigenschaften zeichnen es aus? Hier einige Annäherungen:

Es ist nicht sichtbar, hat keine Form. Es ist kein Objekt des Erlebens, sondern das Subjekt, hinter das nichts und niemand zurück kann. Es ist der Urgrund des Seins.

Es ist leerer, grenzenloser Raum – aber in diesem Raum kann alles erscheinen: von Gedanken, inneren Bildern und Gefühlen über Körperempfindungen bis hin zu Sinneswahrnehmungen von der Welt. Dieses leere, offene Gefäß zu sein ist Freiheit.

Es kann niemals in Konflikt sein mit etwas oder jemand, weil nichts außerhalb von ihm geschieht. Es kennt kein Getrenntsein von dem, was im Augenblick da ist. Dieser Zustand ist wahre Liebe.

Es ist Stille. Es kennt keine Worte, Geschichten, Bewertungen oder begriffliche Einordnungen – aber Worte, Geschichten und Bewertungen können in ihm erscheinen. Diese Stille ist unerschütterlicher Frieden.

Es ist immer ganz, immer unversehrt – auch wenn das Gedanken-Ich das Gegenteil über „sich selbst“ behauptet.

Es bewegt sich nicht durch die Zeit. Es kennt keine Entwicklung, kein Gewinnen oder Verlieren, kein Entstehen oder Vergehen.

Es kann nichts persönlich nehmen. Es kennt keine Gefühle von Verletztsein, Angst, Resignation oder „Das brauche ich“ – aber diese Gefühle können in ihm auftauchen.

Es ist immer hier. Es ist anstrengungslos präsent und immer angekommen.

Mache deine Selbst-Erfahrung
Denke nicht groß über das Gelesene nach, sondern überprüfe es anhand deiner eigenen Erfahrungen. Schau hin. Direkt, im Moment des Erlebens. Nur diese Art von Selbst-Erkenntnis trägt wirklich. Alles andere sind nur flüchtige Überzeugungen.

Nimm zunächst den Unterschied zwischen dem erlebenden Ich und dem Gedanken-Ich wahr, z. B. beim Erleben der Natur. Nimm dann wahr, dass sich die Objekte des Erlebens ständig verändern – auch die „Ich“-Gedanken und die damit verbundenen Gefühle. Frage dich: „All das wird erlebt, aber was genau ist das erlebende Ich? Kommt und geht es wie die Objekte des Erlebens? Welche Eigenschaften hat es? Ist das, was ICH in meiner Essenz BIN?“

Flüstere immer wieder sanft in das erlebte Gedanken-Ich hinein: „Ich bin hier. Ich bin immer noch hier.“ Spüre, was du jenseits der Gedanken über dich bist. Werde dir des einzigen Ich-Zustands bewusst, den du nie verlassen hast und den du nie verlassen kannst.

Und erkenne, dass die Freiheit, nach der das Gedanken-Ich so angestrengt sucht, in dir, im erlebenden Ich, immer hier und jetzt präsent ist.
 


"GOTT kann niemals nahe sein.
GOTT kann niemals nahe sein, weil das heißen würde, dass es irgendeinen Ort gäbe, an dem GOTT nicht ist.
GOTT ist aber unendlich.
Wir können nicht außerhalb des Unendlichen existieren.
Deshalb ist GOTT unsere Wirklichkeit."
 - Mooji