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Im Lauf der Zeiten wird ein Gebäude entstehen, einer Kirche verwandt, für Menschen aller Konfessionen und Rassen, für Menschen jedes Alters und jedes Berufes, die hier ihr tiefstes Wollen der unendlichen Kraft unterbreiten und von dieser Kraft Hilfe zur Vollendung ihres Wollens erbitten. Leuten in Sympathie mit solcher Art zu empfinden soll die Aufgabe zufallen, jede materielle Störung, jedes unehrerbietige Eindringen fernzuhalten; dies Amt müsste als Zeichen heiligen und liebenden Vertrauens empfangen werden. Das Haus aber sollte ein Ort des Schweigens für schweigendes Verlangen sein. Wer eintritt, sollte ermahnt werden, keine störende Stimmung einzulassen; ein Ort ernsten Verlangens nach dem dauernd Guten, jedoch kein Ort der Düsterkeit und Melancholie.

Eine Kirche sollte ein Raum sein, darin die Konzentration höchster Gedankenkraft akkumuliert. Die höchste Gedankenkraft ist die, deren Motiv das höchste ist. Das höchste Motiv ist der Wunsch, sich und andere zu vollenden. Wer nicht die Kraft hat, sich selbst zu vollenden, kann auch anderen keine dauernde Hilfe bringen. Die Kraft aber kommt aus dem Gebet zur unendlichen Macht, deren Teil wir sind. Sie kommt schneller, wenn das Gebet an einem Ort stattfindet, der einzig solchem schweigenden Verlangen geweiht ist. Was diese unendliche Macht ist, wissen wir nicht, das aber wissen wir: Das Unendliche und Rätselvolle antwortet, irgend etwas antwortet und erhöht unsere Gebete. Wer immer in der Kirche des schweigenden Verlangens geweilt hat, sollte dies Gedenken zurücklassen: „Ich erbitte Gutes für mich selbst von der unendlichen Kraft. Ich verlange mehr Gesundheit des Leibes, mehr Kraft und Klarheit des Geistes! Ich verlange Kraft, mich von Neid und Hass und Eifersucht und bösem Willen gegen andere zu befreien, die ich übe, obwohl ich weiß, dass sie auch mir schaden. Ich verlange Einsicht, auf das mir Mittel und Wege offenbar werden, dies alles von mir abzutun. Endlich wünsche ich, hier einen Gedanken zurückzulassen, der andern, die nach mir kommen, nützen möge. Leiden sie körperlichen Schmerz, so möge er aufhören. Sind sie schwach oder lahm oder krank oder sonstwie heimgesucht, so erbitte ich und ziehe an mich aus dem Unendlichen mein Quantum Kraft und stifte es zu Hilfe und Heilung. Kommen nach mir solche hierher, die betrübt sind in ihrem Herzen, möge das Wenige, was ich hier lassen kann für sie, ihnen wohltun.“

Wenn alle Menschen, die einen Raum betreten, sich vereinen, den gleichen Gedankenstrom auszusenden, so füllt oder lädt sich der Raum mit diesem höchst geistigen Äther. Ist es der Gedanke der Macht und Hilfe, so bleibt in dem Raum etwas zurück, das gleich einem Fluidum auf den Kommenden übergeht und Kraft und Hilfe zeugt. Kommen Hunderte und Tausende in gleichem Geist in dieses Heil- oder Heiligtum, so lässt jeder sein Scherflein an Kraft und Hilfe zurück! Der Raum wird im Laufe der Zeit zu einem ungeheuren geistigen Akkumulator, vorausgesetzt, dass er nie zu anderen Zwecken benützt wird und dass andere, niedere, weltliche oder egoistische Gedanken ferngehalten werden.

Die aufgespeicherte Kraft wird dazu beitragen, jene zu heilen, die kranken Körpers sind und hier im Glauben zu bitten kommen; es wird die Willensschwachen stärken, Bedrückte erheben – wie von unsichtbaren Strahlen gestützt, richten sich in solch einem Raum die Menschen auf. Nur wenige Minuten aber sollte der Aufenthalt in diesem Raume währen, dass nicht Ermüdung oder Gedanken niedrigerer Art sich einzuschleichen beginnen.

Unsere gewöhnlichen Kirchen werden aus diesem Grunde unbewusst entweiht. Leute kommen und bringen ihre Alltagsgedanken mit hinein – sie reinigen sich zwar vielleicht die Schuhe, nicht aber das Gemüt. Sie flüstern sich Bemerkungen zu, mustern neugierig die Gemeinde; zuweilen, vor Beginn der Predigt, werden an den Türen lange Gespräche geführt. Ist kein Gottesdienst, werden manche Kirchen fast als Durchhäuser benützt. Das alles trübt und schwächt die Aura der Kirche. Über ihr, mehr als an irgendeinem anderen Orte, soll das Überschattende der unendlichen Kraft ruhen, als deren Teil wir lebendig bis in die Fingerspitzen fühlen müssen. Dann würden wir aus der Kirche hinaustreten wie gebadet, gestärkt und erfrischt im Geiste! Zu lachen und zu jubeln!

Solch eine Kirche – wahrlich, ein System solcher Kirchen des schweigenden Verlangens, über die ganze Erde verstreut, tut not, da viele Tausende im eigenen Heim keinen abgeschlossenen Raum haben, wo sie sich still zur Konzentration, das heißt, zum Gebet zurückziehen können, um mit den höheren Gedankenströmen in Kontakt zu kommen. Ihre Zimmer sind dem Eindringen fremder Einflüsse zu sehr ausgesetzt.

Die Möglichkeit solchen Eindringens profaniert schon einen Raum. Privatzimmer sind zu sehr gesättigt mit Launen, Missstimmung, ohne den Schatten eines Wunsches, von diesen Zuständen des Gemütes befreit zu werden. Solches Wesen brütet in Zimmern und erschwert es dem ernsten Geiste, sich emporzuschwingen. „Emporschwingen“ ist hier wörtlich gemeint. Gedanken sind Schwingungen einer materiellen Substanz; tiefstehende Gedanken halten wie Wolken das Eindringen der höheren feineren Vibrationen auf. Unter gewissen günstigen Bedingungen sind wir höheren Wellen mehr ausgesetzt als sonst; eine dieser günstigeren Bedingungen wäre eben die Kirche des schweigenden Verlangens, die nur Wellen einer gewissen Art ein- und durchlässt.

Wer da hereintritt, badet sich in einer reinen und starken Geistigkeit. Wer hierher kommt mit dem Wunsche, dass er und andere vervollkommnet würden, lässt in Wahrheit ein Etwas zurück, das den anderen, die nach ihm kommen, hilft, wie ihm geholfen wird durch etwas, was jene, die in gleichem Geiste vor ihm hier waren, ihm selbst hinterließen; – alle werden reicher, und keinem wird etwas genommen. Wer verwirrt und trüb und müde aus seinem Heim hierher kommt, um Frieden zu erbitten, Ruhe des Gemütes und neue Kraft, die die Alltagsmühen selbst zu Freuden veredeln kann, der wird, im rechten Geiste, etwas von der Kraft, die sein Gebet erzeugt, zurücklassen zum Wohle derer, die nach ihm kommen. Denn es ist ein Naturgesetz, dass niemand dauernd geholfen ist, der nicht anderen hilft. Jede „vollkommene Gabe“ ist eine Gabe, die nicht einem, sondern allen zugute kommt. Eine vollkommene Gabe wird von dem unendlichen Bewusstsein oder dem Geiste des unendlichen Guten zugesandt. Ein Gebet an diese Macht muss immer die Bereitwilligkeit einschließen, sich höherer Einsicht zu unterwerfen. Wir müssen in unserer Seele sagen: „Ich wünsche das aus ganzem Herzen! Wenn aber eine Weisheit, die über mir steht, es nicht für mein Bestes hält, so will ich nicht darum bitten.“ Wir werden so mit der Zeit das Beste erhalten, und ein Bestes, das dauert. Wenn wir aber uns nicht unterwerfen (nicht passiv sein können dem Höchsten gegenüber) und im Geiste beten: „Ich will, was ich verlange, unbeugsam, ob es andern ein Gutes ist oder nicht“, dann wird wohl auch dieses Gebet in Erfüllung gehen, wenn wir lange und ausdauernd den gleichen Wunsch wünschen. Es wird sich aber am Ende als „unvollkommene Gabe“ weisen, einseitig, bitterer als süß, Fluch und Segen zugleich – eine Gabe, von der wir endlich scheiden müssen, so groß werden die Schmerzen sein, die sie uns zufügt; denn der Wunsch, der die Gabe rief, war aus dem begrenzten Wissen um das Wohl entsprungen.

In solchem Geiste verlangen die Menschen rastlos nach Geld und nur nach Geld – sie erhalten es zum Schluss, aber um welchen Preis innerer Verkümmerung! Wenn wir aber um Wohlstand in Harmonie mit dem „vollendeten Gesetz“ bitten, werden wir ihn erhalten mit dem ganzen Segen der vollkommenen Gabe.

Der spontane Impuls unseres Geistes, irgendeine materielle Stiftung oder Gabe als Dank für zuteil gewordene Hilfe zu geben, sollte nie unterdrückt oder verscheucht werden. Wer seine Gabe mit dem wahren Willen zum Wohle aller in die Büchse wirft, gibt viel mehr als den Kurswert der Münze. Eine Welle von Hilfe geht mit dem Stückchen Metall, sie haftet an dem Träger, wirkt durch den Raum. Das ist der Zauber der Amulette und Liebesgaben. Ein Ring oder ein Schmuckstück aber, das dem Besitzer indirekt abgebettelt wurde, ungern oder innerlich ohne Freude gegeben wurde, trägt einen üblen Gedanken mit sich fort, denselben missgünstigen Gedanken, der von dem Geber überfloss. Auf diese Art werden Geschenke zu effektiven Trägern der Empfindung zwischen Schenkenden und Beschenkten.

„Geben ist seliger denn nehmen.“ Wenn Dinge in freudigem Impuls geschenkt werden, erhält der Geber in dem dankend frohen Gegenwunsch, der von dem Beschenkten auf ihn zurückfließt, sooft er das Geschenk betrachtet, einen ständigen Strom guter Wellen zugesandt.

Opferbüchsen sollten auch in der Kirche des schweigenden Verlangens stehen, für solche, denen ein Impuls zu geben, kommt, – doch nur, wenn eine lebhafte Freude am Geben eintritt, sollte gestiftet werden, sonst nicht.

Ein missgünstiger Gedanke würde den Raum mehr entweihen, mehr schaden, als die Gabe nützt. Wir erbitten von jedem Leser einen ernsten Wunsch für diese Kirche des schweigenden Verlangens. Jeder solche Gedanke ist eine Kraft, die sie mitbauen hilft. Tausende solcher Gedanken, vereint auf ein Ziel, werden sie bauen die materiellen Mittel kommen dann wie von selbst, ist erst das Verlangen und der Wille zum Werk da.

BeichteInhaltsverzeichnisDie heilende und regenerierende Kraft des Frühlings

 

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