Über die Kunst, Veränderungen zu vermeiden
oder
Da wo es eng wird, ist da, wo es weitergeht

Unlängst nach dem Jour Fixe sagte ein Teilnehmer zu mir: "Nach einem Tantra-Seminar brauche ich immer ein paar Wochen Pause, um das zu verarbeiten". Zunächst klang das ganz logisch, man soll ja auf sich aufpassen und so. Aber ich habe den starken Verdacht, daß wir die paar Wochen Pause dazu nützen, in unsere alten, liebgewonnenen Verhaltensmuster zurückzufallen. Das Neue, auch wenn es noch so schön ist, macht zunächst immer Angst.

Ich kriege auch vor jedem Tantra-Seminar die Panik. Trotzdem habe ich an möglichst vielen teilgenommen. 
Beim letzten Seminar wurde es dann bei einer Atemübung ganz, ganz eng. Zuerst hörte ich auf zu atmen, um mich nicht mehr zu spüren. (Das ist mein alter Trick, um keine zu intensiven Gefühle aufsteigen zu lassen.) Dann habe ich mich entschieden, es einfach zu riskieren und weiterzuatmen. Und da ist der Damm gebrochen. 
Ich habe geschrien, gerotzt und geheult, und es war unendlich erleichternd. Es ist sehr viel Schrott hochgekommen, aber danach fühlte ich mich total befreit. Ich merkte da erst, wieviel Kraft es mich gekostet hatte, diesen Damm die ganze Zeit aufrechtzuerhalten. Durch dieses "Untenhalten" habe ich viele schmerzhafte Gefühle in mir bewahrt, wodurch sie immer wieder Gelegenheit bekamen, sich in Form von Depressionen und unerklärlicher Traurigkeit zu äußern.

Ich entdecke jetzt gerade, wie das Leben sein kann, wenn ich die Energie, die ich immer zum Unterdrücken von Gefühlen aufgewendet habe, zur freien Verfügung habe. Der Zuwachs an Lebensfreude, den ich dadurch erfahren habe, läßt sich mit Worten kaum beschreiben.

In diesem Simme möchte ich alle ermutigen, nicht davonzulaufen, wenn es eng wird. Wenn du merkst, daß es schwierig wird, bleib dabei und atme weiter. Denn da, wo es eng wird, ist genau da, wo es weitergeht.

Und dahinter ist es hell und weit.

Quelle: tantra.at - Gatita Moondancer