Fragen zur Meditation

Dieser Bericht ist von der Frageseite von yoga-vidya.de


Zu meiner Praxis: Täglich meditiere ich mit meinem Mantra 30 bis 60 Minuten. Ich meditiere bereits seit längerer Zeit, aber seit der Integration der täglichen Yogapraxis und der Mantrameditation hat sie eine gänzlich neue Qualität gewonnen, und vermittelt mir das Gefühl "Heimzukommen/Anzukommen". Es ist, als sei die Meditation das Eigentliche (in meinem Leben).

Das Erleben: Ich sitze, auch über längere Zeit, völlig problemlos. Ich habekaum Schwierigkeiten, mich zu konzentrieren. Das Mantra, verbunden mit gleichmäßiger Atmung, hilft, daß ich schnell in einen Status gerate, der eine Ruhe im Körper auslöst. Es ist so, als löse ich mich aus meinem Körper und versammle mich entweder in Herz- oder Stirnbereich, je nachdem, auf welches Chakra ich mich konzentriere. Manchmal "versammle" ich mich in beiden Chakren, ja, aber es geht irgendwie. Ich bemerke, daß die Chakren unterschiedliche Energien/Gefühle/Interpretationsfilter ansprechen. Dann fühle ich helles, gelbes Licht (besonders der Kopfbereich wird Licht), und eine große Verbundenheit und Einheit tritt ein. Außerdem empfinde ich eine tiefe Stille, obwohl ich das Außen (Vogelsingen, Uhrenticken etc.) auch mitbekomme. Es ist, als höre die Zeit auf, zu existieren. Ein ruhiges Glücksgefühl ist in mir. Oft verbleibe ich in diesem Gefühl.

Manchmal tritt etwas sehr Intensives, ja Großartiges auf, dann werde ich sehr unruhig, ambivalent: Ich beende die Meditation fast automatisch (was fast immer passiert). Andererseits zieht es mich tiefer in dieses Gefühl hinein.
Dann spreche ich in der Meditation zum Göttlichen, zu Lakshmi (hinduistische Göttin des Glücks, der Liebe, der Fruchtbarkeit, des Wohlstandes, der Gesundheit und der Schönheit,[2] nicht nur Spenderin von Reichtum, sondern auch von geistigem Wohlbefinden, von Harmonie, von Fülle und Überfluss, Beschützerin der Pflanzen). Es ist oft ein starkes Bedürfnis, dann unterbreche ich die Mantrawiederholung und formuliere Sätze. Es ist jedoch immer nur sehr kurz.


Lakshmi

Meine Fragen: Ist es richtig, in diesem Licht und Glücksgefühl zu verbleiben (das ich als Verbindung zum Kosmischen interpretiere)? Wenn nein, wie kann ich weitergehen? Gibt es dafür Anleitungen?
Diese Unruhe, die mich erfaßt, wenn da dieses andere, "große Erleben" kommt, hat welche Bedeutung? Flüchte ich vor der Tiefe des Göttlichen; bin ich nicht weit genug, es zu erleben?
Ist inneres Sprechen störend, ein falscher Schritt?
Wie kann ich meine Meditation vertiefen, wie geht es weiter? Kann ich den Prozeß beschleunigen?
Bitte interpretiere meinen beschriebenen Meditationsprozeß.
Ich danke Dir.

Antwort von Sukadev:

Du schreitest gut auf dem Pfad der Meditation voran. Deine Erfahrungen sind tief. Du bist auf dem richtigen Weg.
Sieh Deine Erfahrungen als Gnade an und sei dankbar für die Verbindung mit dem Kosmischen. Überlege nicht so sehr, wie es weitergeht, sondern gib Dich dem Kosmischen ganz hin, laß ganz los, und Gott/Göttin wird Dich weiter führen, wie Er/Sie/Es es will. Sei (bei der Meditation) in der Gegenwart, denke nicht so sehr an die Zukunft.
Die Unruhe vor noch tieferen Erfahrungen ist ganz natürlich. Es ist wie die Angst des Brunnenfrosches vor dem Meer. Sie ist die Unruhe vor einer Erfahrung jenseits des Ego. Vollkommene innere Hingabe und Loslassen sind hier nötig. Dann geschieht das, was geschehen soll, wenn es geschehen soll.
Es ist gut zu beten, um Führung zu bitten. Inneres Gebet ermöglicht dem Göttlichen, Dich zu führen.
Ich wünsche Dir weiter Gottes Segen und Swami Sivanandas Führung.


Die nächsten Artikel haben zwar nur am Rande etwas mit dem Thema "Yoga - Meditation und Erleuchtung" zu tun, aber ich fand sie so interessant, daß ich sie ebenfalls hier eingefügt habe. Es sind Erfahrungen von anderen Menschen, die mich sehr beeindruckt haben. Sie zeigen mir, daß es wohl noch etwas mehr gibt, als daß, was uns im täglichen Leben begegnet. Die Artikel sind ebenfalls von der Frageseite von yoga-vidya.de


74. Was bedeutet es, wenn man sich im Tiefschlaf seines Körpers ganz bewußt ist?

Ich habe schon mehrmals erlebt, wie im Tiefschlaf Bewußtsein in den Körper kommt, sich von der Halsgegend her langsam ausbreitet in Beine und Arme. Dennoch bleibt der Körper im Tiefschlaf. Eine Wahrnehmung von Raum- und Zeitlosigkeit, Ich-los, ohne jegliche Gedanken oder Gefühle, breitet sich aus, als wären die Gehirnfunktionen nicht vorhanden. Wenn dann ein Traum kommt, bin ich plötzlich aktiv in einem sehr realen Film. Ich identifiziere mich mit dieser Rolle und dem Körper, in den das Bewußtsein geschlüpft ist. Nach dem Traum ist wieder diese zeitlose Leere, bis zum nächsten Traum. Und dann schließlich wache ich auf, es ist jedoch wieder das gleiche Identifizieren mit einer Rolle, mit einem Körper und genauso real wie die Träume. Kannst du dazu etwas sagen?

Antwort von Sukadev:

Was Du erlebst, ist das, was als "lucides Schlaf/Traumbewußtsein" bezeichnet wird. Das heißt, Du weißt, daß Du schläft und träumst, aber erlebst es bewußt, während das normalerweise unbewußt abläuft. Es ist eine Gnade, eine solche Erfahrung zu machen. Denn es zeigt Dir, daß Bewußtsein unbeschränkt ist, zeit- und raumlos, und der Beobachter von allem.
Miß dem Ganzen darüberhinaus aber nicht übermäßig viel Bedeutung zu. Lebe Dein normales Leben normal und suche nicht zu sehr über das Erfahrene nachzudenken. Bleibe Dir nur bewußt, daß hinter allem das Bewußtsein steht. Wenn Du merkst, daß Du der Beobachter hinter allem bist, kannst Du mit viel
Gleichmut das tun, was getan werden mußt. Wiederhole dabei auch ein Mantra, damit Du etwas hast, an dem Du Dich festhalten kannst. Das Bild eines
Meisters vor Augen zu haben, wie das von Swami Sivananda, ist eine zusätzliche Hilfe.


81. Was muß ich beim Praktizieren von Pranayama beachten?

Seit ein paar Monaten praktiziere ich regelmäßig Asanas (Yogaübungen) und täglich 10-15 Minuten intensiv Pranayama (Atemübungen). In der letzten Zeit fühlte ich mich sehr energetisch aufgeladen - auf dem Höhepunkt mit dem unangenehmen Nebeneffekt, dass ich 2 Wochen fast gar nicht schlafen konnte. Ich hatte das Gefühl, mich zu stark aufgeladen zu haben und hörte mit dem Pranayama wieder auf. Darauf folgte ein ziemlicher Energieeinbruch mit einer leichten depressiven Verstimmung. Ich habe jetzt wieder mit Pranayama angefangen, mache aber kürzere Runden und habe das Gefühl, mich wieder einzupendeln. Meine Frage: Ich fühle mich zum Kundalini Yoga hingezogen und würde gerne ein Kundalini-Vorbereitungswochenende besuchen. Ist das jetzt schon der richtige Zeitpunkt? Was sollte ich beachten? Wie kann ich der zermürbenden Schlaflosigkeit vorbeugen?

Antwort von Sukadev:

Pranayama ist eine sehr machtvolle Praxis. Eine harmonische Wirkung erhältst Du besonders dann, wenn Du die Hauptpraktiken des Yoga kombinierst:
- täglich Meditation
- täglich Asanas
- täglich Pranayama
Gerade, wenn Du sehr starke Wirkungen spürst, ist es wichtig, alle Praktiken harmonisch auszuüben. Auch die Ernährung ist wichtig, insbesondere kein Fleisch, Fisch, Alkohol, Tabak. Wenn die Wirkung sehr stark ist, kann es hilfreich sein, eine Weile auch auf Zwiebeln und Knoblauch zu verzichten. Was Du beschreibst, kann auch eine Reinigungserfahrung sein. Energien werden erweckt, Du brauchst weniger Schlaf. Es war da nicht so gut, mit dem Pranayama ganz aufzuhören.
Was Du jetzt machst, ist gut. Etwas weniger Pranayama, sanfter, das ist das Richtige. Ein Kundalini Yoga Vorbereitungswochenende kannst Du ohne Schwierigkeiten besuchen. Es führt auf sanfte Weise an die Praktiken heran, ohne daß eine zu starke Energieerweckung zu befürchten wäre. Insbesondere lernst Du auch einiges, wie Du mit Energien umgehen kannst, wenn sie aktiv werden. Anschließend kannst Du sehen, ob Du mal eine längere Kundalini Yoga Woche Mittelstufe mitmachen willst.