„Bevor Du daran denkst, die Welt zu kontrollieren, kontrolliere Deinen Atem. Zwinge ihn in ein einfaches Maß. Denn der Ursprung des Lebens gleicht einem Kristall, den der große Geist in die Wasser der Zeit geworfen hat. Die Wellen der Zeit spiegeln sich in Deinem Atem.“

Wir haben schon lange verlernt, normal zu atmen. Kleine Kinder können es natürlich noch. Wenn sie ruhig und ausgeglichen sind, dann atmen sie tief und gleichmäßig in den Bauch hinein. Sie haben im Zustand der Ruhe fast keine Brustatmung. Unser Bauch dehnt sich ganz leicht aus und ebenso leicht zieht er sich wieder zusammen. Die Brust dehnt sich nicht von allein aus. Darin ist der Brustkorb enthalten. Wenn ich die Brust erweitern will, muss ich die Rippen mit der Zwischenrippenmuskulatur ausweiten und künstlich dehnen. Brustatmung bedeutet Arbeit. Sie ist wesentlich anstrengender als Bauchatmung.
Wenn ein Baby zu schreien beginnt, schaltet es auf Brustatmung um. Der Bauch wird hart. Er verkrampft sich. Die Luft wird herausgepresst, damit das Geschrei möglichst laut und qualvoll wirkt. Es ist ein untrügliches Zeichen, dass dem Kind etwas fehlt, Essen, Liebe oder eine trockene Windel. Während die Bauchatmung der Normalzustand ist, handelt es sich bei der Brustkorbatmung um eine gezielte Aktion, um Missstände anzuzeigen. Es ist schon bestürzend, dass heute fast alle Erwachsenen nur noch die Brustatmung praktizieren und das normal finden!
Als ich vor rund 20 Jahren mit Yoga begann und auf diese Dinge aufmerksam wurde, verfügten die meisten Frauen in meiner Bekanntschaft noch über die Bauchatmung, die meisten Männer nur über die Brustatmung. In den letzten Jahren ist mir in meinen Beratungen und Seminaren aufgefallen, dass inzwischen auch die meisten Frauen Brustatmung anwenden und praktisch alle Männer.
Das bedeutet im Klartext, dass der Grad der Verkrampfung inzwischen die ganze Gesellschaft erfasst hat und wesentlich schlimmer ist als noch vor 20 Jahren. Wenn Sie lernen wollen, frei und entspannt zu atmen, dann ist es erforderlich, dass Sie sich die Bauchatmung wieder angewöhnen! Achten Sie darauf, dass Sie stets ruhig und gleichmäßig in den Bauch hinein atmen und die Brust so wenig wie möglich heben und senken.
Die Durchführung der Atemübung:
Setzen Sie sich bitte ganz bequem auf einen Stuhl. Achten Sie darauf, dass Sie gerade sitzen. Die Wirbelsäule sollte gerade sein, bis zum Kopf. Sie dürfen sich anlehnen, es ist aber besser, wenn Sie frei und gerade sitzen. Legen Sie Ihre Hände locker auf die Oberschenkel. Die Schultern hängen locker. Der Kopf ist gerade. Schauen Sie jetzt bitte auf einen beliebigen Punkt in ihrem Blickfeld. Der Punkt sollte am besten schräg vor Ihnen und tief liegen, so dass Sie die Augenlider senken können. Fixieren Sie diesen einen Punkt.
Beobachten Sie Ihren Atem. Der Atem fließt ruhig und gleichmäßig. Die Augen sind halb geschlossen. Tief, ruhig und gleichmäßig atmen. Achten Sie jetzt ganz bewusst auf Ihren Atem. Je nachdem wie leicht es ihnen fallt, regulieren Sie nun bitte Ihren Atem auf etwa 8 Atemzüge pro Minute. Beginnen Sie damit, dass Sie ganz ruhig ausatmen, dann langsam einatmen und dabei bis 10 zählen. Kurz den Atem anhalten, dann ausatmen und dabei wieder bis 10 zählen. Es ist jetzt noch nicht so wichtig, wie schnell diese 10 Takte sind.
Sobald Sie einige Erfahrungen gesammelt haben, regulieren Sie Ihre Atmung immer besser, bis Sie schließlich 3 Minuten oder länger mit genau 3-4 Takten pro Minute atmen. Das bedeutet, dass Sie pro Atemzug ca. 20 Sekunden brauchen. Das ist der „kritische Bereich“ in dem unsere Hypophyse anspringt und verstärkt zu arbeiten beginnt. Die Antistresshormone werden freigesetzt und der Körper fangt an, sich zu regenerieren.
Es ist für mich schon erschreckend, dass mir viele Menschen in der Beratung begegnen, die pro Atemzug nur 3-5 Sekunden brauchen. Wenn ich diese Zahlen stoppe, dann habe ich manchmal Angst, sie würden den nächsten Tag nicht mehr erleben. Vor allem dicke Menschen mit hohem Blutdruck atmen derartig schnell und stressig. Sie denken dann manchmal, dass sie es nie schaffen werden, die Atemübungen erfolgreich zu lernen. Wer aber ein bisschen Disziplin aufbringt und eine Woche daran bleibt mit täglich 3×3 Minuten, wird ein kleines Wunder erleben!
Allein mit dieser Methode können wir Stress abbauen, die innere Unruhe beseitigen, Angst überwinden, Krankheiten schneller heilen, Selbstsicherheit erlangen, hohen Blutdruck abbauen und weniger Essen, was ja häufig aus Frustration geschieht. Es ist so einfach, dass man eigentlich nur fassungslos den Kopf schütteln kann, warum diese Kenntnisse nicht weiter verbreitet sind.
Die Antwort auf diese Kuriosität ist leicht gegeben. Die meisten Menschen wollen so bleiben wie sie sind. Sie haben gute Gründe, warum sie im Stress stecken oder sich mit Angst peinigen. Erst wenn ein Mensch bereit ist, seine Fehler und Krankheiten über Bord zu werfen, findet er die geeignete Methode, die ihn wieder in Harmonie mit der Umwelt bringt. Wenn Sie diesen Zeitpunkt erreicht haben, beginnt ein neuer, faszinierender Lebensabschnitt! Sie lernen nun, die eigenen Gefühle zu verstehen und Ihre eigenen Probleme aus eigener Kraft zu regeln. Das Geheimnis liegt in der inneren Selbstbetrachtung. Der kürzeste Weg zur inneren Versenkung ist diese Atemübung.
Sie brauchen in diesem Zustand nichts Spezielles denken. Achten Sie einfach nur auf Ihren Atem! Üben Sie so oft wie möglich, mindestens einmal, besser jedoch dreimal oder mehrmals täglich. Jeder kann diese Übung machen. Der Kranke kann sie im Bett liegend durchfuhren. Er braucht ja die Erholung, die Wiederherstellung. Ein alter Mensch muss nicht gerade sitzen. Die gerade, aufrechte Sitzhaltung dient dazu, dass die Energie in unserem Körper frei fließt und unser Geist geschärft wird.
Die Regeneration funktioniert ebenso im Liegen. Nachts im Tiefschlafliegen wir doch auch. Ich habe es oft erlebt, dass Menschen über dieser Übung erschöpft eingeschlafen sind. Wenn ich bemerke, wie erschöpft sie von ihrem Leben und ihren Problemen sind, fordere ich sie auf, es sich bequem zu machen. Seit einiger Zeit habe ich einen Schaukelstuhl für diesen Zweck. Manche Menschen schlafen dann eine halbe Stunde und erholen sich erst einmal von ihrem alltäglichen Stress.
In der ersten Zeit kann es immer wieder geschehen, dass Sie über dieser Übung einschlafen. Es ist ein Zeichen dafür, wie nötig Sie die Erholung brauchen. Sobald die Erschöpfung überwunden ist, bleiben Sie wach und die Atemberuhigung wirkt sich auf ihren Alltag aus. Sie werden ruhiger, bewusster und zielstrebiger. Ihre Atemfrequenz wird auch im Alltag ausgeglichener. Man gewöhnt sich daran, so wie man sich früher den Stress angewöhnt hat.
Meine Atemfrequenz liegt heute dauerhaft bei 4-6 Atemzügen pro Minute. Wenn ich im Stress bin, sind es einmal 8 Atemzüge pro Minute, aber nicht für lange. Unsere Zivilisation hat uns weit von der Natur entfernt. Wenn wir ein bisschen guten Willen zeigen, dann erkennen wir, dass das wirklich nur schlechte Angewohnheiten sind. Wir können uns diesen Unfug wieder abgewöhnen. Dauerstress macht uns krank. Unser Körper nimmt die kleinen Atempausen gerne an. Er dankt es uns mit besserer (Gesundheit. Unsere Gefühle werden intensiver. Unsere Aufmerksamkeit steigt. Unsere Konzentration optimiert sich. Und auch die Liebe macht uns mehr Freude.
Gestresste Kulturmenschen tauschen mit einem Atemzug in der Regel nur ca. 600 ml aus. Die menschliche Lunge hat jedoch je nach Körpergröße eine Kapazität von 2500 ml bis maximal 5000 ml. Das durchschnittliche Volumen liegt bei drei Litern. Bei einem Austausch von nur 600 ml, also gerade einmal ein halber Liter, wird vor allem die Luft in der oberen Lunge ausgetauscht, im Bereich der Bronchien. Dort sind aber keine Lungenbläschen.
Die Verwertung der geringen Luftmenge ist also obendrein noch sehr mangelhaft. Die restliche Lunge ist die meiste Zeit angefüllt mit abgestandener, verbrauchter Luft. Bei schwachen und kranken Menschen sammelt sich in den Lungenspitzen bereits Wasser. Durch den bewussten, aktiven und tiefen Atem können wir lernen, das Austauschvolumen auf eineinhalb Liter auszudehnen. Durch die intensive Atmung wird die Ausnutzung zudem wesentlich verbessert.

Dr. Motoyama, ein japanischer Wissenschaftler, der sich viel mit diesen Dingen befasst hat, entdeckte u.a., dass die Übung „Punktsehen“ innerhalb weniger Sekunden eine echte Ruhigstellung des Körpers bewirkt. Bereits nach 10 Sekunden beginnt der Blutzuckerspiegel etwas zu sinken und signalisiert somit eine echte Ruhephase. Unsere innere Energiezufuhr wird gedrosselt. Ich sehe dabei folgenden Zusammenhang: Das Gehirn macht nur etwa 2% von unserem Körpergewicht aus, aber es verbraucht 70 % von unserem Blutzucker.
Außerdem verbraucht das Gehirn 80% vom Sauerstoff, den wir einatmen. Unser Gehirn ist eine außerordentliche Hochleistungsmaschine. Aus diesem Grund nimmt unser Gehirn innerhalb von wenigen Minuten ernsthaften Schaden, wenn die Energiezufuhr oder die Atmung ausfällt. Bereits nach ca. 3 Minuten treten die ersten irreparablen Schäden im Gehirn auf, wenn ein Mensch nicht mehr atmet. Der ganze Körper dient letztlich nur zwei Zwecken: Der geistigen Arbeit, die im Kopfzentrum lokalisiert ist und der Vermehrung, die im Sexualtrieb ihren Sitz hat. Der Sexualtrieb wiederum wird von den Himanhangsdrüsen und somit vom Geist gesteuert.
Unser Gehirn wird niemals von allein ruhig. Es arbeitet Tag und Nacht in einem durch, nur mit verschiedenen Schwerpunkten seiner Arbeit. Tagsüber werden die Sinneseindrücke verarbeitet und die Arbeit koordiniert, die wir leisten wollen. Nachts werden die Nachwirkungen der seelischen Belastungen „verdaut“, Pläne geschmiedet für die Zukunft und der Körper wird regeneriert für den nächsten Tag.
Das Gehirn arbeitet so lange, wie es „Input“ erhält. Unsere Augen nehmen etwas auf, alle Sinne funken ständig kleine und große Datenmengen zum Gehirn. Wir müssen ständig auf dem laufenden sein. Das gilt erst recht in unserer neurotischen Zeit mit einer totalen Reizüberflutung. Durch die Konzentrationsübung „Punktsehen“ bekommt unser Gehirn weniger Daten, weil wir uns nur noch auf einen, eigentlich bedeutungslosen Punkt fixieren. Sofort wird die Arbeit etwas reduziert. Wir kommen zur Ruhe!
Diese Übung stammt von den alten Yogis aus Indien, die sich in Jahrtausenden der praktischen Erfahrung mit ihren eigenen Sinnen und dem Leistungsvermögen des eigenen Körpers auseinandergesetzt haben. Sie wussten nichts von unserer Medizin. Sie haben einfach nur gut beobachtet. Sie folgten bei ihren z.T. außergewöhnlichen Experimenten der eigenen Intuition. Wenn wir manchmal „einfach so ins Leere starren“ tun wir das Gleiche. Es ist eine Möglichkeit der Ruhigstellung, die viele Menschen instinktiv nutzen. Es ist jedoch wesentlich besser, wenn wir die Zusammenhänge begreifen und derartige Übungen ganz bewusst einsetzen, um unser Leben erfolgreicher zu gestalten.
3x täglich Punktsehen und 3 Minuten tiefer, ruhiger Atem für ein gesundes Leben!
Übersicht: Die Vorteile von tiefem, ruhigem Atem
- Entspannung, Beruhigung, Stressabbau
- Die Entspannung hat vitalen Charakter, denn unsere geistige Aktivität wird gleichzeitig angeregt, wir kommen auf neue Ideen.
- Durch intensive Füllung und Entleerung der Lungen steigt die Ladung in unserem elektromagnetischen Feld. Das macht uns ä gegen Infektionen.
- Der Fluss der Spinal Flüssigkeit in der Wirbelsäule wird verstärkt und verbessert so unsere Nervenleistungen.
- Der pH-Wert im Körper wird optimal justiert.
- Die Ausscheidung von Toxinen, von Schadstoffen wird verbessert, und die Lungenbläschen reinigen sich.
- Es werden mehr Endorphine im Gehirn freigesetzt.
- Das schützt uns vor Depressionen.
- Durch die erhöhte Sauerstoffzufuhr wird das Blut gereinigt und aktiver.
- Wir fühlen uns kräftiger, energiegeladener, bleiben jedoch ruhig und behalten einen klaren Kopf.
- Tiefer Atem kann uns helfen, Energieblockaden in unseren Akupunktur-Meridianen zu beseitigen.
- Die Funktion des Nervensystems wird verbessert durch Spannungsabbau.
- Schlechte Angewohnheiten werden durchbrochen und überwunden.
- Wir können alte, vergessene Erinnerungen bewusst machen, z.B. für eine Rückführung, um unbewusste Probleme zu analysieren und zu überwinden.
- Wir überwinden negative Gefühle und Schmerzen.
- Heilungsprozesse werden beschleunigt.
- Die Lungenkapazität steigt. Wir nehmen noch mehr Prana und Sauerstoff auf und werden noch vitaler.
- Durch Anregung der Epiphyse und der Hypophyse steigen unsere intuitiven, mentalen Fähigkeiten.
Aus dem Buch Die Stufen des Pranayama



