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Holen Sie sich ihre Energie zurück und gestalten Sie ihr SchicksalLeseprobe aus dem Buch Werde übernatürlich: Wie gewöhnliche Menschen das Ungewöhnliche erreichen von Dr. Joe Dispenza


Der gegenwärtige Moment

Möchten Sie in Ihrem Leben Übernatürliches erfahren: Ihren Körper heilen, neue Chancen kreieren, die früher unvorstellbar für Sie waren, und transzendente, mystische Erfahrungen machen? Dann müssen Sie zunächst das Konzept des gegenwärtigen Moments verstehen: das ewige Jetzt.

Heutzutage ist oft davon die Rede, präsent bzw. im Jetzt zu sein. Die meisten Leute verstehen die grundsätzliche Bedeutung dieser Aussage (nämlich nicht über die Zukunft nachzudenken und nicht in der Vergangenheit zu leben). Ich möchte Ihnen jedoch ein komplett anderes Verständnis dieses Konzepts präsentieren. Dazu müssen Sie die physische Welt – auch Ihren Körper, Ihre Identität und Ihre Umwelt – und sogar die Zeit hinter sich lassen und darüber hinausgehen. Dort verwandeln Sie Möglichkeiten in Realität.

Schließlich ist es doch so: Solange Sie die Person, die Sie Ihrer Meinung nach sind, und Ihre konditionierte Überzeugung von der Funktionsweise der Welt nicht hinter sich lassen, können Sie weder ein neues Leben noch ein neues Schicksal erschaffen. Sie müssen also ganz konkret sich selbst aus dem Weg gehen, Ihre erinnerte Identität transzendieren und etwas anderes, etwas Mystisches die Führung übernehmen lassen, was größer ist als Sie. In diesem Kapitel werde ich erklären, wie das geht.

Zunächst wollen wir uns anschauen, wie das Gehirn funktioniert. Wenn Nervengewebe im Gehirn oder Körper aktiviert wird, entsteht Geist. Aus neurowissenschaftlicher Sicht ist Geist also das Gehirn in Aktion. Sie haben beispielsweise einen bestimmten Geist beim Autofahren und einen weiteren, wenn Sie sich duschen, und wieder einen anderen, wenn Sie ein Lied singen oder Musik hören. Bei all diesen komplexen Funktionen nutzen Sie eine bestimmte geistige Ebene, denn all das haben Sie wahrscheinlich schon Tausende Male gemacht; deshalb schaltet sich Ihr Gehirn auf eine ganz bestimmte Weise ein, sooft Sie das tun.

Wenn Ihr Gehirn in Aktion ist, beispielsweise beim Autofahren, schalten Sie in Wirklichkeit eine ganz bestimmte Sequenz, ein Muster oder eine Kombination aus neuronalen Netzen ein. Diese neuronalen Netze sind einfach Neuronencluster, die gemeinschaftlich zusammenarbeiten — so wie ein automatisches Softwareprogramm oder ein Makrobefehl weil sie genau das schon so oft gemacht haben. Anders ausgedrückt: Die Neuronen, die zusammen »feuern«, das heißt aktiviert werden, um die jeweilige Aufgabe zu erledigen, »verdrahten« bzw. vernetzen sich immer stärker.! Durch die bewusste Entscheidung, Auto zu fahren, wählen Sie sozusagen automatisch diese Neuronen im Gehirn aus und aktivieren sie, um eine bestimmte mentale Ebene zu kreieren.

Das Gehirn ist zum größten Teil ein Produkt der Vergangenheit. Es wurde zu einer lebenden Aufzeichnung von allem gestaltet und geformt, was Sie bis zu diesem Zeitpunkt in Ihrem Leben gelernt und erfahren haben. Neurowissenschaftlich betrachtet ist Lernen das Zusammenbringen von Neuronen im Gehirn, wodurch sich Tausende von synaptischen Verbindungen bilden, die sich wiederum zu komplexen, dreidimensionalen neuronalen Netzen zusammentun.

Ihr Gehirn erhält durch Lernen sozusagen ein Upgrade. Achten Sie aufmerksam auf Wissen bzw. Informationen, die für Sie einen Sinn ergeben, so hinterlässt die Interaktion mit der Außenwelt biologische Prägungen im Gehirn. Erleben wir etwas Neues, schreiben die Sinne diese Geschichte neurologisch ins Gehirn, und daraufhin tun sich weitere Neuronen zusammen und verstärken die Verbindungen. Dadurch erhält das Gehirn noch ein Upgrade; es wird auf den neuesten Stand gebracht.

Erfahrungen verstärken nicht nur die Schaltkreise im Gehirn, sondern erzeugen auch Emotionen. Wir können uns Emotionen als die chemischen Rückstände vergangener Erfahrungen vorstellen bzw. als chemisches Feedback. Je höher der emotionale Quotient eines Ereignisses im Leben ist, desto langlebiger ist der Eindruck, der sich dem Gehirn einprägt; so entstehen Langzeiterinnerungen. Durch Lernen werden also neue Verbindungen im Gehirn aufgebaut, durch Erinnern werden diese Verbindungen gepflegt. Je öfter Sie einen Gedanken, eine Entscheidung, ein Verhalten, eine Erfahrung oder eine Emotion wiederholen, desto öfter werden diese Neuronen aktiviert und miteinander vernetzt und desto langlebiger ist ihre Verbindung.

Wie Sie aus Annas Geschichte im vorigen Kapitel gelernt haben, beruhen die meisten Erfahrungen auf der Interaktion mit der Außenwelt. Die Sinne verbinden uns mit der Außenwelt und zeichnen neurologisch die Geschichte im Gehirn auf; erleben wir nun etwas höchst Emotionales — sei es etwas Schlechtes oder etwas Gutes —, wird dieser Moment dem Gehirn neurologisch als Erinnerung eingeprägt.

Wenn eine Erfahrung also unser normales chemisches Empfinden verändert und unsere Aufmerksamkeit verstärkt auf die Ursache für diese Veränderung lenkt, assoziieren wir eine bestimmte Person bzw. eine Sache damit, wo unser Körper zu einem bestimmten Zeitpunkt ist. So entstehen Erinnerungen in Interaktion mit der Außenwelt. Wir können also sagen: Der einzige Ort, an dem die Vergangenheit wirklich existiert, ist das Gehirn – und der Körper.

So wird die Vergangenheit zur Zukunft

Jetzt wollen wir uns näher anschauen, was im Körper auf der biochemischen Ebene beim Denken oder beim Empfinden einer Emotion passiert. Wenn man etwas denkt (oder sich an etwas erinnert), wird im Gehirn eine biochemische Reaktion ausgelöst, woraufhin das Gehirn bestimmte chemische Signale aussendet. So werden immaterielle Gedanken buchstäblich zu Materie – sie werden zu chemischen Botenstoffen. Durch diese chemischen Signale fühlt der Körper genau das, was man gerade gedacht hat. Sobald wir ein bestimmtes Gefühl bemerken, erzeugen wir weitere Gedanken, die diesem Gefühl entsprechen, und setzen weitere chemische Substanzen im Gehirn frei, damit wir das fühlen, was wir denken.

Hegen Sie beispielsweise einen ängstlichen Gedanken, kommen Angstgefühle in Ihnen hoch. Sobald Sie Angst verspüren, nimmt diese Emotion Einfluss auf Ihr Denken, und Sie denken weitere ängstliche Gedanken, die wiederum zur Ausschüttung weiterer chemischer Botenstoffe in Gehirn und Körper führen, woraufhin Sie noch mehr Angst verspüren. Und schon sind Sie in einer Endlosschleife gefangen, in der Ihre Gedanken Gefühle und Ihre Gefühle Gedanken erzeugen. Wenn Gedanken die Sprache des Gehirns und Gefühle die Sprache des Körpers sind und der Kreislauf des Denkens und Fühlens zu Ihrem Seinszustand bzw. Ihrer Befindlichkeit wird, dann »befinden« Sie sich komplett in der Vergangenheit.

Indem im Gehirn immer wieder dieselben Schaltkreise aktiviert und vernetzt werden, weil Sie immer wieder das Gleiche denken, werden sie zu festen Mustern verdrahtet. So wird das Gehirn zu einem Produkt Ihrer vergangenen Gedanken, und mit der Zeit wird es immer einfacher, automatisch dasselbe zu denken. Gleichzeitig fühlen Sie immer wieder dieselben Emotionen, denn wie gerade erklärt, sind Emotionen die Sprache des Körpers und die chemischen Überreste vergangener Erfahrungen — und konditionieren Ihren Körper dadurch auf die Vergangenheit.

Was heißt das für Sie im Alltag? Angesichts der Tatsache, dass Gefühle und Emotionen die chemischen Endprodukte vergangener Ereignisse und Vorfälle sind, beginnen Sie den Tag in der Vergangenheit, sobald Sie morgens aufwachen und nach dem vertrauten Gefühl namens Ich suchen.

Indem Sie über Ihre Probleme nachdenken, erzeugen diese Probleme — die mit den Erinnerungen an vergangene Erfahrungen mit allen möglichen Leuten oder Dingen zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten zu tun haben — vertraute Gefühle wie Unglücklichsein, Vergeblichkeit, Trauer, Schmerz, Kummer, Angst, Sorge, Frust, mangelnder Selbstwert oder Schuld. Wenn diese Emotionen Ihr Denken lenken und Sie nicht über Ihre Gefühle hinausdenken können, denken Sie auch in der Vergangenheit. Und da diese vertrauten Emotionen Einfluss auf Ihre Entscheidungen an diesem Tag nehmen, auf Ihr Verhalten oder die von Ihnen kreierten Erfahrungen, erscheinen Sie ziemlich berechenbar und vorhersehbar – und Ihr Leben bleibt gleich.

Weiter geht’s mit unserem Beispiel: Sie wachen also auf, schalten den Wecker aus, liegen im Bett, schauen Ihre Benachrichtigungen auf Facebook, Instagram, WhatsApp, Twitter an, Ihre SMS und E-Mails und dann die Nachrichten. (Jetzt erinnern Sie sich wirklich daran, wer Sie sind, denn Sie bestärken Ihre Persönlichkeit und verbinden sich mit Ihrer vergangenen-gegenwärtigen persönlichen Realität.) Dann gehen Sie zur Toilette und ins Bad, Sie putzen sich die Zähne, duschen, ziehen sich an und begeben sich in die Küche. Vielleicht schauen Sie jetzt noch mal Nachrichten oder gucken erneut in Ihre Mailbox. Es ist dieselbe Routine wie jeden Tag.

Dann fahren Sie zur Arbeit, auf derselben Strecke wie immer; dort haben Sie mit denselben Kollegen zu tun wie am Vortag. Sie verbringen den Tag damit, ungefähr die gleichen Aufgaben zu erledigen wie gestern. Vielleicht reagieren Sie sogar auf die gleichen Herausforderungen bei der Arbeit mit den gleichen Emotionen.

Nach der Arbeit fahren Sie heim, halten vielleicht am Laden an, um schnell was Gutes zu essen einzukaufen, das Gleiche wie immer. Sie kochen sich zum Abendessen das Gleiche wie immer, sehen die gleichen Fernsehsendungen zur gleichen Uhrzeit wie immer, auf demselben Platz, auf dem Sie immer im Wohnzimmer sitzen. Danach machen Sie sich bettfertig wie immer: Zähneputzen (mit der rechten Hand, angefangen oben rechts im Mund), kriechen auf derselben Seite ins Bett, lesen vielleicht noch ein bisschen und schlafen dann ein.

Abläufe, die ständig wiederholt werden, entwickeln sich zu einer Gewohnheit. Eine Gewohnheit besteht aus wiederkehrenden, automatisch ablaufenden, unbewussten Gedanken, Verhaltensweisen und Emotionen, die durch häufiges Wiederholen angenommen wird. Im Grunde ist der Körper dann auf Autopilot und lässt eine Reihe von Programmen ablaufen; mit der Zeit wird der Körper dann zum Geist. Sie haben diese Routinen so oft ausgeführt, dass der Körper automatisch manches besser erledigen kann als Ihr Gehirn bzw. der bewusste Geist.

Sie schalten einfach auf Autopilot und werden unbewusst, und das heißt: Am nächsten Morgen wachen Sie auf und tun mehr oder weniger das Gleiche. In einem sehr realen Sinn zieht Sie Ihr Körper in dieselbe vorhersehbare Zukunft, basierend auf dem, was Sie in der immer selben, vertrauten Vergangenheit wiederholt gemacht haben. Sie denken das Gleiche und treffen die gleichen Entscheidungen, die zu den gleichen Verhaltensweisen führen, welche die gleichen Erfahrungen erzeugen, und die produzieren wiederum die gleichen Emotionen. So entstehen mit der Zeit im Gehirn fest verdrahtete neuronale Netze, und damit haben Sie den Körper emotional darauf konditioniert, in der Vergangenheit zu leben — und diese Vergangenheit wird zu Ihrer Zukunft.

Bei einem Blick auf den zeitlichen Tagesablauf — angefangen beim Aufwachen am Morgen und weiter bis zum Schlafengehen am Abend – könnten Sie den gestrigen oder heutigen Ablauf (Ihre Vergangenheit) an die Stelle des Plans für morgen (die Zukunft) stellen, denn das, was Sie heute gemacht haben, ist im Wesentlichen das Gleiche wie das, was Sie morgen tun … und übermorgen und überübermorgen … Seien wir ehrlich: Solange Sie dieselben Routinen beibehalten wie gestern, wird Ihr Morgen logischerweise ziemlich genauso aussehen wie Ihr Gestern. Ihre Zukunft ist eine Wiederholung Ihrer Vergangenheit. Denn Ihr Gestern erschafft Ihr Morgen.

Die vertikalen Linien in Abbildung 2.1 stehen für den immer gleichen Gedanken, der uns dieselbe Entscheidung treffen lässt, wodurch ein automatisches Verhalten in Gang gesetzt wird, das zu einer bereits bekannten Erfahrung führt, die wiederum ein vertrautes Gefühl bzw. eine vertraute Emotion erzeugt. Wird dieser Ablauf ständig wiederholt, verschmelzen die einzelnen Schritte allmählich zu einem automatisch ablaufenden Programm. So überlassen wir unseren freien Willen einem Programm.

Der Pfeil steht für eine unbekannte Erfahrung, die irgendwo dazwischen gemacht wird, während Sie auf dem Weg zur Arbeit wieder einmal im Verkehr feststecken, obwohl Sie noch schnell bei der Reinigung vorbeifahren wollten.

Man könnte sagen, Geist und Körper sind im Bekannten – derselben vorhersehbaren Zukunft, die auf Ihrem Verhalten in derselben vertrauten Vergangenheit basiert —, und in dieser bekannten, gewissen Zukunft ist kein Platz für das Unbekannte. Würde in diesem Moment etwas Neues, Unbekanntes passieren und Ihren vorhersehbaren Zeitplan ändern, wären Sie wahrscheinlich verärgert über diese Störung Ihrer Routine, würden es wohl als lästig, problematisch und schlichtweg unbequem betrachten; vielleicht sagen Sie dann: »Kannst du morgen noch mal kommen? Jetzt passt’s gerade nicht.«

Im Programm leben

Vorhersehbarer zeitlicher Ablauf
der bekannten Realität

im programm leben
Abbildung 2.1 Gewohnheiten sind sich durch Wiederholung entwickelnde, automatisch ablaufende unbewusste Gedanken, Verhaltensweisen und Emotionen. Man hat etwas so oft gemacht, dass der Körper darauf programmiert ist, zum Geist zu werden. Mit der Zeit wird man dadurch in eine vorhersehbare Zukunft gezogen, die auf der Vergangenheit aufbaut. Falls Sie also nicht im gegenwärtigen Moment sind, befinden Sie sich wahrscheinlich in einem Programm.

Tatsache ist: In einem vorhersehbaren Leben ist kein Platz für das Unbekannte. Doch das Unbekannte funktioniert nicht vorhersehbar. Das Unbekannte ist unvertraut, ungewiss – aber es ist auch aufregend, denn es passiert auf eine Weise, mit der wir nicht rechnen und die wir nicht vorherbestimmen können.

Ich frage Sie also: Wie viel Platz ist in Ihrer Alltagsroutine, Ihrem vorhersehbaren Leben für das Unbekannte? Sofern Sie im Bekannten bleiben – das heißt tagtäglich die gleichen Abläufe befolgen, das Gleiche denken, die gleiche Wahl treffen, dieselben einprogrammierten Gewohnheiten an den Tag legen, die immer wieder gleichen Erfahrungen erzeugen, die sich denselben neuronalen Netzen in den immer selben Mustern einprägen, um so dasselbe vertraute Gefühl namens Ich zu bestätigen -, gehen Sie immer wieder in dieselbe Geisteshaltung. Mit der Zeit wird Ihr Gehirn automatisch darauf programmiert, all diese Abläufe beim nächsten Mal noch müheloser auszuführen, und dann wieder — und so geht es immer weiter.

Die Einzelschritte verschmelzen dabei zu einem einzigen Schritt, und daraufhin nimmt ein vertrauter Gedanke an eine Erfahrung oder an jemanden oder an etwas an einem bestimmten Ort in einer bestimmten Zeit automatisch das mit der Erfahrung einhergehende Gefühl vorweg. Solange Sie das Gefühl einer Erfahrung vorhersehen können, befinden Sie sich nach wie vor im Bekannten.

Der Gedanke an eine Besprechung mit denselben Leuten, mit denen Sie seit Jahren zusammenarbeiten, kann beispielsweise in Ihnen die Emotion hervorrufen, wie sich dieses zukünftige Ereignis anfühlen wird. Und da Sie dieses Gefühl vorhersehen können – weil Sie in der Vergangenheit genug Erfahrungen damit hatten und es Ihnen dadurch bekannt ist -, werden Sie wahrscheinlich mehr desselben erzeugen. Und natürlich haben Sie recht damit, aber nur, weil Sie dieselbe Person sind. Umgekehrt ist es genauso: Wenn Sie in einem automatisch ablaufenden Programm stecken und das Gefühl einer Erfahrung im Leben nicht vorhersagen können, werden Sie sich höchstwahrscheinlich nur zögerlich darauf einlassen.

Um ein umfassendes Bild der Vorgänge zu erhalten, die ablaufen, solange wir immer im selben Seinszustand leben, müssen wir uns einen weiteren Aspekt des Denkens und Fühlens anschauen. Diese Schleife aus Denken und Fühlen erzeugt auch ein messbares elektromagnetisches Feld um den physischen Körper herum. Unser Körper sendet immer Licht bzw. Energie oder Frequenzen aus, die Träger einer bestimmten Botschaft, Information oder Intention sind (mit »Licht« meine ich übrigens nicht nur das sichtbare Licht, sondern alle Lichtspektren — unter anderem Röntgenstrahlen, Mobilfunkwellen und Mikrowellen). Auch lebenswichtige Informationen, die auf verschiedenen Frequenzen übertragen werden, können wir so empfangen. Wir senden und empfangen also ständig elektromagnetische Energie.

Das funktioniert so: Beim Denken erzeugen die im Gehirn »feuernden« bzw. aktivierten neuronalen Netze elektrische Ladungen. Wenn diese Gedanken auch eine chemische Reaktion auslösen, die zu einem Gefühl bzw. einer Emotionen führt, und auch wenn ein vertrautes Gefühl oder eine vertraute Emotion Gedanken bewirkt, verursachen diese Gefühle magnetische Ladungen; sie kommen mit den Gedanken zusammen, die die elektrischen Ladungen schaffen, und dadurch wird entsprechend der jeweiligen Befindlichkeit bzw. des jeweiligen Seinszustandes ein bestimmtes elektromagnetisches Feld kreiert.

Wir können uns Emotionen als Energie in Bewegung vorstellen. Die Energie eines Menschen, der eine starke Emotion verspürt und in ein Zimmer tritt, ist (abgesehen von der Körpersprache) oft sehr spür- und greifbar. Wir alle haben schon einmal die Energie eines ärgerlichen oder sehr frustrierten Menschen zu spüren bekommen; sie war zu spüren, weil diese Person ein starkes energetisches Signal mit einer bestimmten Information ausgesandt hat.

Dasselbe gilt für Männer oder Frauen mit einer starken sexuellen Anziehungskraft, für leidende Menschen oder für jemanden mit einer ruhigen, liebevollen Energie: All diese Energien können wir spüren und fühlen. Erwartungsgemäß haben unterschiedliche Emotionen unterschiedliche Frequenzen. Kreative, höhere Emotionen wie Liebe, Freude und Dankbarkeit schwingen viel höher als Stressemotionen wie Angst und Wut, denn sie sind Träger einer anderen bewussten Intention und Energie [siehe Abbildung 2.2 (Seite 72), die verschiedene Frequenzen und die damit verbundenen emotionalen Verfassungen veranschaulicht]. Darauf wird später noch genauer eingegangen.

Erschaffen wir also Tag für Tag immer wieder die Vergangenheit, denken die gleichen Gedanken und fühlen dieselben Emotionen, dann senden wir auch immer wieder das gleiche elektromagnetische Feld aus — das heißt dieselbe Energie mit derselben Botschaft. Auf der energetischen und Informationsebene bleibt also der Informationsgehalt unserer gleichbleibenden Energie der Vergangenheit gleich und erzeugt damit auch dieselbe Zukunft. Unsere Energie entspricht damit mehr oder weniger unserer Vergangenheit. Wir können unser Leben nur verwandeln, indem wir unsere Energie verändern, also das elektromagnetische Feld, das wir ständig ausstrahlen. Anders ausgedrückt: Um unseren Seinszustand zu transformieren, müssen wir unser Denken und Fühlen verändern.

Skala der Emotionen
mit unterschiedlichen Energien

emotionen
Emotionen sind Energie in Bewegung. Alle Energie ist Schwingung, und jede Schwingung ist Träger von Informationen. Auf Basis unserer persönlichen Gedanken und Gefühle senden und empfangen wir ständig Informationen.

Weil Ihre Energie dorthin fließt, wo auch Ihre Aufmerksamkeit ist (ein Schlüsselkonzept, von dem in diesem Kapitel noch die Rede sein wird), gehen Aufmerksamkeit und Energie in die Vergangenheit, sobald Ihre Aufmerksamkeit einer vertrauten Emotion gilt. Auch wenn diese vertrauten Emotionen mit der Erinnerung an ein vergangenes Geschehnis zu haben, an der eine bestimmte Person oder ein bestimmtes Objekt an einem bestimmten Ort zu einer bestimmten Zeit involviert ist, werden Aufmerksamkeit und Energie in die Vergangenheit gelenkt; Sie ziehen dadurch Ihre Energie vom gegenwärtigen Moment ab und in die Vergangenheit hinein.

So wird Energie aus dem gegenwärtigen Moment abgezogen

Elektromagnetisches Feld
Sämtliche Energie vermischt sich in dieser bekannten Zeitachse

jetzt
Abbildung 2.3 Wird Energie dorthin gelenkt, wo auch die Aufmerksamkeit hingeht, bedeutet das: Sobald wir uns auf vertraute Gefühle und Erinnerungen fokussieren, ziehen wir unsere Energie in die Vergangenheit und aus dem gegenwärtigen Moment ab. Ebenso gilt: Solange unsere Aufmerksamkeit ständig auf all den Leuten liegt, die wir treffen, den Orten, die wir aufsuchen, den Dingen, die wir zu bestimmten Zeiten in der vertrauten Realität erledigen müssen …, ziehen wir unsere Energie aus dem gegenwärtigen Moment ab und hinein in die vorhersehbare Zukunft.

Und umgekehrt ist es ebenso: Denken Sie ständig an all die Leute, denen Sie begegnen, an die zu erledigenden Dinge und an die Orte, an denen Sie zu einer bestimmten Zeit im Lauf Ihres Alltags sein müssen, ziehen Sie Ihre Aufmerksamkeit in eine bereits bekannte, vorhersehbare Zukunft. Das wird in Abbildung 2.3 veranschaulicht.

Ihre gesamte Energie ist jetzt mit diesen bekannten Erfahrungen dieser bestimmten Zeitachse vermischt und erzeugt noch mehr von den gleichen Erfahrungen; Ihr Körper folgt dem Geist zu denselben Geschehnissen in Ihrer immer gleichen Realität. Ihre Energie wird aus dem gegenwärtigen Moment heraus und hinein in die Vergangenheit und in die Zukunft gelenkt. Für das Kreieren einer unbekannten Erfahrung auf einer neuen Zeitachse bleibt so nur sehr wenig Energie übrig.

In Abbildung 2.3 ist auch zu sehen, wie die Schwingung der von Ihnen abgestrahlten elektromagnetischen Energie zu all dem passt, was Sie bereits kennen. Sie beginnen also den Tag, denken daran, zur Toilette zu gehen, und schon sind Sie auf dem Weg dorthin. Dann denken Sie ans Duschen, und schon stehen Sie in der Dusche und stellen die Wassertemperatur ein.

Dann kommt Ihnen die Kaffeemaschine in den Sinn, und Sie projizieren Ihre Aufmerksamkeit und Energie auf das Gerät: Sie gehen automatisch in die Küche, um sich Ihre morgendliche Tasse Kaffee zuzubereiten; wieder folgt Ihr Körper also Ihrem Geist. Haben Sie das erst einmal 22 Jahre lang gemacht, gleitet Ihr Körper ganz mühelos dahin, folgt immer dem Geist – in diesem Fall allerdings folgt er dem Geist in das Bekannte, denn dorthin ist Ihre Aufmerksamkeit – und damit Ihre Energie – gerichtet.

Jetzt möchte ich Sie etwas fragen: Könnte es jemals möglich sein, dass Ihr Körper Ihrem Geist in das Reich des Unbekannten folgt? Falls ja, müssten Sie Ihre Aufmerksamkeit woandershin lenken, nicht wahr? Und dadurch würde sich auch Ihre Energie verändern, und Sie müssten Ihr Denken und Fühlen lange genug transformieren, damit etwas Neues passieren kann. Das mag unglaublich klingen, ist aber tatsächlich möglich. Und es ist ja auch durchaus logisch: So wie der Körper dem Geist zu jeder bekannten Erfahrung im Leben (beispielsweise der Kaffeemaschine jeden Morgen) folgt, würde er dem Geist in das Unbekannte — eine neue Erfahrung in der Zukunft – folgen können, sofern die Aufmerksamkeit und Energie auf das Unbekannte gelenkt wird.

Geist und Körper auf eine neue Zukunft vorbereiten

Sind Sie mit meiner Arbeit vertraut? Dann wissen Sie ja, wie sehr mir das Konzept des mentalen Probelaufs, also des »Ubens im Kopf«, gefällt. Es fasziniert mich, wie wir allein durch die Kraft der Gedanken das Gehirn und auch den Körper verwandeln können. Überlegen Sie einmal: Während Sie sich auf ein bestimmtes Bild im Kopf fokussieren und sehr präsent bei einer Abfolge von wiederholten Gedanken und Gefühlen sind, können Gehirn und Körper nicht zwischen Geschehnissen in der Außen- und in der Innenwelt unterscheiden.

Lassen Sie sich voll und ganz und mit Ihrer gesamten Aufmerksamkeit ein, erscheint die innere Welt Ihrer Vorstellungskraft wie eine äußere Erfahrung — und Ihre Biologie wird sich entsprechend verändern. Das heißt: Ohne die Erfahrung tatsächlich gemacht zu haben, können Sie Ihr Gehirn und Ihren Körper so aussehen lassen, als wäre eine physische Erfahrung bereits eingetreten. Sie werden nicht nur biologisch zu dem, worauf Sie Ihre Aufmerksamkeit richten und was Sie wiederholt im Kopf proben und einüben, sondern legen dadurch auch Ihre Zukunft fest.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Harvard-Studie mit Freiwilligen, die nie zuvor Klavier gespielt hatten. Sie wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine Gruppe übte fünf Tage lang zwei Stunden täglich eine einfache Fünf-Finger-Übung. Auch die andere Gruppe machte diese Fingerübungen, aber nur im Kopf: Die Probanden stellten sich vor, sie säßen vor einem Klavier und übten, rührten dabei aber keinen Finger. Wie Gehirnscans vor und nach dem Experiment zeigten, hatten beide Gruppen sehr viele neue neuronale Schaltkreise und neue neurologische Programmierungen in dem Gehirnareal ausgebildet,   das für die Fingerbewegungen zuständig ist — doch eine Gruppe hatte das nur durch Gedankenkraft geschafft.

Überlegen Sie einmal: Die Gehirne der Probanden, die im Kopf geübt hatten, schauten aus, als ob sie diese Erfahrung bereits hinter sich hätten! Dabei hatten sie nie auch nur einen Finger gerührt.

Würde man sie nach diesem fünftägigen mentalen Probelauf vor ein Klavier setzen, könnten viele von ihnen die im Kopf absolvierte Fingerübung ziemlich gut spielen, obwohl sie nie zuvor auf den Tasten geklimpert hatten. Sie stellten sich diese Tätigkeit täglich im Kopf vor und richteten dadurch die neurologische Hardware ein, mit der sie sich auf die Erfahrung vorbereiteten.

Immer wieder aktivierten und vernetzten sie diese Verschaltungen im Gehirn durch Aufmerksamkeit und Intention, und mit der Zeit wurde die Hardware zu einem automatisch ablaufenden Softwareprogramm im Gehirn, und das nächste Mal ging es einfacher. Nach fünftägigem mentalem Üben würden sie ihr Verhalten mühelos auf ihre bewusste Intention ausrichten, wenn sie tatsächlich spielten, denn sie hatten ihr Gehirn im Voraus auf die Erfahrung vorbereitet. So mächtig kann der trainierte Geist sein.

Ähnliche Studien über Muskeltraining führten zu vergleichbaren Ergebnissen. In einer bahnbrechenden Studie der Cleveland Clinic stellten sich zehn Probanden zwischen 20 und 35 Jahren zwölf Wochen lang bei fünf Trainingseinheiten pro Woche vor, sie würden einen ihrer Bizepse beugen. Alle zwei Wochen wurden die elektrische Gehirnaktivität der Probanden während des Trainings sowie ihre Muskelkraft gemessen. Nach Abschluss der Studie hatten die Probanden die Kraft ihres Bizeps um 13,5 Prozent erhöht, obwohl sie die Muskeln in Wirklichkeit gar nicht genutzt hatten. Dieser Muskelzugewinn blieb bis drei Monate nach Abschluss des Trainings erhalten.

In jüngerer Zeit wurden im Rahmen einer Studie von Forschern der Universität von Texas in San Antonio, der Cleveland Clinic und des Kessler Foundation Research Centers in West Orange, New Jersey, Probanden gebeten, sich zwölf Wochen lang an fünf Tagen die Woche für 15 Minuten lebhaft vorzustellen, wie sie die Beugemuskeln am Ellbogen kontrahierten und dabei die Muskeln dazu drängten, sich so kraftvoll und hart wie nur möglich anzuspannen – also ihre starke mentale Energie mit einer festen Absicht zu verbinden.

Eine Gruppe sollte dabei im Kopf in einer Szene visualisieren, wie sie selbst die Übung praktizierten, und zwar in Bildern von sich als dritter Person (als würden sie sich in einem Film sehen). Eine zweite Gruppe sollte in der ersten Person imaginieren und sich vorstellen, ihre Körper, wie sie in Echtzeit waren, würden trainieren; dadurch wurde das Ganze unmittelbarer und realistischer. Eine dritte Gruppe, die Kontrollgruppe, übte gar nicht. Während bei der Gruppe, die mit Bildern in der dritten Person praktizierte, sowie der Kontrollgruppe keine signifikanten Veränderungen zu erkennen waren, konnte die Gruppe, die in der ersten Person imaginierte, ihre Muskelkraft um 10,8 Prozent steigern.

Ein weiteres Forscherteam der Ohio University ging noch weiter: Die Handgelenke von 29 Freiwilligen wurden einen Monat lang eingegipst, sodass sie nicht bewegt werden konnten, auch nicht unabsichtlich. Die Hälfte der Gruppe praktizierte an fünf Tagen die Woche 11 Minuten lang mit mentalen Bildern und stellte sich vor, sie würde die völlig unbeweglichen Handgelenkmuskeln beugen. Die zweite Hälfte, die Kontrollgruppe, machte gar nichts. Nach Ablauf des Monats wurde der Gips abgenommen; die Muskeln der Gruppenmitglieder, die imaginiert hatten, waren doppelt so stark wie die der Kontrollgruppe.

Alle drei Muskelstudien zeigen, wie durch das mentale Üben nicht nur das Gehirn, sondern auch der Körper allein durch Gedankenkraft verändert werden kann. Anders ausgedrückt: Durch mentales Praktizieren sowie bewusstes und regelmäßiges Überprüfen der betreffenden Aktivität schauten die Körper der Probanden aus, als wären sie tatsächlich physisch aktiv gewesen — obwohl das nie der Fall war. Noch realer wurde die Erfahrung, sobald die emotionale Komponente dazukam, die Probanden sich also nicht nur ein mentales Bild vorstellten, sondern dabei die Übung im Kopf auch so hart wie möglich »trainierten«; damit wurden noch deutlichere Ergebnisse erzielt.

Bei der Studie mit den Klavierspielern sahen die Gehirne der Probanden aus, als ob die im Kopf vorgestellte Erfahrung bereits eingetreten wäre, weil sie ihr Gehirn auf diese Zukunft vorbereitet hatten. Auch bei den Muskeltraining-Studien veränderte sich der Körper der Studienteilnehmer, als hätten sie diese Realität bereits erfahren — einfach durch das mentale Training, nur mit Gedankenkraft.

Sie sehen also: Indem Sie morgens aufwachen und an die Leute denken, die Sie treffen, die Orte, zu denen Sie gehen, und die Dinge, die Sie laut Ihrem vollen Terminkalender erledigen müssen (also einen mentalen Probelauf praktizieren), und darüber hinaus eine intensive Emotion wie Leiden oder Unglücklichsein oder Frust verspüren — ähnlich wie die Probanden, die ihre Ellbogenmuskeln geistig dazu drängten, sich zu beugen, ohne sie wirklich zu bewegen konditionieren Sie Ihr Gehirn und Ihren Körper darauf, so auszuschauen, als wäre diese Zukunft bereits eingetreten.

Erfahrung bereichert das Gehirn und erzeugt eine Emotion, die dem Körper Signale schickt. Wenn man beständig eine innere Erfahrung kreiert, die genauso real wie eine äußere Erfahrung ist, verändern sich Gehirn und Körper allmählich — wie das auch bei jeder realen Erfahrung der Fall wäre.

Denken Sie beim Aufwachen an den vor Ihnen liegenden Tag, sieht das auf neurologischer, biologischer, chemischer und sogar genetischer Ebene (darauf gehe ich im nächsten Abschnitt ein) aus, als ob dieser Tag bereits geschehen wäre. Und genau das ist auch der Fall. Sobald Sie den Tag mit all seinen Aktivitäten tatsächlich angehen, wie in den beschriebenen Experimenten, verhält sich Ihr Körper von Natur aus automatisch so, wie es Ihren bewussten oder auch unbewussten Absichten entspricht.

Machen Sie seit Jahren ständig das Gleiche, lassen sich die betreffenden Verschaltungen – ebenso wie alle anderen biologischen Abläufe – immer müheloser aktivieren, weil Sie nicht nur Ihre Biologie mental tagtäglich darauf vorbereiten, sondern auch regelmäßig die gleichen physischen Verhaltensweisen an den Tag legen, um diese Erfahrungen noch mehr in Gehirn und Körper zu verstärken. Dadurch fällt es immer leichter, ins Unbewusstsein zu verfallen, weil Sie auf der geistigen und körperlichen Ebene dauernd dieselben Gewohnheiten bestärken … und sich daran gewöhnen, sich gewohnheitsmäßig zu verhalten.

Die Gene verändern

Früher war man der Meinung, die Gene erzeugten Krankheiten und wir seien auf Gedeih und Verderb unserer DNA ausgeliefert. Starben viele Mitglieder einer Familie an Herzversagen, dann, so vermutete man, würden auch die Angehörigen höchstwahrscheinlich Herzprobleme bekommen. Doch inzwischen hat die Wissenschaft der Epigenetik aufgezeigt, dass es keineswegs die Gene sind, die Krankheit erzeugen, sondern die Umwelt, die unsere Gene darauf programmiert, Krankheiten auszulösen — und zwar nicht nur die Umwelt außerhalb des Körpers (beispielsweise Zigarettenrauch oder Pestizide), sondern auch die Umwelt im Körper: das äußere Zellmilieu.

Was meine ich mit der Umwelt im Körper? Wie bereits gesagt, sind Emotionen chemisches Feedback, die Endprodukte von im Außen gemachten Erfahrungen. Reagieren wir auf eine äußere Situation, die eine Emotion erzeugt, kann die daraus entstehende Chemie im Körper den Genen signalisieren, sich entweder einzuschalten (hochzuregulieren bzw. die Genexpression zu verstärken) oder abzuschalten (herunterzuregulieren bzw. die Genexpression abzuschwächen). Das Gen selbst verändert sich physisch nicht – die Genexpression bzw. der Genausdruck verändert sich, und das ist das Entscheidende, weil sich das auf unsere Gesundheit und unser Leben auswirkt. Obwohl also jemand eine genetische Veranlagung für eine bestimmte Krankheit hat, wird die Person diese Krankheit nicht unbedingt entwickeln und bleibt gesund, solange ihre Gene weiterhin Gesundheit und nicht die Krankheit »ausdrücken«.

Wir können uns den Körper als fein gestimmtes, Protein-produzierendes Instrument vorstellen. Jede einzelne Zelle (außer den roten Blutkörperchen) erzeugt Proteine, die für die physische Struktur und die physiologischen Funktionen des Körpers zuständig sind. Muskelzellen produzieren beispielsweise bestimmte Proteine, Aktin und Myosin, und Hautzellen produzieren die Proteine Kollagen und Elastin.

Immunzellen stellen Antikörper her, Schilddrüsenzellen Thyroxin und Knochenmarkszellen Hämoglobin, manche Augenzellen Keratin und die Bauchspeicheldrüsenzellen Enzyme wie Protease, Lipase und Amylase. Es gibt nicht ein Organ bzw. System im Körper, das nicht von Proteinen abhängig ist bzw. Proteine produziert. Sie sind lebenswichtiger Bestandteil unseres Immunsystems, der Verdauung, der Zellreparatur und der Knochen- und Muskelstruktur. Worum auch immer es geht – Proteine sind daran beteiligt. Die Proteinexpression bzw. der Proteinausdruck ist demnach auf sehr reale Weise Ausdruck des Lebens und steht für körperliche Gesundheit.

Damit eine Zelle Protein herstellen kann, muss eine Genexpression stattfinden. Das ist die Aufgabe der Gene: die Proteinproduktion zu ermöglichen. Erreicht das Signal aus dem äußeren Zellmilieu die Zellmembran, wird die chemische Substanz von einem äußeren Rezeptor angenommen und gelangt zur DNA in der Zelle. Dann produziert ein Gen ein neues Protein, das dem Signal entspricht. Verändern sich die aus dem äußeren Zellmilieu kommenden Informationen nicht, stellt das Gen immer wieder das gleiche Protein her, und der Körper bleibt gleich. Mit der Zeit findet eine Herunterregulierung des Gens statt; entweder wird die gesunde Protein- expression eingestellt oder es verschleißt, ähnlich wie wenn man eine Kopie von einer Kopie von einer Kopie macht, und es werden andere Proteine exprimiert.

Unterschiedliche Reize regulieren die Gene hoch oder herunter. Wir aktivieren erfahrungsabhängige Gene, beispielsweise wenn wir etwas Neues   machen oder neue Informationen aufnehmen und lernen. Diese Gene sind dafür verantwortlich, Stammzellen zur Differenzierung anzuweisen, sodass sie sich in die gerade vom Körper benötigten Zelltypen verwandeln, um beschädigte Zellen zu ersetzen. Bei großem Stress bzw. großer Erregung oder veränderten Bewusstseinszuständen wie Träumen aktivieren wir verhaltensabhängige Gene; sie sind sozusagen der Dreh- und Angelpunkt der Körper-Geist-Verbindung, denn sie verknüpfen Gedanken und Körper, sodass wir unsere körperliche Gesundheit durch bestimmte Verhaltensweisen (beispielsweise Meditation, Gebet oder soziale Rituale) beeinflussen können. Verändern sich Gene auf diese Weise — was manchmal in Minutenschnelle vor sich geht -, können diese veränderten Gene an die nächste Generation weitergegeben werden.

Durch andere Emotionen kann man also die Genexpression verändern (die einen ein-, andere abschalten), da der DNA neue chemische Signale geschickt werden, woraufhin die Gene angewiesen werden, andere Proteine zu produzieren – hoch- oder herunterzuregulieren -, um alle möglichen Bausteine zu erzeugen, welche die Struktur und Funktion des Körpers verändern können.

War das Immunsystem beispielsweise zu lange den Stressemotionen ausgesetzt, sodass Gene aktiviert waren, die Entzündungen und Krankheiten hervorrufen, ist es möglich, neue Gene einzuschalten, die für Wachstum und Reparatur zuständig sind, und die alten, für die Krankheit verantwortlichen Gene abzuschalten. Gleichzeitig befolgen diese epigenetisch veränderten Gene neue Anweisungen, erzeugen neue Proteine und programmieren den Körper auf Wachstum, Reparatur und Heilung. So können Sie Ihren Körper erfolgreich auf einen neuen Geist konditionieren.

Wie zu Beginn des Kapitels gesagt, bedeutet das: Leben Sie tagaus, tagein mit denselben Emotionen, glaubt Ihr Körper, er sei denselben Umweltbedingungen ausgesetzt; diese Gefühle beeinflussen Sie und bringen Sie dazu, immer wieder dieselben Entscheidungen zu treffen, dieselben Gewohnheiten an den Tag zu legen, die wiederum zu den gleichen Erfahrungen führen, wodurch dieselben Emotionen immer wieder produziert werden.

Infolge dieser automatisch ablaufenden, einprogrammierten Gewohnheiten sind Ihre Zellen ständig derselben chemischen Umgebung ausgesetzt (der Umwelt außerhalb des Körpers sowie dem äußeren Zellmilieu im Körper). Diese chemischen Stoffe senden immer wieder denselben Genen die gleichen Signale – und Sie sind festgefahren, denn wenn Sie gleichbleiben, bleibt auch Ihre Genexpression gleich. Jetzt steuern Sie auf Ihr genetisches Schicksal zu, denn aus der Umwelt werden keine neuen Informationen empfangen.

Doch was passiert, wenn sich Ihre Lebensumstände zum Besseren verändern? Sollte das nicht auch das chemische äußere Milieu Ihrer Zellen verändern?

Ja genau, das passiert, aber nicht immer. Weil Sie Ihren Körper jahrelang auf diesen Kreislauf aus Denken und Fühlen, Fühlen und Denken konditioniert haben, haben Sie auch, ohne es zu realisieren, Ihren Körper darauf konditioniert, nach diesen Emotionen süchtig zu sein. Einfach das äußere Umfeld zu verändern, beispielsweise durch einen neuen Job, überwindet die Sucht nicht unbedingt, so wie ein Drogensüchtiger seine Sucht ja auch nicht einfach dadurch loswird, dass er in der Lotterie gewinnt oder nach Hawaii zieht.

Hat die Erfahrung erst einmal ihre Neuartigkeit verloren, kehren die meisten Menschen früher oder später aufgrund der Gedanken- und Gefühlsschleife wieder zu ihrer emotionalen Ausgangsverfassung zurück und der Körper meint, es sei dieselbe alte Erfahrung, die dieselben alten Emotionen erzeugt hat.

Waren Sie also mit Ihrer alten Arbeit unglücklich und haben eine neue Stelle gefunden, dann sind Sie vielleicht ein paar Wochen, womöglich sogar ein paar Monate lang glücklich. Doch indem Sie Ihren Körper jahrelang so konditioniert haben, dass er danach süchtig ist, sich unglücklich zu fühlen, werden Sie irgendwann zu dieser alten Emotion zurückkehren, weil Ihr Körper nach seiner chemisch-emotionalen »Droge« giert.

Ihr äußeres Umfeld mag sich verändert haben, doch Ihr Körper wird immer eher seiner inneren Chemie als seinen äußeren Bedingungen glauben, und so bleibt er emotional in seinem alten Seinszustand eingesperrt, ist nach wie vor nach den alten Emotionen süchtig. Und das heißt nichts anderes, als dass Sie immer noch in der Vergangenheit leben. Weil sich die innere Chemie nicht verändert hat, können Sie auch keine veränderte Genexpression bewirken, um neue Proteine zu produzieren und die Struktur und Funktion Ihres Körpers zu verbessern; deshalb ändert sich auch weder Ihre Gesundheit noch Ihr Leben. Daher sage ich immer, Sie müssen über Ihre Gefühle hinausdenken, um wirkliche, dauerhafte Veränderungen zu bewirken.

Im Winter 2016 untersuchten mein Team und ich auf dem Advanced Workshop in Tacoma, Washington, die Auswirkungen höherer Emotionen auf die Immunfunktion. Am Beginn des Workshops und zum Abschluss vier Tage später nahmen wir Speichelproben von 117 Probanden und maßen den Gehalt an Immunglobin-A (IgA), einem Proteinmarker, der Hinweise auf die Stärke des Immunsystems gibt.

IgA ist eine unglaublich wirkungsvolle chemische Substanz und eines der wichtigsten Proteine für eine gesunde Immunfunktion und die Immunabwehr; es kämpft ständig gegen eine ganze Flut von Bakterien, Viren, Pilzen und anderen Organismen, die ins innere Milieu des Körpers eindringen oder sich bereits eingenistet haben. IgA ist effektiver als jede Grippespritze oder sämtliche Booster für das Immunsystem. Ist es aktiviert, dient es als wichtigstes inneres Abwehrsystem des menschlichen Körpers. Steigt der Stresspegel (und damit der Spiegel der Stresshormone wie Cortisol), sinkt der IgA-Spiegel, und das schwächt die Genexpression des Immunsystems für die Produktion dieses Proteins.

Während unseres viertägigen Workshops baten wir die Studienteilnehmer, dreimal täglich für 9—10 Minuten in einen Zustand höherer Emotionen wie Liebe, Freude, Inspiration oder Dankbarkeit zu wechseln. Wir fragten uns: Ist es durch höhere Emotionen möglich, das Immunsystem zu stärken? Oder anders gesagt: Können unsere Studierenden die Gene für IgA einfach durch das Wechseln in andere emotionale Verfassungen hochregulieren?

Die Ergebnisse waren verblüffend. Die durchschnittlichen IgA-Werte schossen um 49,5 Prozent in die Höhe. Der normale IgA- Wert liegt bei 37-87 Milligramm pro Deziliter (mg/dl); am Ende des Workshops wurden bei manchen Probanden 100 mg/dl gemessen. Unsere Probanden wiesen bedeutende, messbare epigenetische Veränderungen auf, und das ohne signifikante äußere Erfahrungen. Durch das Erlangen höherer emotionaler Zustände, nur für ein paar Tage, glaubte ihr Körper, er befände sich in einer neuen Umgebung, und so konnten sie neuen Genen neue Signale senden und ihre Genexpression verändern (in diesem Fall die Proteinexpression des Immunsystems, siehe Abbildung 2.4).

Slga und cortisol
Abbildung 2.4 Mit dem Verweilen in höheren emotionalen Zuständen und dem Ändern der Energie können wir tatsächlich neue Gene hochregulieren, die neue gesunde Proteine produzieren, um die innere Immunabwehr zu stärken. Reduzieren wir die Überlebensemotionen, brauchen wir unser äußeres Abwehrsystem nicht mehr so sehr, und dadurch regulieren wir die Gene herunter, die für die Produktion von Stresshormonen zuständig sind (SlgA in der obigen Abbildung steht für Immunglobulin A im Speichel; Cortisol steht für Stresshormone. Beides wurde im Speichel gemessen).

Das heißt: Sie brauchen vielleicht weder eine Apotheke noch eine exogene Substanz, um sich selbst zu heilen; Sie verfügen über die innere Macht, innerhalb von wenigen Tagen die IgA-produzierenden Gene hochzuregulieren. Etwas so Einfaches wie das Wechseln in eine höhere emotionale Befindlichkeit wie Freude, Liebe, Inspiration oder Dankbarkeit für 5-10 Minuten am Tag kann signifikante epigenetische Veränderungen auf gesundheitlicher und körperlicher Ebene bewirken.

Die Energie folgt der Aufmerksamkeit

Wir lenken grundsätzlich unsere Energie dorthin, wo unsere Aufmerksamkeit weilt. Solange Sie also beim Aufwachen am Morgen sofort Ihre Aufmerksamkeit und Energie auf all die Leute richten, die Sie an diesem Tag treffen, und die Orte, zu denen Sie gehen müssen, auf Ihre Besitztümer und das, was Sie in der dreidimensionalen Welt zu erledigen haben, zerstreut sich Ihre kreative Energie und fließt von Ihnen weg hin zu all dem in der Außenwelt, was um Ihre Aufmerksamkeit buhlt: das Handy, das Notebook, das Bankkonto, das Haus, die Arbeit, die Kollegen, der Partner oder die Partnerin, die Kinder, die Feinde, die Haustiere, der Gesundheitsustand usw.

Das wird in Abbildung 2.5 veranschaulicht. Ganz offensichtlich richten die meisten Menschen ihre Aufmerksamkeit und Energie auf die äußere, materielle Welt. Da stellt sich die Frage: Wie viel Energie bleibt da noch für die Innenwelt der Gedanken und Gefühle übrig, um eine neue Realität zu erschaffen?

Bedenken Sie: Jeder dieser Menschen und jedes der Dinge, dem Sie so viel Aufmerksamkeit widmen, ist etwas Bekanntes in Ihrem Leben, denn Sie haben damit Erfahrungen gemacht. Wie bereits erwähnt, verfügt Ihr Gehirn für jedes einzelne dieser Dinge über ein neurologisches Netzwerk. Sie sind in Ihrem Gehirn abgebildet; Sie erleben sie und nehmen sie aus Ihrer Vergangenheit wahr. Je mehr Erfahrungen Sie damit machen, desto automatisierter laufen diese neuronalen Verschaltungen ab und desto stärker werden sie, denn durch das wiederkehrende Erleben dieser verschiedenen Erfahrungen werden immer mehr Schaltkreise aufgebaut und weiterentwickelt. Genau das machen Erfahrungen: Sie bereichern das Gehirn.

Energie folgt der Aufmerksamkeit

Die äußere Welt der physischen Realität

energie folgt aufmerksamkeit
Abbildung 2.5 Jeder Person, jedem Objekt, jedem Ding, jedem Ort und jeder Situation in unserer vertrauten physischen Realität ist im Gehirn ein neurologisches Netzwerk zugeordnet, und all das ist jeweils mit einer emotionalen Komponente verbunden, denn wir haben mit alldem Erfahrungen gemacht. So wird unsere Energie an unsere vergangene-gegenwärtige Realität gebunden. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit darauf, fließt Ihre Energie von Ihnen weg und es bleibt nur wenig Energie für Ihre Innenwelt aus Gedanken und Gefühlen übrig, um etwas Neues in Ihrem Leben zu kreieren.

Sie haben also ein neurologisches Netzwerk für Ihren Chef, eines für Geld, eines für Ihren Lebensgefährten, eines für Ihre Kinder, eines für Ihre finanzielle Situation, eines für Ihr Haus und jeweils eines für all Ihre physisch-materiellen Besitztümer, denn mit all diesen Menschen bzw. Dingen haben Sie zu unterschiedlichen Zeiten und an unterschiedlichen Orten Erfahrungen gesammelt.

Verteilt sich Ihre Aufmerksamkeit und damit auch Ihre Energie auf all diese Objekte, Menschen und Probleme in der Außenwelt, bleibt keine Energie übrig, die Sie auf Ihre Innenwelt aus Gedanken und Gefühlen richten und mit der Sie etwas Neuen kreieren könnten. Warum? Weil Ihr Denken und Fühlen buchstäblich Ihre persönliche Realität erschafft.

Denken und fühlen Sie entsprechend all dem, was Sie kennen, dann bestätigen und bestärken Sie immer wieder dasselbe Leben. Man könnte sagen, Ihre Persönlichkeit kreiert nicht mehr Ihre persönliche Realität, sondern umgekehrt: Ihre persönliche Realität kreiert Ihre Persönlichkeit. Ihre Außenwelt kontrolliert Ihre Gedanken und Gefühle. Auf biologischer Ebene entspricht Ihre Innenwelt aus Gedanken und Gefühlen Ihrer Außenwelt, der vergangenen-gegenwärtigen Realität bestehend aus Menschen und Objekten zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten. Sie sorgen beständig dafür, dass Ihr Leben gleichbleibt, weil Ihre Aufmerksamkeit (Gedanken) und Ihre Energie (Gefühle) gleichbleiben.

Durch Ihr Denken und Fühlen senden Sie eine elektromagnetische Signatur aus, die alle Bereiche Ihres Lebens beeinflusst; bei gleichbleibendem Denken und Fühlen senden Sie immer wieder dieselbe elektromagnetische Energie aus — und Ihr Leben verändert sich nie. Ihre Energie entspricht sozusagen all dem, was Ihre vergangene-gegenwärtige Realität ausmacht — Sie kreieren immer wieder Ihre Vergangenheit.

Das ist allerdings nicht die einzige Beschränkung. Wird die gesamte Aufmerksamkeit und Energie in die Außenwelt gesteckt und reagiert man auf die immer gleichen Bedingungen immer gleich – in einem chronischen Stresszustand, wodurch das Gehirn ständig erregt ist —, gerät die Innenwelt ins Ungleichgewicht und das Gehirn arbeitet weniger effizient. Dadurch wird auch unsere Schöpferkraft beeinträchtigt, und wir werden zum Opfer unserer Lebensumstände, anstatt Schöpfer unseres Lebens zu sein.

Ein Leben auf Basis der Stresshormone

 Jetzt wollen wir uns genauer anschauen, wie wir irgendwann süchtig nach unseren negativen Emotionen werden – genauer gesagt, nach den sogenannten Stresshormonen. Sobald wir auf eine eventuell bedrohliche Bedingung in der Außenwelt reagieren, sei diese Bedrohung nun real oder eingebildet, setzt der Körper Stresshormone frei und mobilisiert dadurch enorme Energie, um auf die Bedrohung reagieren zu können.

Wenn das passiert, gerät der Körper aus dem Gleichgewicht – und genau das ist Stress. Eigentlich ist das eine ganz natürliche und gesunde Reaktion, denn in der Vorzeit wurde dieser chemische Cocktail aus Adrenalin, Cortisol und ähnlichen Hormonen freigesetzt, sobald aus der äußeren Umwelt irgendeine Gefahr drohte, der Mensch beispielsweise von einem Raubtier gejagt wurde und sich entscheiden musste, entweder zu kämpfen, wegzulaufen oder sich zu verstecken.

Im Überlebensmodus werden wir automatisch zu »Materialisten«, definieren also die Realität über die Sinne: was wir sehen, hören, riechen, fühlen und schmecken. Außerdem schränken wir unseren Fokus ein und lenken unsere gesamte Aufmerksamkeit auf die Materie – auf unseren Körper, der in einem bestimmten Raum und einer bestimmten Zeit existiert. Durch die Stresshormone werden wir dazu gebracht, uns voll und ganz auf die Außenwelt zu konzentrieren, denn dort lauert die Gefahr. In der Frühzeit der Menschheit war eine solche Reaktion natürlich eine gute Sache; sie konnte angepasst werden und hielt den Einzelnen am Leben. Sobald die Aufmerksamkeit auf die Ursache gelenkt und die Gefahr vorüber war, sank der Stresshormonpegel, und der Mensch war wieder in Balance.

Heute ist das nicht mehr der Fall. Kaum erhalten wir einen Anruf oder eine E-Mail vom Chef oder einem Familienmitglied, was eine starke emotionale Reaktion wie Ärger, Frust, Furcht, Angst, Trauer, Schuld, Leiden oder Scham in uns auslöst, schalten wir das primitive Kampf-oder-Flucht-Nervensystem ein und reagieren, als ob ein Raubtier hinter uns her wäre.

Diese chemische Reaktion bleibt automatisch eingeschaltet, weil die äußere Bedrohung scheinbar nie aufhört. Die meisten Menschen verbringen einen Großteil ihrer Zeit in diesem hoch erregten Zustand; er ist chronisch geworden, als griffe das Raubtier da draußen in der Wildnis nicht nur ab und zu Zähne fletschend an, sondern lebte in derselben Höhle wie wir – beispielsweise die Kollegin, die direkt neben uns arbeitet und eine richtige »Giftspritze« ist.

Eine solche chronische Stressreaktion lässt sich nicht mehr anpassen, sie ist fehlangepasst. Im Uberlebensmodus werden diese Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol dauernd durch den Körper gepumpt, und wir bleiben in Alarmbereitschaft, anstatt wieder in Balance zu kommen. Wird dieses Ungleichgewicht über längere Zeit aufrechterhalten, wie das bei Anna (siehe Kapitel 1) der Fall war, steuern wir auf Krankheit zu, denn durch Langzeitstress wird die gesunde Genexpression herunterreguliert.

Der Körper wird so auf diesen chemischen Ansturm konditioniert, dass er süchtig danach wird und ein starkes Verlangen danach hat. In diesem Modus ist das Gehirn überwach und übererregt in dem Versuch, unsere Überlebenschancen durch das Vorhersehen, Kontrollieren und Erzwingen dessen, was passiert bzw. passieren soll, zu erhöhen. Und je mehr wir das tun, desto stärker wird die Sucht und desto mehr meinen wir, unser Körper zu sein, der mit seiner Identität und der Umwelt verbunden ist und in der linearen Zeit lebt, denn darauf richten wir unsere gesamte Aufmerksamkeit.

Sobald das Gehirn derartig angeregt sowie der Überlebensmodus eingeschaltet ist und wir mit unserer Aufmerksamkeit von der Arbeit zu den Nachrichten, von der Exfrau über die Freunde zu den E-Mails, Facebook- und Twitter-Nachrichten wandern, werden diese verschiedenen neurologischen Netze (siehe Abbildung 2.5, Seite 85) sehr schnell aktiviert.

Auf die Dauer wird durch diesen gewohnheitsmäßig engen Fokus und das Hin- und Herspringen der Aufmerksamkeit das Gehirn gleichsam in Einzelteile aufgespalten und funktioniert nicht mehr ausgewogen. Dadurch wird das Gehirn darauf trainiert, in einem ungeordneten, inkohärenten Muster und damit sehr ineffizient zu arbeiten. Wie bei einem Gewittersturm in den Wolken feuern verschiedene neuronale Netze ungeordnet, und das Gehirn arbeitet nicht mehr synchron. Der Effekt ist ähnlich wie bei Trommlern, die alle gleichzeitig auf ihre Trommel schlagen, aber nicht rhythmisch zusammenkommen.

Auf Kohärenz und Inkohärenz werden wir noch ausführlich eingehen; an dieser Stelle sei nur gesagt: Geht Ihr Gehirn in Inkohärenz, sind auch Sie inkohärent. Arbeitet Ihr Gehirn nicht optimal, funktionieren auch Sie nicht optimal.

Zu jeder Person, jedem Ding und jedem Ort, mit denen Sie im Leben in der Außenwelt Erfahrungen gemacht haben und die damit für Sie etwas Bekanntes sind, haben Sie auch eine entsprechende emotionale Verbindung, denn Emotionen, die ja Energie in Bewegung sind, sind die chemischen Rückstände von Erfahrungen.

Leben Sie die meiste Zeit mit diesen süchtig machenden Stresshormonen, dann benutzen Sie womöglich Ihren Chef, um Ihre Sucht nach Wertung und Beurteilung, und die Kollegen, um Ihre Sucht nach Konkurrenzkampf zu bestärken. Mit den Freunden wird vielleicht die Sucht nach Leiden, mit den Feinden die Sucht nach Hass, mit den Eltern die Sucht nach Schuld, mit Facebook die Sucht nach Unsicherheit, mit den Nachrichten die Sucht nach Wut, mit dem Expartner die Sucht nach Groll und mit Ihrer Beziehung zu Geld die Sucht nach Mangel bestärkt.

Ihre Emotionen – das heißt Ihre Energie – sind also mit all den Menschen, Orten und Dingen vermischt — ja sogar daran gebunden -, mit denen Sie in Ihrer bekannten, vertrauten Realität Erfahrungen machen. Und das bedeutet: Es ist keine Energie mehr da, eine neue Stelle, eine neue Beziehung, eine neue finanzielle Situation, ein neues Leben oder sogar einen neu gesundeten Körper zu kreieren.

Man kann es auch anders ausdrücken: Es bleibt keine Energie mehr für Ihre innere Welt der Gedanken und Gefühle übrig, solange die Frequenzen und Informationen, die Sie in Ihr Energiefeld abgeben (welches sich signifikant auf Ihr Leben auswirkt), von Ihrem Denken und Fühlen bestimmt werden und Ihre ganze Aufmerksamkeit (und damit Ihre gesamte Energie) an die Außenwelt gebunden bleibt, also an Menschen, Dinge, Orte und die Zeit.

Je stärker die Emotionen, nach denen Sie süchtig sind, desto mehr Energie werden Sie in die betreffende Person, das Objekt, den Ort oder die Umstände in der Außenwelt stecken — und damit geben Sie den Großteil Ihrer schöpferischen Energie ab, und Ihr Fühlen und Denken entspricht all dem, was Ihnen bekannt ist.

Mit einer solchen Sucht nach der Außenwelt ist es schwierig, Neues zu denken bzw. zu fühlen. Und möglicherweise werden Sie süchtig nach all den Menschen und Dingen in Ihrem Leben, die Ihr Problem hauptsächlich bzw. überhaupt erst verursacht haben. So geben Sie Ihre Kraft ab und gehen schlecht mit Ihrer Energie um. Die in Abbildung 2.5 aufgeführten Beispiele veranschaulichen, wie wir mit allem in unserer Außenwelt energetische Bindungen eingehen.

Jetzt wollen wir einen Blick auf Abbildung 2.6 werfen. Die beiden Atome auf der linken Seite des Diagramms sind über ein unsichtbares Energiefeld miteinander verbunden und teilen Informationen; diese Energie erzeugt eine Bindung zwischen ihnen. Auf der rechten Seite des Diagramms sind zwei Menschen zu sehen, die eine gemeinsame Erfahrung machen, nämlich Groll empfinden; auch sie sind über ein unsichtbares Energiefeld aneinander gebunden, stehen dadurch energetisch miteinander in Verbindung. In Wirklichkeit teilen sie dieselbe Energie und damit dieselben Informationen.

Um zwei Atome voneinander zu trennen, ist Energie erforderlich. Ebenso müssen Sie beim Meditieren Energie und Mühe aufwenden, um die Bindung Ihrer Aufmerksamkeit und Energie an immer dieselben Menschen, Orte und Dinge in der äußeren, physischen Welt aufzulösen. Da stellt sich die Frage: Wie viel schöpferische Energie ist in Schuld, Hass, Groll, Angst und im Gefühl des Mangels gebunden? All diese Energie könnten Sie verwenden, um sich ein neues Schicksal zu erschaffen.

Dazu müssen Sie all diesen äußeren Dingen Ihre Aufmerksamkeit entziehen und so über sie hinausgehen. Deshalb nutzen wir Meditation zum Verändern unserer inneren Verfassung; durch Meditieren können wir uns von unseren Verbindungen mit allem und jedem, überall und jederzeit lange genug frei machen, um uns auf die Reise nach innen zu begeben.

Sobald Sie Ihren emotionalen Körper überwunden und Ihre Aufmerksamkeit von all dem Bekannten in der Außenwelt abgezogen haben, können Sie Ihre Energie zu sich zurückholen.

Teilen von Energie & Informationen

teilen von energie und informationen
Abbildung 2.6 Es ist wie bei zwei Atomen, die zu einem Molekül verbunden sind und damit Energie und Informationen miteinander teilen: Wenn zwei Menschen die gleichen Emotionen und dieselbe Energie miteinander teilen, die gleichen Gedanken und Informationen kommunizieren, entsteht auch zwischen ihnen eine Bindung. In beiden Fällen wird durch ein unsichtbares Energiefeld eine Bindung kreiert. Um zwei Atome voneinander zu trennen, ist Energie erforderlich; ebenso sind Energie und Gewahrsein vonnöten, um unsere Aufmerksamkeit von den Menschen und Lebensumständen abzuziehen, an die wir so viel kreative Energie abgegeben haben.

Dann können Sie die Fesseln sprengen, die Sie bislang an Ihre vergangene-gegenwärtige Realität (die immer dieselbe ist) binden. Sie »müssen« den Übergang von einer Person mit einem Körper hin zu einem Niemand ohne Körper vollziehen – und das heißt Ihre Aufmerksamkeit von Ihrem Körper, Ihren Schmerzen und Ihrem Hunger abziehen und sich von einem Jemand in einen Niemand verwandeln (also sich nicht mehr auf Ihre Identität als Partner, Elternteil oder Mitarbeiter fokussieren); Sie müssen Ihre Aufmerksamkeit nicht mehr auf etwas lenken, sondern auf das Nichts (das

heißt Ihre Hand, Ihre E-Mails und die Tasse Kaffee vergessen), nicht mehr an einem bestimmten Ort sein, sondern nirgendwo (nicht mehr an den Stuhl denken, auf dem Sie beim Meditieren sitzen, oder daran, wo Sie im Lauf des Tages noch sein werden), nicht mehr in der linearen Zeit, sondern in keiner Zeit sein (ohne ablenkende Erinnerungen oder Gedanken an die Zukunft).

Ich will damit nicht sagen, Ihr Smartphone oder Ihr Notebook oder Ihr Auto oder Ihr Bankkonto seien etwas Schlechtes; solange Sie allerdings gar zu sehr an diese Dinge verhaftet sind und Ihre Aufmerksamkeit so stark daran gefesselt ist, dass Sie an nichts anderes mehr denken (wegen der starken damit assoziierten Emotionen), nehmen diese Besitztümer Sie in Besitz. Und dann können Sie nichts Neues mehr erschaffen. Das können Sie nur, wenn Sie lernen, sämtliche aufgeteilte Energie zu sich zurückzuholen und die Überlebensemotionen zu überwinden, nach denen Sie süchtig sind und die Ihre gesamte Energie in Ihrer vergangenen-gegenwärtigen Realität festhalten.

Sobald Sie Ihre Aufmerksamkeit von all diesen äußeren Dingen abziehen, werden Ihre energetischen und emotionalen Fesseln gelockert und Sie können genug Energie freisetzen, die Sie zum Erschaffen einer neuen Zukunft nutzen können. Dazu müssen Sie sich bewusst machen, worauf Sie unbewusst Ihre Aufmerksamkeit gerichtet haben, und wie beim Trennen zweier Atome ist Energie notwendig, um diese Fesseln bewusst zu sprengen.

Während der Workshops kommen ständig Leute zu mir und erzählen, ihr Computerlaufwerk sei abgestürzt, ihr Auto sei gestohlen worden, sie hätten ihre Arbeit verloren und kein Geld mehr. Und wissen Sie, was ich sage, wenn sie mir erzählen, sie hätten Dinge oder Menschen in ihrem Leben verloren? »Super, jetzt hast du ganz viel Energie, um dir ein neues Schicksal zu gestalten!« Und übrigens: Wenn Sie diese Arbeit gut bewältigen und es Ihnen gelingt, Ihre Energie zu sich zurückzuholen, fühlt sich das anfangs höchstwahrscheinlich unangenehm oder sogar ein bisschen chaotisch an.

Stellen Sie sich darauf ein; bestimmte Bereiche Ihres Lebens fallen womöglich auseinander. Aber keine Sorge: Das soll so sein, denn Sie lösen die energetischen Bande zwischen sich und Ihrer immer gleichen vergangenen Realität auf. Alles, was schwingungsmäßig nicht mehr zu Ihrer Zukunft passt, fällt weg. Lassen Sie es zu! Versuchen Sie nicht, Ihr altes Leben erneut zusammenzusetzen; dafür sind Sie viel zu sehr mit dem neuen Schicksal beschäftigt, das Sie für sich herbeirufen.

Hier ist ein tolles Beispiel dafür: Ein Freund von mir, Vizepräsident einer Universität, kam drei Wochen, nachdem er mit dem Meditieren angefangen hatte, zu einer Vorstandssitzung. Er war das Rückgrat dieser Universität und bei den Studierenden und Fakultätsmitgliedern sehr beliebt. Er ging also in das Sitzungszimmer, setzte sich hin — und wurde gefeuert! Am Telefon sagte er zu mir:

»Also, ich weiß nicht, ob dieser Meditationsprozess wirklich funktioniert. Der Vorstand hat mich gerade rausgeschmissen. Eigentlich sollte durch diese Arbeit doch was Tolles passieren, oder nicht?«

»Hör zu«, sagte ich, »klammere dich nicht an diese Überlebensemotionen, denn dann bist du in deiner Vergangenheit. Finde stattdessen immer wieder den gegenwärtigen Moment und kreiere von diesem Punkt aus!«

Innerhalb von zwei Wochen verliebte er sich in eine Frau und heiratete sie. Außerdem erhielt er schon bald das Angebot, als Vizepräsident für eine viel größere und bessere Universität zu arbeiten — was er dankbar annahm.

Ein Jahr später rief er mich wieder an und erzählte, das College, das ihn damals gefeuert hatte, habe ihn gebeten, zurückzukommen und Präsident zu werden.

Wir wissen also nie, was das Universum für uns noch auf Lager hat, wenn unsere alte Realität geht und die neue Realität sich zu entfalten beginnt. Nur eines kann ich Ihnen versichern: Das Unbekannte hat mich nie im Stich gelassen.

Die eigene Energie zurückholen

Um die Verbindung zur Außenwelt zu kappen, müssen Sie lernen, Ihre Gehirnwellen zu verändern. Deshalb wollen wir an dieser Stelle kurz auf die Gehirnwellenfrequenzen eingehen. Die meiste Zeit, die Sie wach und bewusst verbringen, befinden Sie sich im Betawellenbereich. Betawellen werden in niedere, mittlere und hohe Betawellen unterteilt. Niederfrequente Betawellen beziehen sich auf einen entspannten Zustand, in dem Sie aus der Außenwelt keine Bedrohungen wahrnehmen, aber sich Ihres Körpers in Raum und Zeit nach wie vor bewusst sind, beispielsweise beim Lesen, einem freundlichen, aufmerksamen Gespräch mit Ihrer Tochter oder wenn Sie sich einen Vortrag anhören.

Im mittleren Betabereich sind Sie etwas wacher, beispielsweise wenn Sie eine Gruppe von Menschen kennenlernen und sich die einzelnen Namen merken sollen. Sie sind wachsamer, aber nicht übermäßig gestresst oder vollkommen aus der Balance. Mittelfrequentes Beta ist so eine Art guter Stress. Im hochfrequenten Betabereich ist der Pegel der Stresshormone hoch — die Überlebensemotionen treten bei Ihnen auf den Plan, beispielsweise Wut, Alarmbereitschaft, Aufregung, Leiden, Kummer, Angst, Frust oder auch Depressionen. Hochfrequente Betawellen sind bis zu dreimal so hoch wie niederfrequente und doppelt so hoch wie mittelfrequente Betawellen.

Wir verbringen im Wachzustand zwar die meiste Zeit im Betawellenbereich, wechseln aber im Lauf des Tages auch hin und wieder in das Alphawellen-Frequenzspektrum, und zwar, wenn wir entspannt, ruhig, kreativ oder auch intuitiv sind, also nicht mehr denken oder analysieren, sondern tagträumen oder uns in der Fantasie etwas vorstellen, ähnlich wie in Trance. Betawellen deuten darauf hin, dass die Aufmerksamkeit größtenteils auf der Außenwelt liegt, bei Alphawellen fokussieren wir verstärkt auf die Innenwelt.

Im Thetabereich gelangen wir in diesen Dämmerzustand, in dem das Gehirn zwar noch wach ist, der Körper aber in den Schlaf hinübergleitet. Diese Frequenz wird mit tiefen Meditationszuständen assoziiert. Deltawellen treten normalerweise während des regenerierenden Tiefschlafs auf. Mein Forschungsteam und ich haben allerdings in den letzten vier Jahren bei manchen Studierenden sehr tiefe Deltazustände während der Meditation aufgezeichnet. Dabei schläft der Körper fest, die Meditierenden träumen nicht, aber wie die Gehirnscans demonstrieren, verarbeitet das Gehirn   Energie mit sehr hohen Amplituden. Solche Personen berichten von tiefen mystischen Erfahrungen des Einsseins und der Verbundenheit mit allem und jedem im Universum. Abbildung 2.7 zeigt einen Vergleich der unterschiedlichen Gehirnwellenzustände.

Gehirnwellen im Gammafrequenzbereich deuten auf einen Zustand hin, den ich Überbewusstsein nenne. Diese hochfrequente Energie tritt auf, wenn das Gehirn aufgrund eines inneren Ereignisses erregt wird (beispielsweise häufig beim Meditieren mit geschlossenen Augen, wenn sich die betreffende Person nach innen wendet) und nicht wegen etwas außerhalb des Körpers Geschehenden. Darauf gehen wir in nachfolgenden Kapiteln näher ein.

Unterschiedliche Gehirnwellen

gehirnwellen
Abbildung 2.7 Vergleich unterschiedlicher Gehirnwellen

Aus dem hochfrequenten (oder auch mittleren) Beta- in den Alpha- und dann in den Thetawellenbereich zu wechseln ist für viele Meditierende eine der größten Herausforderungen; allerdings ist dies unabdingbar, denn durch das Herunterschalten in diese anderen Frequenzen ziehen sie die Aufmerksamkeit von der Außenwelt mit all ihren Ablenkungen ab, über die sie unter Stress gewohnheitsmäßig so viel nachdenken. Und da sie dann nicht mehr analysieren oder Strategien entwerfen in dem Versuch, sich basierend auf ihren angstvollen Erinnerungen an die Vergangenheit auf den schlimmstmöglichen Fall in ihrer Zukunft vorzubereiten, haben sie die Chance, präsent — nur im Jetzt — zu leben.

Wäre es nicht wunderbar, während der Meditation die Verbindung zu all den Elementen der Außenwelt zu trennen, um über Ihren Körper, Ihre Ängste, Ihre Termine hinauszugehen und die vertraute Vergangenheit sowie die vorhersehbare Zukunft zu vergessen? Sollte Ihnen das gelingen, vergessen Sie dabei sogar die Zeit.

Genau das passiert, wenn Sie Ihr automatisches Denken, Ihre Emotionen und Ihre Gewohnheiten in der Meditation überwinden: Sie gehen über Ihren Körper, Ihre Umwelt und die Zeit hinaus. Sie schwächen die energetischen Bindungen an Ihre vergangene-gegenwärtige Realität und befinden sich im gegenwärtigen Moment. Nur in diesem gegenwärtigen Moment können Sie Ihre Energie zurückholen. Das kostet einige Anstrengung (durch entsprechendes Üben wird es jedoch einfacher), denn die meiste Zeit wird Ihr Leben von den Stresshormonen bestimmt.

Lassen Sie uns nun anschauen, was passiert, wenn Sie beim Meditieren nicht im gegenwärtigen Moment sind, damit Sie wissen, wie Sie gegebenenfalls damit umgehen können. Das ist wichtig, denn ohne über Ihren Stress, Ihre Probleme und Ihre Schmerzen hinauszugehen, wird es Ihnen nicht möglich sein, eine neue Zukunft ohne all diese Dinge zu erschaffen.

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen beim Meditieren, und Ihre Gedanken wandern ab. Das ist Ihr gewohnheitsmäßiges Denken, denn seit Jahren denken Sie immer das Gleiche, fokussieren Ihre Aufmerksamkeit immer auf dieselben Menschen und Dinge, zur gleichen Zeit und am selben Ort. Tag für Tag haben Sie automatisch dieselben vertrauten Gefühle übernommen, einfach um dieselbe Persönlichkeit zu bestärken, die mit Ihrer immer gleichen persönlichen Realität verbunden ist — dadurch haben Sie Ihren Körper andauernd auf die Vergangenheit konditioniert. Der einzige Unterschied besteht im Moment darin, dass Sie die Augen geschlossen haben, weil Sie zu meditieren versuchen.

Während Sie also mit geschlossenen Augen dasitzen, sehen Sie Ihre Chefin nicht auf der physischen Ebene, aber Ihr Körper möchte diese Wut spüren, denn sooft Sie sie während des Tages im Wachzustand sehen – 50-mal am Tag, an fünf Tagen die Woche -, steigen in Ihnen gewohnheitsmäßig Gefühle der Bitterkeit oder Aggressionen empor. Schickt sie Ihnen E-Mails (mindestens zehn am Tag), läuft es ähnlich: Sie haben unbewusst dieselbe emotionale Reaktion, Ihr Körper braucht sie also, um Ihre Sucht nach Wut zu bestärken; daran hat er sich gewöhnt.

Er möchte die Emotionen fühlen, nach denen er inzwischen süchtig ist, und so wie ein Drogenabhängiger nach dem »Stoff« giert, verlangt der Körper nach den so vertrauten chemischen Substanzen. Er möchte die vertraute Wut auf Ihre Chefin spüren, die Sie wegen der verweigerten Beförderung empfinden, oder Ihr Urteil über Ihren Kollegen, der von Ihnen immer verlangt, dass Sie ihn vertreten. Dann wandern Ihre Gedanken zu anderen Kollegen, über die Sie sich ärgern, und zu noch mehr Gründen, um wütend auf Ihre Chefin zu sein. Da sitzen Sie und versuchen zu meditieren, aber Ihr Körper setzt alles daran, Sie davon abzuhalten, denn er möchte weiterhin seinen chemischen

»Drogencocktail«, die vertrauten Emotionen spüren, die Sie normalerweise im Wachzustand mit offenen Augen fühlen.

Sobald Sie merken, was da passiert – nämlich, dass Sie Ihre ganze Aufmerksamkeit auf diese Emotion richten werden Sie sich bewusst, dass Sie Ihre Energie in die Vergangenheit stecken (denn Emotionen sind Aufzeichnungen der Vergangenheit); Sie halten inne und kehren zum gegenwärtigen Moment zurück, ziehen Ihre Aufmerksamkeit und Energie aus der Vergangenheit ab.

Nach einer Weile sind Sie wieder frustriert, wütend oder verärgert und erkennen, was Sie da machen. Sie rufen sich in Erinnerung, dass Ihr Körper versucht, diese Emotionen zu spüren, um seine Sucht nach diesen chemischen Stoffen zu bestärken, und dass diese Emotionen Ihr Gehirn in den hochfrequenten Betawellenbereich treiben – und Sie halten inne. Sooft Sie innehalten, Ihren Körper beruhigen und zum gegenwärtigen Moment zurückkehren, teilen Sie Ihrem Körper mit, dass er nicht mehr der Geist ist – Sie sind der Geist!

Doch dann gehen Ihnen Gedanken über die Leute durch den Kopf, die Sie treffen müssen, über Orte, zu denen Sie gehen müssen, Dinge auf Ihrer heutigen To-do-Liste. Sie fragen sich, ob Ihre Chefin wohl diese eine E-Mail schon beantwortet hat; außerdem fällt Ihnen ein, dass Sie Ihre Schwester noch nicht zurückgerufen haben. Darüber hinaus wird heute doch der Müll abgeholt, Sie müssen also daran denken, die Mülltonne rauszustellen. Plötzlich wird Ihnen bewusst, wie Sie durch Vorwegnehmen dieser Zukunftsszenarien Ihre Aufmerksamkeit und Energie in dieselbe bekannte Realität investieren. Sie halten also inne, kehren zum gegenwärtigen Moment zurück, ziehen Ihre Energie aus dieser vorhersehbaren, bekannten Zukunft ab und machen dem Unbekannten Platz in Ihrem Leben.

Wie ein Blick auf Abbildung 2.8 zeigt, wandert Ihre Energie (durch Pfeile veranschaulicht), sobald Sie in diesem perfekten gegenwärtigen Moment voll unendlicher Möglichkeiten sind, nicht mehr von Ihnen weg und in die Vergangenheit oder Zukunft, wie das in Abbildung 2.3 dargestellt ist.

Jetzt ziehen Sie Ihre Energie aus dieser vertrauten Vergangenheit und der vorhersehbaren Zukunft ab. Sie aktivieren und vernetzen nicht mehr die immer gleichen Schaltkreise auf dieselbe Weise, und da Sie auch nicht mehr die gleichen Emotionen fühlen, regulieren Sie auch nicht mehr dieselben Gene auf dieselbe Weise und senden ihnen nicht mehr die gleichen Signale. Durch kontinuierliches Praktizieren holen Sie ständig diese ganze Energie zurück, indem Sie die energetischen Bindungen an Ihre vergangene-gegenwärtige Realität auflösen; das geschieht, weil Sie Ihre Aufmerksamkeit und Energie von der Außenwelt auf die Innenwelt lenken und um Ihren Körper ein elektromagnetisches Feld aufbauen. Jetzt steht Ihnen freie Energie zur Verfügung, und die können Sie dazu nutzen, etwas Neues zu kreieren.

Und wen wundert’s — irgendwann geht Ihre Aufmerksamkeit wieder auf Wanderschaft. Sie bleiben beim Meditieren sitzen, und Ihr Körper wird immer ärgerlicher und ungeduldiger, weil er etwas tun will. Schließlich haben Sie ihn tagtäglich darauf programmiert, dauernd derselben Routine zu folgen. Er will nicht mehr meditieren, will die Augen aufmachen und jemanden sehen, etwas im Fernsehen hören oder mit jemandem telefonieren. Er möchte sich lieber das Frühstück schmecken lassen, als hier rumzusitzen und nichts zu tun, möchte den Kaffeeduft riechen, so wie jeden Morgen. Und würde liebend gerne etwas fühlen, beispielsweise eine heiße Dusche, bevor er mit seinem Tagewerk beginnt.

Der Körper möchte die physische Realität mit seinen Sinnen erfahren, um eine Emotion übernehmen zu können, doch unser Ziel besteht darin, eine Realität aus einer Welt jenseits Ihrer Sinne zu erschaffen, die nicht von Ihrem Körper als Geist definiert wird, sondern von Ihnen als Geist.

Seine Energie & Kraft zurückholen

Elektromagnetisches Feld

elektromagnetisches Feld
Abbildung 2.8 Indem Sie Ihrer vergangenen-gegenwärtigen Realität bzw. Ihrer vorhersehbaren Zukunft Ihre Aufmerksamkeit entziehen, holen Sie Ihre Energie zu sich zurück und bauen Ihr elektromagnetisches Feld auf. Jetzt steht Ihnen Energie zur Verfügung, um sich zu heilen oder eine neue Erfahrung im Leben zu kreieren.

Sie werden sich also der Programmierung bewusst und holen den Körper zurück in den gegenwärtigen Moment. Er versucht erneut, in die vertraute Vergangenheit zurückzukehren, denn er will für sich eine vorhersehbare Zukunft. Sie aber bringen ihn immer wieder zurück. Jedes Mal, wenn Sie diese automatisch ablaufenden Gewohnheiten überwinden, wird Ihr Wille größer als Ihr Programm. Sooft Sie Ihren Körper zurück in den gegenwärtigen Moment bringen, wie wenn man einem Hund das Sitzen beibringt, konditionieren Sie ihn auf einen neuen Geist. Sobald Sie sich Ihrer Programmierung bewusst werden und sich bemühen, im gegenwärtigen Moment zu sein, besagen Sie damit, dass Ihr Wille größer ist als Ihr Programm.

Bringen Sie Ihre Aufmerksamkeit (und damit auch Ihre Energie) immer wieder in den gegenwärtigen Moment zurück und nehmen wahr, wann Sie präsent sind und wann nicht, wird der Körper früher oder später auf- und nachgeben. Dieser Prozess der beständigen Rückkehr zum gegenwärtigen Moment, sobald Sie merken, dass Sie davon abgedriftet sind, sprengt die energetischen Fesseln, die Sie an die vertraute, bekannte Realität binden. Dadurch gehen Sie über Ihre Identität in der physischen Welt hinaus und in das Quanten- feld hinein. (Dieses Konzept wird im nächsten Kapitel erklärt.)

Der härteste Teil jedes Kriegs ist der letzte Kampf. Das heißt, falls Ihr Körper – als Geist — herumtobt und Ihnen einredet, Sie könnten einfach nicht mehr weitermachen; falls er Sie zum Aufhören bewegen und in die Welt der Sinne zurückkehren will: Machen Sie beharrlich weiter! Sie tun wahrhaft den Schritt ins Unbekannte — und früher oder später werden Sie Ihre innere emotionale Sucht durchbrechen. Sie wachsen über Ihre Schuld und Ihr Leiden, Ihre Angst und Ihren Frust, Ihren Groll und Ihr mangelndes Selbstwertgefühl hinaus und befreien dadurch Ihren Körper aus den Fesseln dieser Gewohnheiten und Emotionen, die Sie fest in der Vergangenheit verankert haben.

Somit setzen Sie Energie frei, die jetzt zu Ihnen zurückkehrt. Der Körper lässt all diese gespeicherte emotionale Energie los und wird nun nicht mehr zum Geist. Sie entdecken, dass die Kehrseite Ihrer Angst Mut ist, die Kehrseite Ihres Mangels ist Ganzheit, und jenseits Ihrer Zweifel ist das Wissen. Mit dem Schritt ins Unbekannte und dem Loslassen Ihrer Wut oder Ihres Hasses entdecken Sie Liebe und Mitgefühl. Es ist dieselbe Energie; sie war nur im Körper gespeichert und steht Ihnen jetzt zur Verfügung, um sich ein neues Schicksal zu gestalten.

Indem Sie lernen, über sich — bzw. die Erinnerung an sich und Ihr Leben — hinauszuwachsen, sprengen Sie die Fesseln an alles und jedes, jeden Ort und jede Zeit, die Sie weiterhin an Ihre vergangene-gegenwärtige Realität binden. Und indem Sie schließlich Ihre Wut oder Ihren Frust überwinden und die einstmals in der Vergangenheit feststeckende Energie freisetzen, holen Sie diese Energie zu sich zurück. Durch das Freisetzen dieser ganzen schöpferischen Energie, die in diesen Überlebensemotionen gebunden war – sowohl innerlich als auch in Ihrer Außenwelt —, bauen Sie um Ihren Körper herum Ihr persönliches Energiefeld auf.

In unseren Advanced Workshops haben wir diesen Effekt, das Zurückholen der Energie, messen lassen, und zwar von Experten, die mit einem hochempfindlichen Gerät Messungen durchführen, einem sogenannten »Gas Discharge Visualization (GDV)«-Gerät (Visualisierung auf Basis einer Gasentladung), das von Dr. Konstantin Korotkov, Ph.D., entwickelt wurde. Damit wird das elektromagnetische Feld in den Workshop-Räumen gemessen, um zu erkennen, wie die Energie sich im Lauf des Workshops verändert.

Am ersten ganzen Tag mancher Advanced Workshops geht die Energie im Raum nach unten, und zwar weil die Teilnehmer zu Beginn des Meditierens sich selbst überwinden und dazu die energetischen Bindungen an alles und jeden in ihrer bekannten Realität auflösen müssen; dadurch holen sie Energie zurück. Sie ziehen Energie aus dem größeren Feld ab, und das Feld im Raum wird schwächer, während die Teilnehmer ihre persönlichen Energiefelder um den Körper herum aufbauen.

Jetzt steht ihnen Energie zur Verfügung, um ein neues Schicksal zu gestalten. Die ganze Gruppe wächst an diesem ersten Tag über sich hinaus, und dabei bauen sich die Teilnehmer ihr eigenes Lichtfeld auf; ihre Energie wird immer stärker, und sie geben auch Energie in den Raum ab, wodurch das Energieniveau ansteigt. Auf den Farbgrafiken 1A und 1B ist zu erkennen, wie das manchmal aussieht.

Eine Möglichkeit, erfolgreich zu meditieren, besteht darin, sich genügend Zeit zu lassen; so lenkt Sie der Versuch, die Erfahrung schnell hinter sich zu bringen, nicht ab. Ich selbst gestehe mir beispielsweise fürs Meditieren zwei Stunden zu. Es müssen nicht jedes Mal zwei Stunden sein, aber ich kenne mich inzwischen gut genug und weiß, wenn ich nur eine Stunde habe, rede ich mir ein, ich hätte nicht genug Zeit. Habe ich dagegen zwei Stunden, kann ich entspannen, weil ich weiß, dass genügend Zeit verfügbar ist, den gegenwärtigen Moment zu finden. Manchmal finde ich diesen perfekten gegenwärtigen Moment voll unendlicher Möglichkeiten ziemlich schnell, manchmal brauche ich eine Stunde, um mein Gehirn und meinen Körper wieder in die Gegenwart zu bringen.

Ich bin immer sehr beschäftigt. An manchen Tagen, wenn ich zwischen Workshops und Vorträgen für drei Tage heimgekommen bin, wache ich morgens auf und denke sofort an die drei Termine, die ich für diesen Tag mit verschiedenen Mitarbeitern eingeplant habe, und gehe im Kopf schon mal durch, worüber ich mit ihnen sprechen muss. Dann denke ich an die E-Mails, die ich vorher zu erledigen habe. Außerdem denke ich daran, dass ich am Nachmittag rechtzeitig den Flieger kriegen muss. Als Nächstes mache ich mir im Kopf eine Notiz über die Telefonate, die ich auf der Fahrt zum Flughafen führen sollte. Sie wissen schon, was ich meine.

Wenn das geschieht und ich an die Begegnung mit den immer gleichen Leuten denke, an dieselben Orte, wo ich hinmuss, die gleichen Dinge, die ich zu erledigen habe, alles zur immer gleichen Zeit in meiner bekannten, vertrauten Realität, erkenne ich, dass ich mein Gehirn und meinen Körper darauf vorbereite, so auszusehen, als wäre diese Zukunft bereits eingetreten. Ich werde mir bewusst, dass meine Aufmerksamkeit in der bekannten Zukunft weilt.

Dann höre ich auf, das Bekannte vorwegzunehmen, und kehre in den gegenwärtigen Moment zurück. Dadurch deaktiviere ich diese neuronalen Verbindungen und löse ihre Vernetzung auf. Und dann werde ich vielleicht ein bisschen emotional, bin ungeduldig und frustriert wegen etwas, das gestern passiert ist. Emotionen sind die Aufzeichnung der Vergangenheit, und meine Energie wird dorthin gezogen, wo meine Aufmerksamkeit weilt; mir wird bewusst, dass ich meine Energie in die Vergangenheit investiere.

Jetzt bringen die Stresshormone mein Gehirn auf Trab, mein Körper wird von den hochfrequenten Betawellen aufgeputscht, und ich muss ihn wieder herunterfahren und in den gegenwärtigen Moment bringen. Dadurch aktiviere und vernetze ich nicht mehr die immer gleichen Schaltkreise im Gehirn und ziehe meine Energie aus der Vergangenheit ab.

Indem ich mir der immer gleichen Gedanken bewusst bin, die mit diesen immer gleichen, vertrauten Gefühlen verbunden sind, und aufhöre, immer dieselben Gefühle zu hegen, konditioniere ich meinen Körper nicht mehr auf die Vergangenheit und sende nicht mehr denselben Genen die gleichen Signale. Emotionen sind ja die Endprodukte äußerer Erfahrungen, und diese äußere Umwelt schickt den Genen Signale; fühle ich diese immer gleichen Emotionen nicht mehr, sende ich auch nicht mehr denselben Genen die gleichen Signale.

Der süße Punkt des großzügigen gegenwärtigen Moments

der gegenwaertige moment
Abbildung 2.9 Im perfekten gegenwärtigen Moment voll unendlicher Möglichkeiten existieren die vertraute Vergangenheit und die vorhersehbare Zukunft nicht mehr. Jetzt sind Sie bereit, in Ihrem Leben neue Möglichkeiten zu kreieren.

Das wirkt sich nicht nur auf meine körperliche Gesundheit aus; der Körper wird auch nicht mehr auf die immer gleiche Zukunft vorbereitet, die auf dem Leben in der Vergangenheit basiert. Ich blockiere also diese vertrauten Gefühle, ändere die genetische Programmierung meines Körpers.

Langzeitstress und die damit verbundenen Hormone regulieren die Expression gesunder Gene herunter und verursachen Krankheiten; sooft ich bemerke, dass erneut diese stressbezogenen Emotionen hochkommen, und ich das unterbinden kann, »entwöhne« ich meinen Körper von seiner konditionierten Sucht nach diesen Stresshormonen. Wenn ich das richtig mache – das heißt meine vertrauten Gedanken und Emotionen über meine bekannte Vergangenheit und Zukunft überwinde -, existiert diese vorhersehbare Zukunft (und auch die vertraute Vergangenheit, mit der ich sie immer bestärkt habe) auf der energetischen, neurologischen, biologischen, chemischen, hormonellen und genetischen Ebene nicht mehr.

Indem ich diese immer gleichen alten neuronalen Netze nicht mehr aktiviere und vernetze (weil ich nicht mehr an diese Erinnerungen von Menschen und Dingen zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten denke), sondern immer wieder zum gegenwärtigen Moment zurückkehre, hole ich die Energie zu mir zurück. In Abbildung 2.9 (Seite 103) existieren die vertraute Vergangenheit und die vorhersehbare Zukunft nicht mehr.

Jetzt befinde ich mich im perfekten gegenwärtigen Moment voll unendlicher Möglichkeiten und habe freie Energie zur Verfügung, um kreieren zu können. Ich habe das Energiefeld um meinen Körper aufgebaut. Sooft ich — manchmal stundenlang — daran gearbeitet habe, über mich selbst hinauszuwachsen und diesen Ort des ewigen Jetzt zu finden, und wirklich einen Durchbruch hatte, dachte ich immer dasselbe: »Das war jede Mühe wert!«


Eine Meditation, die Sie dabei unterstützt, in den »Gegenwärtigen Moment« zu gelangen, kann als CD oder MP3-Datei unter www.drjoedispenza.de erworben werden.

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